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[LIAM] Meisterlich Chaotisch • Absender: Leonie, 07.10.2020 14:53

"Mal ehrlich, was hindert dich denn daran? Was, sag mir bitte einfach nur was, hast du zu verlieren?"
Liam hatte keine Antwort auf die Frage. Er zuckte kapitulierend mit den Schultern.
"Genau das meine ich, du kannst nur gewinnen. Stell dir mal vor, ihr macht das ordentlich und dann bist du plötzlich aus Versehen Toursieger!"
Rudis Lachen hatte etwas ansteckendes und auch Liam musste darin einfallen. So Unrecht hatte er ja gar nicht, aber dennoch, irgendwas sträubte sich in ihm.
"So ungern ich das zugebe, aber unser Freund Rudi hier, hat ausnahmsweise mal recht", begann nun auch Iven, mit seiner ruhigen, tiefen Stimme, wurde jedoch von einem ausgelassenen "Hört, hört!" aus mehreren Mündern direkt wieder unterbrochen, was ihm lediglich ein Schmunzeln entlockte. "Anraí ist definitiv bereit für das, ihr wachst eh aus den Jungpferdeprüfungen hinaus und du hast mit Ultra bewiesen, dass du die mittelschweren Prüfungen kannst - und das mit einem Pferd, das dir nochmal deutlich mehr abverlangt, als das bisschen Vertrauensvorschuss, das du Anraí entgegen bringen musst." Nun grinste Iven offen, weil er wusste, dass der Wallach deutlich mehr verlangte, er aber seinen Besitzer einfach mal aus der Reserve locken wollte. Liam kapitulierte seufzend.
"Wenn wir letzter werden, dann macht euch darauf gefasst, dass wir den Abend einen amtlichen Getränkeunfall zelebrieren, bis ich vergessen habe, dass wir überhaupt diese Schnapsidee hatten."


Es schlich sich ein Schmunzeln auf Liams Lippen, als er an diese Situation vor ein paar Wochen zurückdachte, bei einem seiner Besuche auf dem Winter'schen Gut, vor allem zum Training mit seinen beiden Springpferden, doch eben auch, um Zeit mit den mittlerweile teuer gewordenen Mitstreitern dort zu verbringen. Er hatte die Abende in der Hof-WG (die Originale, wie Lorenz nun zu sagen pflegte, wo es eine neue Generation an Azubis dort gibt, die ebenfalls in WGs lebt) sehr zu schätzen gelernt und verbrachte gern die Zeit mit seinen unverhofft gefundenen Freunden, die nahezu allesamt Berufsreiter waren. Meist waren die Abende verbunden mit einem unfassbar gut gekochten Essen, der ein oder anderen Flasche Wein und vielen Gesprächen über all das Wichtige und Nichtige, das eben so die Gemüter beschäftigte. Manchmal waren auch Jule und Norah dabei, nein, korrigiere, meistens waren auch Jule und Norah von der Partie und manchmal kam noch jemand anderes vorbei, weil die Tür immer offen stand. So offen wie der Eingang zu dieser, wie er ursprünglich dachte "elitären" Runde, die überhaupt nicht so war, so offen waren auch die Gespräche, die Kritik und das Lob, wenn es denn etwas zu loben gab. An dem Abend, an den er nun zurückdenken musste, war es das vorangegange Training mit seinem Iren gewesen, der sich unfassbar wohl in seiner Aufgabe als Springpferd zu fühlen schien und den leichten Prüfungen langsam aber sicher entwuchs. Noch Anfang des Jahres, gerade zu der Zeit, als sich zu seinem ersten Pferd Anraí noch der zweite Wallach Non Plus Ultra gesellte, hatte Liam für sich beschlossen mit Anraí dieses Jahr noch auf dem leichten Niveau zu bleiben, doch auch er konnte nicht leugnen, dass sie an guten Tagen definitiv auch mehr leisten könnten und sein "Schutzargument", dass er den Wallach nicht überfordern wollte, langsam aber sicher nicht mehr zog. Anraí sprang, wie man es von seinen hocherfolgreichen Eltern kannte. Ja, er hatte eben auch das Talent im Busch, wobei ... das war da wohl mehr Spaß und Herz, als wirklich großartiges Talent, aber die Ausflüge machten ihm definitiv Spaß. Erfolgreicher waren sie allerdings definitiv im Parcours.

"Bist du soweit?"
Liam schrak hoch und blickte perplex in das Gesicht Ariadnas, die ihm verwundert entgegensah.
"Oh oh, du wirst doch kein Nervenflattern bekommen?", schmunzelte sie und liebkoste sogleich den dunkelbraunen Kopf von Anraí, der die Vaquera fast genauso sehr ins Herz geschlossen hatte wie seinen eigentlichen Besitzer. Mit flinken Fingern fand Ari die empfindlichen Stellen hinter den Ohren des Wallachs, der sich sogleich zu entspannen schien. "Bei ihm weiß ich, wie das geht, aber wo deine Kuschelstellen sind hast du mir noch nicht gezeigt", lachte sie nun offen, wo Liam noch immer schwieg.
"Ich hab vorhin nur daran gedacht, wie mich die Wintercrew überredet hat, überhaupt hier zu sein. So richtig glauben kann ich das immer noch nicht", gab Liam schließlich zu und machte sich daran, noch einmal den Sitz des Sattels, Lederzeugs und Beinschutzes zu kontrollieren, wie er es bereits an die dreißig Male getan hatte. Noch immer war nichts verrutscht, noch immer nichts zu korrigieren, noch immer kein Ausweg gefunden, warum man hier jetzt nicht starten konnte. Die Schmetterlinge in Liams Bauch riefen munter zur Revolte und immer forsch voran, während der Dunkelhaarige nun dazu überging, seine Hände zu kneten.
"Ich hatte ja fast gehofft, die Trense vergessen zu haben. Oder den Sattel. Oder Anrai!", lachte er nun auch, feststellend welch absurde Züge seine Nervosität gerade annahm. Ari forschte einen Augenblick nach Ironie, doch irgendwo schien da gar was wahres dran zu sein. Sie schüttelte ungläubig den Kopf.
"Liam", lachte sie. "Du stehst regelmäßig vor tausenden Zuschauern und erzählst denen alles über ihre Lieblingsmannschaft, wobei man gehängt, gevierteilt und nochmal erhängt wird, wenn man nur einen Fakt oder Namen falsch nennt und jetzt machst du dir plötzlich Sorgen um ein Turnier?"
Er zuckte verlegen mit den Schultern. "Es ist ja nicht irgendein Turnier."
"Naja, aber selbst wenn ihr da jetzt rausgeht und einmal den Parcours umbaut - was ihr nicht tun werdet, weil wenigstens einer von euch tierisch Lust hat, da raus zu gehen und sein Bestes zu geben - was ist verloren? Nichts, gar nichts. Wo das berufliche Konsequenzen für deine Konkurrenz haben kann, kannst du nur gewinnen."
Liam lauschte Aris Worten aufmerksam und suchte weiter nach dem Notausgang, den er einfach nicht finden wollte, weil sie irgendwie ja Recht hatte. Er schüttelte nochmal leicht den Kopf, legte einen Arm um seine Stallkameradin, die ihn freundlicherweise als Turniertrottel und ... Vollzeitpsychologin? hierher begleitet hatte und drückte sie fest an sich. "Ari, was würde ich eigentlich auch nur einen Tag ohne dich tun?"
"Ziemlich sicher die Startnummern vergessen", lachte sie und erwiderte die Umarmung, bevor sie ihm nun wirklich die Nummern noch in die Hand drückte. Liam blickte ungläubig zwischen den Startnummern und dem erstaunlich nummernlosen Anraí hin und her und lachte. "Na, da hätte ich ja dann fast unfreiwillig dafür gesorgt, dass das nix gibt", und machte sich daran, die Nummern doch noch zu befestigen.

Die Hufe klapperten munter über das Pflaster, hier wieherte ein Pferd, da quietschte ein anderes, über all das legte sich ein Mantel aus Stimmengewirr, eng gewoben mit vielen Lachern dazwischen - manche nervös, manche aufrichtig freudig und wieder andere vielleicht mit einem Hintergedanken. Liam konzentrierte sich auf die Huftritte seines Wallachs und lenkte den jungen Braunen geschickt durch die Menschenmassen, die ihm zum Glück Platz machten, was er heute so schätzte wie sonst selten. Sein Blick schob sich hinüber zum großen Stadion, in dem die Qualfikation für die große Tour und damit für Meisterschaftstitel in vollem Gange war. Ein Dunkelbrauner ritt mit einer erleichtert dreinblickenden Reiterin gerade aus dem Stadion und in Liams Richtung, als ihre Blicke sich trafen, winkte sie ihm fröhlich zu und Liam hielt Anraí kurz an, bis sie zu ihm aufgeschlossen hatte.
Norahs Augen leuchteten, als sie bei ihm ankam und sich eine verirrte Strähne aus der Stirn zurück unter die Reitkappe strich. "Hi!"
"Hi, selbst!", lachte Liam als sie neben ihm ankam und ihr Wallach sogleich vergrabene Ohren zu Anraí deutete, der die Geste erwiderte. Da sag nochmal einer, Wallache wären weniger giftig als Stuten. Sie hielten die Distanz zwischen den beiden Warmblütern und Liam blickte neugierig zu seiner Nebenfrau.
"Geschafft?", grinste er und erntete ein erleichtertes Nicken von Norah.
"Ich werde mich nie an diese großen Stadien gewöhnen", gab sie lachend zu. "Wenn ich überlege, wie ich vor ein paar Jahren noch panische Angst vor einem A oder L-Springen hatte, geht es, aber an diese Atmosphäre? Ich glaub nicht, dass das irgendwann mal Normalität werden kann."
"Du machst mir ja richtig Mut!", maulte Liam theatralisch, musste aber ein Lachen unterdrücken.
"Ja, mach ich! Es macht nämlich so oder so irre Spaß da rauszugehen, wenn mal ein gutes Pferd als Partner hat. Und das ..." sie deutete auf Anraí, der betont entspannt durch all das Gewimmel schritt. "hast du definitiv. Lass ihn machen, der Rest kommt nach dem ersten Sprung."
"Das dachte ich mit Ultra heute morgen auch. Ging schief", gab Liam zu und lachte nun offen, erkannte er doch, dass es wirklich nicht schlimm war, wenn es mal nicht klappte. Er war einer der wenigen Amateurreiter auf dem Gelände, das nun die Vesländischen Meisterschaften austrug, und ritt neben einer Gleichgesinnten.
"Aber eigentlich können wir wirklich nur gewinnen, oder?"
Norah nickte eifrig. "Ganz ehrlich, Barbossa und ich schwanken zwischen super Tag und joa, war nix. Und was ist dabei? Über uns redet man nur, wenns gut klappt, es juckt keinen, wenns mal schief geht, weil die Pferde nur für uns wichtig sind. Und besser kann eine Ausgangslage doch nicht sein, oder?"

"Habt Spaß da draußen!", rief Ari ihm im Vorbeigehen zu und hielt beide gedrückte Daumen in die Höhe, bevor sie sich auf den Weg zu einem Platz am Stadion machte, von dem aus sie eine bessere Sicht auf das Geschehen, es aber auch nicht allzu weit zum Ausgang hatte, wo sie ihn wieder in Empfang nehmen wollte.
"Jetzt sind es nur noch wir beide, Junge", murmelte Liam leise und strich mit einer Hand über den wunderschön eingeflochtenen Mähnenkamm Anraís, den er Aris Flechtkünsten zu verdanken hatte, weil ihm das wohl genauso entfallen wäre, wie die Startnummern. Die Startnummern! Er blickte nochmal mit einem Achterbahngefühl über seinen Wallach und stellte fest, dass die Nummern genau dort hingen, wo sie hingehörten. Konnte losgehen.

Während der Reiter vor ihm sich im letzten Bereich des Parcours der Youngster-Prüfung aufhielt, wurde Liam in die Arena geschickt, hielt sich aber vorsichtig im Hintergrund. Mit jedem Tritt von Anraí verblasste die Geräuschkulisse immer mehr, in Gedanken ging er noch ein letztes Mal die Reihenfolge durch und dann ... ja, dann gab es kein Zurück mehr. Applaus für den Starter vor ihm, der Liam erstaunlich bekannt vorkam, ihn jedoch nicht mehr zuordnen konnte und dann ertönte die Stimme des Stadionsprechers erneut, dieses Mal nur mit seinem eigenen Namen auf den Lippen. Sein Stichwort. Anraí spitzte aufmerksam die Ohren und wartete sehnsüchtig auf die Hilfe, sprang direkt darauf an, als sie endlich kam und schoss los, nicht kanternd wie geplant, sondern in einem forschen Galopp, der Hindernis eins direkt erlegt hätte.
Tief in den Sattel, ruhig, einen Zirkel, noch einen - noch genug Zeit? Ja, klappte. Liam atmete einmal durch und lenkte Anraí schließlich über die Zeitschranke, auf ins größte Abenteuer der beiden. Stille legte sich über das Springstadion, jedenfalls kam es Liam so vor, als sie auf den ersten Sprung zusteuerten. Anraí zog an, kräftig, und Liam widersprach, sie wollten doch nicht völlig kopflos in diesen Parcours starten. Der Wallach machte seinem Unmut mit einem Bocksprung Luft, die Distanz ging in die Hose und zack, fiel direkt die erste Stange. Na großartig, fehlerfrei gab schon mal nichts ... dann konnten sie jetzt eigentlich auch Spaß haben, oder?
Liam ermahnte sich, bei der Sache zu bleiben und gab die Mahnung gleich mal an seinen irren Iren weiter. Der spielte mit den Ohren, sprang eifrig voran und hatte wirklich Spaß an der Sache. Na gut, warum nicht. Auf gehts.
Sprung, Galopp eins, zwei, drei, Absprung, Flug, Landung - kein dumpfer Aufprall. Gut, weiter.
Die Kurve ein bisschen eng, doch Anraí nutzte seine Wendigkeit. Noch zwei, noch eins, Absprung, Flug, Landung - Stille.
Die lange Gerade, Liam wollte sechs Galoppsprünge, Anraí nicht. Sie einigten sich auf fünf, lange, kraftvolle. Die Distanz wurde ein wenig schief, der Steilsprung war noch viel zu weit weg, doch Anraí schien aufzublühen, er sprang, segelte, landete - kein Fehler. Zwei, drei, und erneut.
Und dann - Leere. Welcher war der nächste Sprung? Panik, die Schmetterlingsrevolte war wieder da und feierte ihren triumphalen Sieg, das Chaos im Kopf regierte und mittendrin machte Anraí einen freudigen Bocksprung. Wo, wohin? Wohin nur? Suchende Augen fanden kein Hindernis, das bereit stand und noch nicht überwunden war. Wohin nur?
"Und damit haben wir die mit Abstand schnellste Zeit in der Youngstertour bisher, mit vier Fehlerpunkten nach einem Abwurf am ersten Hindernis. Aktuell bedeutet das für Liam O´Grady und Anraí Sw Rang vier in der Wertung."
Moment. Waren sie schon fertig? Mussten sie ja. Liam orientierte sich Richtung Ausgang, ließ Anraí forsch kantern und parierte erst kurz vor dem schmalen Gang durch. Kopfschütteln, Ungläubigkeit. Was?

"Ich sags euch: kompletter Blackout. Da war nix mehr. Wenn ihr nach meinem Namen gefragt hättet, wäre wahrscheinlich Frieda Müller herausgekommen", erzählte Liam lachend, während er Anraí neben Rudi im Sattel einer äußerst eleganten Rappstute und Iven mit seinem "bekloppten Vollblöd" (Zitat R. Gruber) Kilmister entlang schreiten ließ. Noch immer wummerte sein Herz wie wild in einer Brust, die es kaum zu halten vermochte und in seinem Gesicht prangte ein ungläubiges Grinsen, wie das nach einem Fallschirmsprung, wenn man sich wirklich fragte, ob man das ehrlich, total real eben gemacht hat und aus einem perfekt vor sich hin fliegenden Flugzeug herausgesprungen war. So ungefähr fühlte sich das auch alles noch an und Liam wurde nicht Herr seiner Gefühlslage, die von ungläubig, überglücklich, stolz und hatte ich ungläubig erwähnt?, schwankte.
"Wenn du noch mehr Hindernisse im Weg haben willst, musst du wohl mit Ultra endlich in die S", lachte Iven nun mit ihm und schüttelte den Kopf. "Die meisten freuen sich, wenn der Parcours zu Ende ist und du suchst noch nach weiteren Sprüngen."
"Es sah wirklich witzig aus", grinste auch Rudi und lenkte seine Rappstute geschickt auf die entfernte Seite von Kilmister, der aber zu sehr damit beschäftigt war, Anraí zu beäugen und anzugiften, um die Stute in direkter Nähe überhaupt zu bemerken.
"Na, wenigstens hattet ihr was zu lachen", schmunzelte Liam und die sonst so gewohnte Röte wollte ihm nicht auf die Wangen steigen. Viel zu sehr erfreute er sich über den vierten Rang in der Wertung, die ihm einen weiteren Start in dieser Atmosphäre erlauben würde.
"Ganz ehrlich, jeder hatte mal sowas", beschwichtigte Iven. "Rudi hier ja vor kurzem erst, wo er einen völlig anderen Parcours sprang, als vorgegeben."
"Ja, oder du, als du mit der Zecke einfach über einen Sprung bist, wo eigentlich die Parcourshelfer vor standen", konterte Rudi.
"Oder", Iven wurde von seinem eigenen Lachen unterbrochen, als ihm wohl eine besonders schöne Erinnerung kam. "... als Talessia mal den dritten Sprung verweigerte und die komplette Kombi mit Lorenz wieder rückwärts sprang!"

Samtene Nüstern vergruben sich in Liams ausgestreckten Händen, suchten, forschten, ob denn wirklich das letzte Stück Möhre schon vertilgt war. Große, dunkle Augen baten um mehr, plüschige Ohren baten nicht sondern verlangten.
"Alles leer, Jungs", schmunzelte Liam und zeigte auch Ultra die leeren Handflächen, auf denen außer Pferdesabber nichts mehr zu finden war. "Zuhause gibts noch was, wenn ihr brav seid, ja?"
Liams Blick glitt nochmal forschend über die beiden Wallache, die eine kuriose Hassliebe pflegten, seit Ultra sich als zweites Pferd zu Liam und Anraí gesellt hatte, seine Position einforderte und nur zwischendurch mal anzweifelte, ob Anraí denn wirklich dazu gehören musste. Meistens kamen die beiden Warmblüter gut miteinander aus, vor allem auf der Weide, wenn es ums Toben ging, doch auch als Reisekameraden hatten sie sich irgendwie mittlerweile arrangiert, nachdem Anraí Ultra zu Anfang immer Teile der Mähne auszurupfen pflegte. Ihr Besitzer fand nichts zu beanstanden und schlüpfte schließlich aus der Seitentür heraus, die er anschließend ordentlich verschloss und sich auf den Weg zur Fahrerkabine machte.
"Alles in Ordnung mit den zwei Eseln?", empfing ihn die warme Stimme Aris, als er sich auf den Fahrersitz gleiten ließ und sie nun auch die Beifahrertür schloss.
"Alles super, auf gehts heim?", erwiderte er und erntete ein Nicken seiner Stallkameradin.
"Heim klingt gut, ich glaub da warten drei ganz sehnsüchtig auf ihren Möhrenanteil", lachte Ari und spielte auf ihre drei Pferdemänner an, die sie in der Obhut der Familie van Steuben für die paare Tage gelassen hatte.
"Ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass Janne dafür gesorgt hat, dass die drei ihren Möhrenvorrat des Monats schon bekommen haben, aber ich versteh was du meinst", konterte Liam und begann das Gespann vorsichtig über die Anlage und schließlich aus Schalingen heraus zu lenken. Beim gelegentlichen Blick in den Rückspiegel konnte er nicht anders, als grenzdebil zu grinsen: die beiden Schleifen von Anraí, beide für je den undankbaren vierten Platz einmal in der Qualifikation und einmal im Tourfinale selbst, baumelten munter am Spiegel und erinnerten ihn daran, dass man nie aufhören sollte, neue Dinge zu probieren. Und seien die, bei einer Landesmeisterschaft einfach mal an den Start zu gehen. Vielleicht hatten seine beiden Jungs auch einen Monatsvorrat an Möhren verdient. Ziemlich sicher sogar.


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