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Raffi #04 - Zeit für einen Tapetenwechsel • Absender: Leila, 11.03.2022 18:57

Der Beginn der Geschichte, wie Raffi mit Esme vom Reitstall Elwen auszog.


Frustriert beendete Raffi das Training mit dem jungen Wallach. Am Putzplatz stupste Vice sie an und ließ sich die Stirm kraulen, wie er das so genoss nach dem Training. Es war um Welten besser, als immer eine Nase auf der Suche nach Leckerlies ins Gesicht gehalten zu bekommen. Seit Wochen lief es zwischen beiden nicht und während Vice die Lektionen der A-Dressur auf dem Platz und auch im Turnier sauber abspulte, so blieb der Fortschritt zu Klasse L einfach aus. Eigentlich hatte er alles mögliche auf dem Kasten, es gelang ihr nur nicht, diesen Sprung zu schaffen. Die Fähigkeit, es ihm zu vermitteln ging ihr völlig ab und alles, was vorher zwischen den beiden noch so gut geklappt hatte, wirkte wie verpufft. Versammlung war im Training mit Esme auch nicht das Problem, da hatten sie ganz andere aktuell.
"Müssen reden", sendete sie daher an Karin, der der Wallach gehörte und die sie auch eigentlich trainierte. In Gedanken stapelten sich die "Eigentlichs" von Tag zu Tag mehr an. Es half nichts, dass von Thomas ein "hey, warum antwortest du mir nicht?" auf ihrem Handy auftauchte. Sie blockierte ihn, denn die Nachricht reihte sich an verschiedene im Ton "du verstehst da was falsch" und "lass uns doch noch mal darüber reden" und "wirf nicht alles weg, was wir haben".

Kurzerhand entschied sie, dass Esme heute einen freien Tag haben würde. Zwar hatte sie heute Kürtraining auf dem Plan stehen, aber sie war eh nicht in der Verfassung. Es jetzt zu zwingen würde nur bedeuten, dass sie am Ende noch frustrierter wäre - sofern das überhaupt noch möglich war.

Sie winkte zwei der Bereitern des Stalls, als sie ins Auto stieg. Die Chance, von der Karin vor knapp einem Jahr so geschwärmt hatte, war ausgeblieben und zurück blieb nur ein schaler Geschmack und ein bisschen Glamour, den die Chance eben mit sich gebracht hatte. Für sie hatte das dennoch keinen Erfolg bedeutet. Oder sah sie alles viel zu schwarz jetzt grade heute?
Zu Hause angekommen bestürmten Nero und Fuchur sie und nachdem sie aus der Dusche kam. Sie fütterte die beiden, doch irgendwie schienen sie zu merken, dass es ihrer Besitzerin nicht gut ging, denn schon nach ein paar Happen gesellten sie sich zu ihr aufs Sofa und kuschelten sich an sie. Gedankenverloren ließ sie Fuchurs rotes Fell durch ihre Finger gleiten, während sie sich versuchte auf die Serie zu konzentrieren. Sie musste sich eingestehen, dass sie nicht so recht mitbekam, was im Programm lief.
Ihr Handy piepte.
"Morgen Abend Pizza bei mir", schlug Karin vor und Raffi sagte zu. Grade entschied sie sich den Fernseher abzuschalten, da klingelte die Wohnungstür. Sie drückte den Summer und eine halbe Minute später stand Thomas vor ihrer Wohnungstür, rang mit den Händen und mit sich, guckte sie aus den haselnussbraunen Augen an, lächelte schüchtern und stieg dann ohne Begrüßung direkt ins Gespräch ein.
"Lass es mich erklären", begann er.
"Was gibt es da zu erklären?", fragte sie geradeheraus.
"Das zwischen dir und mir ist was besonderes...", setzte er an, doch sie fuhr ihm ins Wort.
"Wie soll es etwas besonderes sein, wenn es auf Lügen, Heimlichkeiten und Unwahrheiten aufbaut?"
"Nein, du verstehst das falsch"
"Ich denke nicht, dass ich das falsch verstehe und ich weiß auch nicht, was es da falsch zu verstehen gibt. Wir sind hier fertig, Thomas. Geh einfach, ich möchte dich hier nie wieder sehen!"
Sie knallte ihm die Tür vor der Nase zu.

Ja, in der Beziehung hatte sie sich immer gefragt, was wohl in seiner Familie vorgefallen war, dass er nie über seine Eltern redete, was zur Hölle mit seiner Wohnung war, dass es o ein Akt gewesen war, auch mal bei ihm zu sein und ob er wirklich so ein Arbeitstier war, dass sein Freundeskreis so ausgewählt war und davon dann auch noch alle weit weg wohnten.
Heute morgen hatte einer der Kollegen eine Sammelbox herum gegeben. Das passierte immer wieder mal, wenn Karten zu besonderem Anlass herum gingen. Jeder packte einen kleinen Schein rein und unterschrieb eine Karte. Erst nachdem sie ihre Unterschrift gesetzt hatte, hatte sie gesehen, dass es sich um eine Glückwunschkarte an ihn handelte - die Redaktion beglückwünschte ihn zu dem baldigen Nachwuchs.
Vollkommen unverfänglich hatte sie den sammelnden Kollegen darauf angesprochen.
"Ja, seine Frau und er sind seit 4 Jahren verheiratet und - du hast da nicht von mir - es soll wohl schwierig gewesen sein mit dem Nachwuchs bei den beiden", erzählte er und so hatte sie Thomas in den ruhigeren Nachmittagsstunden in seinem Büro aufgesucht und ihn zur Rede gestellt.
Er hatte ein bisschen mit Worten gekämpft, ihr aber dann gestanden, dass das alles stimmte. Als sie direkt gezielt hatte, ein Seitensprung zu sein, hatte er versucht das alles herauszureden. Sie hatte ihn stehen gelassen, wie jetzt auch.

Er klopfte noch einmal.
"Raffi, sie wusste Bescheid, sie war einverstanden", hörte sie ihn durch die Tür sagen.
Sie riss die Tür auf. "Ach und wenn sie Bescheid weiß, ist es ok, mir Lügen aufzutischen und mich in dem Glauben zu lassen, wir führten eine normale Beziehung? Und wenn ich dann mal bei dir war, hast du schnell alle Fotos und den Ehering versteckt?", blaffte sie ihn an.
"Ich hab eine Ferienwohnung gebucht", verteidigte er sich.
"Ach so, für deine Affäre eine Wohnung gebucht zum..." ihre Stimme überschlug sich und sie brach ab, bei dem Gedanken an ihre romantischen Treffen wurde ihr speiübel. Hatte er seiner Frau erzählt, was sie so schönes gemacht hatten? Wusste sie Bescheid über ihre Interessen, ihr Leben, ihre Vorlieben? Sie schüttelte den Kopf und schlug ihm dir Tür erneut vor der Nase zu.

Die nächste halbe Stunde ignorierte sie sein Klopfen und Klingeln, bis er endlich aufgab und verschwand. Als er endgültig weg war, machte die Wut in ihr einer unglaublichen Leere Platz. Die ganze Zeit hatte sie gedacht, sie würden nur Zeit brauchen, damit sich ihre Beziehung nur entwickelte, dass er Zeit brauchte, sich zu öffnen. Dabei hatte er nie vorgehabt, eine ernste Beziehung zu führen, er hatte nur ein bisschen Ablenkung oder Zerstreuung oder wasauchimmer gesucht von seiner Ehe, damit er seiner Frau endlich Nachwuchs in den Leib pflanzen konnte... Es kochte wieder in ihr hoch und die beiden Kater retteten sich auf den Schrank, als sie begann, Sofakissen durchs Wohnzimmer zu pfeffern.

Um vier Uhr nachts hatte sie endlich alle Erinnerungen an die angebliche Beziehung aus ihrer Wohnung entfernt. Zurück blieben ihre Familienfotos, die Bilder von Herzin und Esme, Schleifen von Turnieren, Bilder von Freunden, zwei leere Weinflaschen und ein beschissenes Gefühl im Kopf. Um halb acht morgens rief sie auf der Arbeit an und meldete sich krank, dann legte sie sich hin und versuchte zu schlafen. Vier Stunden erging sie sich in Selbstmitleid, dann wurden die beiden Kater zu fordernd und wo der Schlaf eh nicht kommen wollte, konnte sie sich genau so gut um die beiden kümmern.

Sie wurde wach mit schmerzendem Rücken auf ihrem Sofa, weil irgendwer die Türklingeln von draußen gedrückt hielt. Ihr Kopf summte in fünffacher Lautstärke mit und sie eckte in zwei Türrahmen mit viel Schwung an, ehe sie an der Tür war und den Öffner betätigen konnte. Sie hoffte nur, dass nicht wieder Thomas irgendwelche "Erklärungen" vorbeibrachte. Stattdessen kam Karin die Treppe hochgestürmt.
"Gottseidank!", entfuhr es ihr, "ich versuche es sicher schon seit 15 Minuten! Meine Fresse, siehst du beschissen aus!"
Langsam puzzelte sich in Raffis Kopf alles zusammen. Sie war mit Karin verabredet gewesen. Sie hatte das vollkommen vergessen und ein Blick auf die Uhr verriet, dass sie die vergangenen Stunden auf dem Sofa vor Erschöpfung verschlafen haben musste. Es war früher Abend.
"Erst antwortest du den ganzen Tag nicht auf meine Nachrichten, dann gehst du nicht an dein Telefon, tauchst nicht am Stall auf und dann rufe ich schließlich auf deiner Arbeit an und erfahre, dass du heute krank gemeldet bist. Kannst du dir vorstellen, was ich mir für Sorgen gemacht habe nach deinen kurz angebundenen Nachrichten von gestern?"
Sie hörte echte Sorge aus der Stimme ihrer Mentorin, doch statt auf eine Antwort zu warten, ging Karin los, brachte ihr ein Glas Wasser, eine Schmerztablette und eine Haarbürste. Während Raffi die Tablette runterspülte und ihre Haare sortierte, fütterte Karin die beiden Kater und schließlich trafen sie sich auf dem wiederhergestellten Sofa wieder. Es brauchte ein weiteres Glas Wasser, dann brach alles aus ihr heraus, gefolgt von einem lang unterdrückten Heulkrampf.
Karin tröstete sie, reichte Taschentücher, fluchte ein bisschen und wartete, bis Raffi sich wieder gefangen hatte.
"Das wolltest du mir alles erzählen gestern?", fragte sie dann vorsichtig, "oder geht es darum, dass du am Stall nicht glücklich bist zur Zeit?"
Wenn es eines war, was sie an Karin schätzte, dann die Tatsache, dass sie nicht lange um den heißen Brei herumquasselte. So berichtete Raffi von ihrer Unzufriedenheit mit Vice und der Tatsache, dass sie mit Esme nicht voran kam.
"Ich weiß, es tut mir leid, Raffi. Der neue Job am Stall nimmt mich mehr ein, als ich erwartet hatte und ich habe leider vorne und hinten nicht die Zeit, die ich dir versprochen habe", ging Karin darauf ein und nahm ihr somit den nächsten Part ab, der aus genau der Anschuldigung bestanden hätte und sich seit zwei Monaten langsam in ihr staute. Sie ließ sie auch gar nicht erst wieder zu Wort kommen.
"Ich wünschte, es wäre anders, aber die Jugendarbeit fordert eine Menge, grade wo jetzt wieder zwei neue Auszubildende da sind und neue Reitschüler angefangen haben. Ich hab nicht mal mehr für meinen Part mit Vice genug Zeit und eigentlich tut er zu wenig und ist nicht augelastet", begann sie, "Ich weiß, du hörst das jetzt nicht gerne, aber ich fürchte, da wird sich so schnell nichts mehr dran ändern. Ich mag den neuen Job, auch wenn ich mich in Grund und Boden schäme, dich und mein eigenes Pferd dafür so zu vernachlässigen. Ich überlege schon länger, wie ich dir das erklären soll..."
"Du meinst, wir sollten besser was das angeht erst einmal getrennte Wege gehen?", fragte sie und im Grunde war das auch ihr Gedanke. Immer wieder hatte sie überlegt, nach einem neuen Trainer zu schauen, aber die Bereiter waren zu beschäftigt gewesen, um mal mehr als nur zwei Tipps geben zu können. Mit dem Abschluss der Dress.Up-Reihe hatte sie es angehen wollen.
"Du hast also auch schon mit dem Gedanken gespielt?", fragte Karin.
"Ja, ständig, aber ich wollte erst mal das Dress.Up abwarten. Das ist jetzt um und wie es aussieht, kommen jetzt einige Veränderungen auf mich zu."
"Du wirst also auch den Job wechseln?"
"Ich wüsste nicht, was mich da halten sollte", seufzte Raffi, "Wie soll ich weiter da arbeiten, wo er doch quasi mein Chef ist? Das kann im Leben nicht gut gehen"
"Wie wäre es, wenn du dir Urlaub nimmst? Einfach eine Woche raus aus dem ganzen. Fahr zu deinen Eltern oder nimm Esme mit und mach Strandurlaub, glaub mir so direkt nach dem Sommerferien ists für sowas die beste Zeit. Strände leer, Wetter perfekt!", begann sie, "schau dich nach einem neuen Stall und einem neuen Job um, überleg dir, was du machen willst. Du weißt, ich kann dir nur in der Reitsport-Branche helfen. Aber da kann ich alle Hebel in Bewegung setzen! Mach Pause von Turnieren und starte einen Neuanfang. Vice gebe ich an einen anderen Trainer, der ihn voran bringt, mach das also nicht von mir abhängig! Und wenn du irgendwann wieder die Motivation für Jungpferdetraining hast, meld dich und ich versetze Berge für dich, das bin ich dir schuldig!"

Eine halbe Woche später sattelte Raffi Esme zum morgendlichen Ausritt. Es war der zweite Tag am Meer. In Sandefeld hatte Karin ihr einen kleinen Betrieb empfohlen, der Urlaub mit Pferd anbot und auch Platz hatte und so erkundete die beiden in der aufkommenden Brise die Dünenlandschaften, grüßten Spaziergänger und fetzten durch die Brandung. Zu Hause passte Karin auf Fuchur und Nero auf und hatte eine Liste mit Ställen zum Abtelefonieren rausgesucht. All das würde in ein paar Tagen kommen, wenn sie wieder zu Hause war. Dann würde sie auch die Mails mit Jobangeboten durchgehen, die ihre Suchaufträge ihr ausspuckten. Aktuell sah sie nur jeden Tag drei Mails reinflattern. Sie hatte zu Mitte September beim Journal gekündigt, schnellebige Branchen sei Dank! Thomas hatte sich an das gehalten, was sie gesagt hatte, und war weder aufgetaucht noch hatte er ihr weiter Nachrichten zukommen lassen. Sie wusste noch nicht, wo genau, es sie hintreiben würde, aber alles in gang zu setzen fühlte sich deutlich positiver an, als permanent nur mit sich und seiner Situation zu hadern.


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