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Raffi #08 - Armes, krankes Pferd! • Absender: Leila, 11.03.2022 19:31

Mein letzter Moorwiesenbericht, Esme hatte sich schicksalsmäßig was eingefangen. Er spielt im Frühling 2021.


Es war so einer dieser Tage, an denen man nach dem langen nasskalten Winter endlich wieder Hoffnung auf Frühling und vielleicht sogar Sommer haben durfte. Die Regengebiete der letzten Tage hatten sich nun scheinbar endgültig verzogen und als Raffi morgens aus dem Fenster schaute, sah sie, dass die ersten Tulpen im Garten endgültig Farbe zu bekennen begannen. Schon vorher hatten dort die Osterglocken die Krokusse abgelöst, aber im Regen der vergangenen Wochen hatten sie nur kurz einen großen Auftritt gehabt.
Aufmerksam geworden durch die Bewegung am Fenster hüpfte Nero zwischen den Blumen hervor und kam durch den Garten zur Terassentür getrottet. Es hatte eine Weile gebraucht, bis beide Kater und auch Raffi sich an den Freigang gewöhnt hatten. Tagsüber ließ sie die Kater raus und rein, wenn sie sie vor der Tür sah. Für die Nacht hatten sie eine Katzenklappe im Keller und einen Schlafplatz, aber keinen Zugang zur Wohnung. Wer lieber in der Wohnung bleiben wollte, blieb halt über Nacht drinnen, wer abends noch draußen jagen ging, musste im Keller schlafen. Nero nutzte diese Möglichkeit sehr gerne mit der Folge, dass Raffi morgens inzwischen häufiger Geschenke bekam. Er war schon immer der unabhängigere von beiden gewesen, während Fuchur Gesellschaft genoss und drinnen ebenso glücklich war wie draußen. Er war auch längst kein so geschickter Jäger wie sein bester Kumpel. Er brachte aber gerne seine Schätze mit: Blätter, Tannenzapfen und hin und wieder erwischte auch er mal eine Maus.

Letzte Woche hatte Raffi zusammen mit ihrem Vater den beiden Katern Wandregale angebracht und dabei die volle Höhe des Altbaus genutzt. Völlig überraschend waren sie dabei hinter einem Schrank auf eine Klappe in der Wand gestoßen.
"Ach das", lachte Clara, als Raffi davon erzählte, "Ich hätte nicht gedacht, dass du den Wäscheschacht noch nicht kennst"
Und so hatte Raffi erfahren, dass die alte Villa über mehrere Wäsche- und Müllschächte verfügte (auch letztere waren nur für Wäsche genutzt worden). Für Clara waren sie in all den Jahren so selbstverständlich geworden, dass sie sie nie erwähnt hatte.
"Und ich hab meine Wäsche immer artig in den Keller getragen", echauffierte Raffi sich.
"Nunja, da hättest du dir Arbeit ersparen können. Deiner ist übrigens auch der einzige, der im Wäschekeller herauskommt. Basierend auf den Ausgängen sind auch die Kellerabteile zugeteilt", berichtete Clara.
Sie gingen zusammen runter und Clara zeigte ihr, wo sie die Wäsche abholen konnte und auch wo sie ihre eigene immer einsammelte.
"Hat das Haus noch mehr so Geheimnisse?", fragte Raffi.
"Nunja, Geheimnisse würde ich sie jetzt nicht nennen", beschwichtigte Clara, "Ich bin mir nicht sicher, ob ich tatsächlich alles schon kenne hier in diesem Haus. Ich hätte irgendwo noch die Bauunterlagen, dann könnte da jemand mit Ahnung auch volle Klarheit draus ziehen, aber..." Sie stockte kurz und kicherte. "Aber das wäre ja ziemlich langweilig!"
Der Schrank stand jetzt einen Meter weiter rechts und der Wäscheschacht erfreute sich zunehmender Nutzung. Zuerst hatte Raffi allerdings zwei alte Bettlaken mehrfach hindurch geworfen und und damit den Staub und die Spinnweben im Schacht zumindest etwas entfernt.

Fuchur jedenfalls räkelte sich auf dem Bett, als Raffi aufstand. Das lange, rote Fell war zerzaust und der Kater mutete noch recht schlaftrunken an.
"Ich muss eben deinen Kumpel reinlassen", entschuldigte sich Raffi und öffnete Nero die Tür zur Terasse. Heute kam er glücklicherweise ohne Geschenk.
Wenig später hockten die Kater glücklich vor den Näpfen und Raffi mit einer Tasse Kaffee am Tisch - weniger glücklich, aber sie war noch nie ein Morgenmensch gewesen. Die Aussicht auf diesen Dienstag war nicht so grandios. Aktuell hatte sie keine Ideen für eigene Artikel und recherchierte nur bei anderen Kollegen mit. Sie hatte zwei Artikel Korrektur gelesen und einen Gastbeitrag im Historikum betreut, jetzt fehlte wieder eine Aufgabe.
Als sie im Büro ankam, nahm sie sich Zeit, sich mit Kollegen auszutauschen und ihre Termine zu pflegen. Als sie wieder an ihrem Schreibtisch ankam, klopfte kurz daraufhin Nina Reitling an die Tür. Nach dem Bewerbungsgespräch waren die beiden schnell zum Du gewechselt, gingen regelmäßig zusammen Mittagessen und tauschten sich auch schon mal über Themen aus den Privatalltag aus.
"Hey, warum so betrübt?", fragte Nina.
"Ach ich hab grade nicht so richtig Ideen, was ich als nächstes machen kann. Der Gastbeitrag über das Regattafest ist ja seit gestern unter Dach und Fach und Tom braucht auch grade keine Hilfe bei der Recherche und da bleibt mir heute fast nur Ideen jonglieren oder Aufgaben vom Brett vorne", erklärte sie.
Am Brett konnte jeder Kleinigkeiten an Aufgaben vergeben: Recherchen zu Artikeln, Betreuung von Gastbeiträgen, Inseratsverwaltung oder Interviews zu neuen Ausstellungen im Stadtmuseum waren so das häufigste.
"Ach, das ist ja doof. Also nicht, dass du nicht bei den Brett-Aufgaben auch tolle Leistungen bringe würdest, im Gegenteil! Deine Sicht auf Die Hofentwicklung in Heidewald hat mir echt weitergeholfen!", lobte Nina, "Aber ich verstehe, dass du mal wieder was eigenes machen möchtest."
Sie plauderten über Dies und Jenes und endlich rückte Nina mit der Sprache raus. Raffi hatte schon gesehen, dass sie irgendwas loswerden wollte.
"Es geistert eine Idee für einen Artikel herum, aber da traut sich keiner so richtig dran", erzählte Nina.
"Was hält die Leute davon ab?", fragte Raffi.
"Es ist ein sensibles Thema. Vor ein paar Jahren hat ein Kollege, der nicht mehr hier ist, es mal versucht und scheinbar war er nicht besonders einfühlsam, was die Recherche anging"
"Oh, welches Theman ist es?"
"Es gab hier in Rabenitz im Mittelalter Walfang. Hätte ich es rechtzeitig erfahren, hätte ich ihm sagen können, dass Recherchen zum Walfang während des Skandals um den Marinepark keine gute Idee sind. Nunja, das Stadtmuseum hat vielleicht ein bisschen was dazu, ich vermute aber, dass du im Stadtarchiv eher fündig wirst. Und die Leute vom Marine Education and Rescue Center sind sicher eine gute Anlaufstelle für den Anfang"

Raffi bedankte sich und begann zu telefonieren. Am MERC gab es tatsächlich jemanden, der was über die Historie von Walen in Rabenitz erzählen konnte und ein Mittagessen vorschlug. Im Stadtmuseum hielt man sich bedeckt, aber man hatte "ein paar" Ausstellungsstücke, ging aber auf die Frage nicht weiter ein und im Stadtarchiv wollte man schauen, was sich machen ließe. Raffi empfahl sich und gab ihre dienstliche Handynummer durch, sodass man sie erreichen konnte. Dann stürzte sie sich in die Recherne zu Walfang und Walvokommen allgemein.
Vor den Küsten Veslands hatte es immer verschiedene Walarten gegeben, allerdings waren es eher kleine Vertreter. Die großen Wale zogen auf ihren jährlichen Wanderungen nur selten vorbei. Tümmler hingegen konnten immer wieder beobachtet werden. Sie fand Hinweise darauf, dass Grenhyll ursprünglich bei Robben und damit auch bei Orcas beliebt gewesen war, ehe die Menschen die Insel verwüstet hatten. Heute gab es dort ein Wiederansiedlungsprogramm, auch in Zusammenarbeit mit dem MERC. Sie entschied sich, dass es hilfreich sein konnte, auch ein bisschen was über Robben einzubauen und machte einen Zettel für das Brett fertig, die Recherche dazu konnte jemand anders mal an ein bis zwei Tagen machen und den Kasten entwerfen. Gegen viertel vor 12 hatte sie die ersten Ideen soweit sortiert, dass sie einen Ordner anlegte, alles ordendlich abheftete und sich auf den Weg in die Mittagspause machte.

Dr. Roland Meier war Mitte 40, sah aus wie ein gut gealterter Surfer und hatte in Marinebiologie mit Schwerpunkt auf - Überraschung - Auswilderung kleiner Tümmler seine Forschung spezialisiert. Er hatte am Aufbau des MERC mitgewirkt, um die Tiere Menschen auf eine andere Weise näher zu bringen. Er erzählte viel darüber, wie das MERC nach anfänglich holperigem Start inzwischen international Anerkennung für das Auswilderungsprogramm bekam und mit diversen Universitäten und Forschungseinrichtungen kooperierte. Als die Teller abgeräumt worden waren und Kaffee vor ihnen stand, schnitt Raffi vorsichtig das eigene Thema an.
"Nunja, Sie müssen verstehen, dass man das alles in einen anderen Kontext bringen muss", begann er und erzählt von kulturellen Sichtweisen und anderen Faktoren, die Walfang attraktiv machten. Offensichtlich war ihm das Thema unangenehm und er wollte deutlich machen, dass er und seine Kollegen und auch sonst niemand heutzutage Walfang befürwortete. Raffi ließ ihn reden. Es ging ihr nicht um Schuld oder Unschuld. Natürlich waren die Vorraussetzungen vor 300 Jahren noch andere gewesen, das brauchte er ihr als Historikerin nicht erzählen. Sie hatte jedoch die Erfahrung gemacht, dass Menschen flüssiger erzählten, wenn man ihnen die paar Minuten vorweg gab.
Auch bei dem Artikel über die Heide war das so gewesen: Ja, die Menschen hatten Raubbau an der Natur begangen. All das, was heute mit viel Sorgfalt gepflegt wurde, wäre ohne diesen nicht entstanden. Das änderte nichts mehr an der Tatsache, dass es war, wie es eben war. Auch Grenhyll, schön wie es war, war das Ergebnis von Raubbau. Mal war dieser getrieben von wirtschaftlicher Notwendigkeit, mal von schierer Gier.
Am Ende des Mittagessens wusste Raffi, dass es damals kleinere Walarten in Überfluss gegeben hatte. Den Menschen war es nicht wirklich möglich gewesen mit den beschränkten Möglichkeiten wirkliche Lücken zu hinterlassen. Das hatte erst mit der Industrialisierung eingesetzt und auch Veslands Walfang hatte damals ein Extrem erreicht. Rabenitz als südöstlichste Hafenstadt war ein Schwerpunkt gewesen und der Dreh- und Angelpunkt war eben jene Hafenanlage, die nach langem Leerstand später dem Marinepark Platz machte. Herr Dr. Meier gab ihr einen schönen Rahmen, eine gute Geschichte mit dem glücklichen Ausgang, dass Rabenitz heute eben auch der Ort war, an dem am meisten für den Schutz der Meeressäuger getan wurde. Sie bedankte sich für die Informationen und sicherte sich noch Antworten auf Rückfragen, falls diese in der Recherche auftreten sollten.
Vom Stadtarchiv hoffte sie Zahlen zu bekommen, vom Museum vielleicht Kunstwerke, die auf die damalige Zeit und die mit ihr einhergehende Selbstverständlichkeit oder gar Glorifizierung des Walfangs dokumentierten. Für einen ersten Tag Recherche war das keine schlechte Ausbeute und so packte sie nachmittags zufrieden zusammen und fuhr nach Hause.

Den beiden Katern war natürlich überhaupt nicht recht, dass sie den ganzen Tag unterwegs gewesen war und grade Fuchur nahm sie erst einmal in Beschlag. Sie nahm sich die Zeit, dem roten Kater das Fell zu kämmen, denn mit den langen Zauseln kam er gerne mal nicht so gut zurecht, gerade im Fellwechsel. Nero fand auch, dass kämmen ja eigentlich gut war und so half sie ihm auch beim Abwerfen des Winterfells.
Die beiden ließen sie im Anschluss doch nur ungerne gehen. Nero begleitete sie noch zum Auto und schaute dann hinterher. Er würde jetzt wieder im Garten herumstromern und am Ende beim Erkunden im Keller jede Menge Staub finden. Es gab einfach zu viele Kellerräume alsdass er schon überall durch war.

Am Stall angekommen, kam ihr Magrit schon auf dem Parkplatz entgegen.
"Was ist passiert, dass du mich schon auf dem Parkplatz abfängst?", fragte Raffi lachend, während sie ihre Sachen aus dem Auto nahm.
"Esme hustet schon den ganzen Tag etwas", berichtete Marit, "Es kann sein, dass das Heu einfach ein bisschen blöde ist heute. Allerdings hatten gestern die Leute für den Stallbau wieder auf dem Gelände zu tun und da standen im Regen so einige Pferde glotzig auf ihren Paddocks herum. Ich hab die Decke schon aufgehängt und ihr übergangsweise eine andere angezogen"
"Oh, das ist lieb von dir. Ich schaue gleich mal nach ihr", bedankte Raffi sich und ging direkt los zu ihrem Pferd.
Seit dem Lehrgang war es bei beiden bergauf gegangen und auch eine Springstunde zur Ablenkung zwischenzeitlich hatte tatsächlich was gebracht. Seitdem baute Raffi häufiger Stangen, Cavaletti oder Mini-Hüpfer ein. Esme hatte zwar nicht sonderlich viel Talent, hatte aber Freude an der Abwechslung im Training. Heute allerdings nicht. Heute blitzen ihr die Augen nicht aus der Box entgegen. Schaute Esme ihr neugierig entgegen, aber das wache Glänzen fehlte vollkommen.
"Ach armes Mädchen, hast du dir was eingefangen?", fragte Raffi und betragt die Box.
Die Abschwitzdecke war sauber und trocken, kein Schweiß lag oben auf. Sie fühlte sich auch nicht wärmer an, aber als sie hustete, wusste Raffi, was Magrit gemeint hatte. Raffi wischte ihrer Stute die Nüstern wieder sauber und kraulte sie hinterm Ohr.
"Ich schaue mal, was ich für dich finde", versprach sie.
Im Spind fand sich noch Kräutermischung für unbestimmte Erkältungssymptome, die man am besten in Mash packte. Also schnappte sie sich einen Wasserkocher und rührte ihrer Stute eine Portion zusammen. Während das Mash zog, putzte sie einmal über und kümmerte sich um die Hufe. Esme war etwas matt und reagierte etwas langsamer. Sie nahm einmal die Temperatur und stellte fest, dass die ganz leicht erhöht war. Der Große Pferdekörper arbeitete eben daran, das aus sich herauszubekommen.
Weil das Mash nur lagsam Temperatur abbaute, holte sie die Stute kurzerhand aus der Box und drehte mit ihr ein paar Runden über den Hof. Bewegung half beim Abhusten und Esme hustete hin und wieder mal. Wieder in der Box nahm sie unmotiviert ein paar Heuhalme und trank Wasser. Immerhin das klappte. Auch das Leckerlie verschmähte sie nicht, im Gegenteil, da war ganz kurz das Leuchten. Immerhin war es nicht so schlimm.
Auch Mash konnte die große Braune locken und als hätte sie den ganzen Tag noch nichts gehabt, inhalierte die Stute die Mischung in kurzer Zeit. Danach wirkte sie immerhin etwas munterer.
"Du musst auch was Essen, sonst kann es nicht besser werden so ohne Energie", schimpfte Raffi und tippte einmal das Heunetz an.
Als wollte sie sagen "Ok, Mama" machte Esme sich einmal lang und zog noch ein paar Halme aus dem Netz.
"Werd wieder gesund, mein Mädchen!", forderte sie auf, während sie vor der Box fegte und dann ihre Sachen holen ging.

Magrit öffnete auf ihr Klingeln die Tür.
"Es ist wohl nicht das Heu. Ich hab ihr was gegeben und sie hat auch gefressen und getrunken. Zuletzt wirkte sie etwas munterer und ich hab in das Futter für heute Abend und morgen früh auch noch Kräuter gemischt. Kannst du mir schreiben, wenn sie morgen noch immer hustet? Dann schreibe ich Domenik direkt an und lasse ihn drauf gucken", erzählte Raffi.
"Überhaupt kein Problem, dafür sind wir ja da", beruhigte Magrit sie.
"Danke dir! Habt noch einen schönen Abend. Ich fahr jetzt mal wieder", verabschiedete Raffi sich.
Magrit winkte ihr noch und schloss dann die Tür.
Hoffentlich hat sich das schnell erledigt, dachte Raffi bei sich.
Ein krankes Pferd war nie gut. Ein längerfristig krankes Pferd war noch weniger gut. Bislang hatte Esme sich durch eine gute Konstitution ausgezeichnet und war selten krank. Hoffentlich blieb das auch weiterhin so.


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