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[LIAM] Non Plus Ultra Airlines

in Leonie 24.05.2020 20:46
von Leonie • 146 Beiträge | 236 Punkte

Es war ein kühler Morgen, an dem die Sonne durch die Bäume der langen Allee fiel, die meist nur völlig abwertend – und fern der Realität – von den Bewohnern „Hofeinfahrt“ genannt wurde. Ihr Licht brach sich an den vielen kleinen Tautropfen, die von den Blättern herabhingen und bot ein spektakuläres Lichtspiel. Jedes Mal, wenn er diese Hofeinfahrt passierte, fragte sich Liam, ob man sich jemals an diesen Anblick gewöhnen könnte. Für ihn lautete die klare Antwort „Nein“, doch er war sich ziemlich sicher, dass die Hofbewohner da anderer Ansicht waren und vermutlich eher ein Loch im Zaun bemerkten, das neu entstanden war, als das Lichtspiel von Sonne und Tau. Vielleicht tat er ihnen auch Unrecht, doch wenn man jeden Tag hier lang durfte, verlor das vermutlich wirklich irgendwann den Zauber im Alltag. Umso bewusster erfreute er sich an dem Anblick und lenkte vorsichtig den Autozug auf den Hof der Winters. Nein, auch daran hatte er sich noch nicht gewöhnt, dass er immer mal wieder hier zu Gast war und sich fast wie daheim fühlte. Es war immer noch etwas Besonderes hier einfach ein und ausgehen zu können und so stellte sich ein leichtes Kribbeln in der Magengegend ein, als er den Wagen abstellte und sogleich aus dem Auto stieg.

Die kühle Morgenluft war so klar, dass er erst einmal ein paar tiefe Atemzüge genoss, bevor sich im Hänger hinten jemand deutlich ungeduldiger zeigte, als Liam es selbst war. Laut polternd verlieh Anraí seinem Unmut darüber, dass sein Zweibeiner sich ohne ihn die Beine vertrat, Ausdruck. Night Elf, Elfi, hingegen, muckste sich nicht und man sah nur das Spiel ihrer Ohren im kleinen Fenster des Hängers. Liam schmunzelte leicht, ob Anraí wohl wusste, wo er gerade war? Schließlich war das ja eigentlich sein Zuhause. Elfi schien es relativ gleich zu sein, wo es hin ging, solange man sich ausgiebig mit ihr beschäftigte und immer zusah, dass sie nicht hungrig blieb. In den Wochen, die die Stute ihn nun schon begleitete, wenn auch alles nur auf Zeit, war sie ihm wirklich ans Herz gewachsen – und das, obwohl Liam immer zu den Stutenhassern gehört hatte. So konnte man sich täuschen.

Mit einem schrillen Wiehern riss Anraí seinen Besitzer wieder in die Gegenwart zurück und Liam sah sich suchend über den Hof um. Hinten auf dem Springplatz sah man schon Bewegung, auf dem Weg zur Halle bewegte sich ein massiger Schimmel, der wohl der Barockfraktion angehörte und eher kein Springpferd war.
„Ein bisschen Geduld noch, Monsieur“, kommentierte Liam das ungeduldige Verhalten seines Wallachs und bewegte sich in Richtung der Ställe, wo er die Pferde der Springreiter untergebracht wusste. Er kam nicht weit, da streckten Iven und Lorenz schon die Köpfe aus der Stalltür und winkten ihm zu.
„Wusst ichs doch, dass das nur good ol‘ Henry sein kann, der so krakeelt wenn er nach Hause kommt“, lachte Lorenz als er Liam erreichte und ihm die Hand zum Gruß ausstreckte. „Schön dich zu sehen, mein Freund.“
„Gleichfalls!“, erwiderte Liam und bekam ein wenig rote Ohren. „Ja, Anraí kündigt sich nun mal gern an. Und wenn es ihm zu langsam geht. Was von beidem das gerade ist, da bin ich mir nicht sicher.“
„‘Hilfe, eine Stute neben mir!‘ könnte es auch sein“, kommentierte auch Iven und schlug in Liams Hand ein, ein leises Schmunzeln auf seinen Lippen. „Jedenfalls würde das zu seinem Besitzer passen.“
„Haha, nun reichts aber! Hat einer von euch grad einen Moment mir beim Ausladen zu helfen?“, grinste Liam den beiden Springreitern entgegen.
„Absolut, wir haben dir hinten eine Box freigeräumt, da kannst du Elfi erst einmal parken, dann muss sie sich nicht im Transporter die Beine in den Bauch stehen, während du mit Anraí arbeitest. Wir helfen dir grad, Rudi ist schon draußen am Platz.“
Lorenz warf Iven einen vielsagenden, dunklen Blick zu. Liam runzelte ein wenig die Stirn. „Was ist da im Argen?“
Nun war es ungewöhnlicher Weise der sonst so gerade heraus redende Lorenz, der ein wenig herumdruckste. Iven sprang ein, Klartext konnte der schweigsame Dunkelhaarige schon immer gut.
„Long story short: Rudi hat einen Schützling, mit dem es absolut nicht klappen will. Hat jeder ja mal, dass es mit einem Pferd einfach nicht so funkt, aber er will es irgendwie nicht aufgeben. Sie sammeln fleißig Platzierungen weit jenseits der 50 und das, obwohl der Dicke eigentlich mega talentiert ist und wir alle wissen, dass Rudi nun mal reiten kann. Aber er siehts irgendwie nicht ein, dass das nicht klappt.“
„Hm, okay, das klingt nicht optimal“, murmelte Liam. „Und irgendwie nicht so richtig nach Rudi.“
Lorenz zuckte mit den Schultern. „Ist nicht so, dass er niemanden drauf lässt, aber ich glaube, er hat echt Hoffnungen da reingesetzt, mit ihm einen neuen Star für die hohen Klassen zu haben. Seit Bloody in Rente ist, scheint da was zu fehlen. Aber ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und sage, dieser hier wird’s nicht.“
Iven pflichtete ihm kopfschüttelnd bei und Liam wunderte sich darüber, dass er nie das Gefühl gehabt hatte, Rudi hätte so unter der Rente seines bunten Stars gelitten. Doch war er eben auch nicht unbedingt derjenige, der seine Gefühle hinausposaunte.
„Ist er jetzt gerade mit ihm draußen?“, fragte Liam interessiert und nahm sich vor, sich das Ganze mal anzusehen, sollte das der Fall sein.
„Ja, vorgestern lief es unterirdisch und er hat abgebrochen im Parcours, das fuchst Rudi enorm“, erzählte Iven, während er am hinteren Teil des Transporters in Stellung ging, um mit Lorenz die Klappe herunterzulassen, sobald Liam soweit war. Liam duckte sich währenddessen in den vorderen Teil des Transporters und wurde sofort von zwei neugierigen Pferdenasen in Empfang genommen. Anraí schien es gar nicht zu gefallen, dass da noch jemand war, der seinen Zweibeiner begrüßen wollte, brummelte und legte dann giftend die Ohren in Richtung von Elfi an. „Hey, Dicker, das sind aber keine feinen Manieren. Benimm dich.“
Liam löste den Knoten des Stricks von Elfi und strich der Stute liebevoll über die Stirn. „Bin soweit!“

„Ganz ehrlich, wie hältst du das aus, dass Anraí immer den Strick durchlutscht?“, Lorenz streifte angewidert die feuchten Hände, die den Strick vom Braunen gehalten hatten, über seine Reithosen. „Das ist ja widerlich.“
Liam zuckte mit den Schultern. „Das ist mir immer noch lieber, als dass er dauernd mit großer Motivation den Hänger zerlegt. Dann soll er halt auf dem Strick lutschen.“
„Kein Wunder, dass du Elfi genommen hast!“, stichelte Lorenz und wusste dennoch genau, wie sehr Liam an seinem irischen Wallach hing. Liam quittierte das Ganze nur mit rollenden Augen und machte sich daran, die Stute in ihrem zeitweiligen Zuhause unterzubringen. Mit flinken Fingern nahm er ihr die Transportutensilien ab und legte sie vor die Box. Lorenz hatte währenddessen Anraí am Putzplatz angebunden und kehrte nun zurück zu Liam.
„Ich würde mir das ganze am Platz irgendwie gern mal anschauen“, murmelte Liam und Lorenz nickte.
„Klar, ich komm mit. Iven, bleibst du eben hier?“, fragte er an seinen Kollegen gewandt, der sich daran gemacht hatte einen stattlichen Schimmel zu putzen, der unweit von Anraí angebunden war und sich neugierig umblickte.
„Jup, Iovis hat sich ein ausgiebiges Matschbad gegönnt, ich bin hier noch eine Weile beschäftigt und hab deinen Bub im Blick“, erwiderte der dunkelhaarige Springreiter, während er mit Bürsten das aktuell nicht wirklich weiße Schimmelfell bearbeitete.
„Danke! Bis gleich!“

Die Sonne begann langsam ihre Kraft zu entfalten, die für einen Frühlingstag schon relativ enorm schien und auf den blanken Armen der beiden Männer ein angenehm warmes Kribbeln entstehen ließ. Lorenz und Liam lehnten am weiß gestrichenen Zaun, der die große Springarena umschloss und hatten sich bewusst für den Platz in der Sonne entschieden. Im Schatten brauchte man doch eher noch einen Pulli, so kühl war es an diesem Morgen ohne die Sonne noch. Gespannt betrachtete Liam den Springreiter in der Arena, der trotz der kühlen Frühlingsluft einen hochroten, vom Schweiß gezeichneten Kopf trug. Mehr zu sich selbst schüttelte Liam leicht den Kopf und beobachtete seinen Freund, den er so verbissen gar nicht kannte.
Rudi lenkte den massigen Braunen, da hatte sein Empfangskomitee nicht übertrieben, der Braune war wirklich massig!, angespannt durch die Bahn und gönnte ihm und sich auch immer wieder Pausen. Doch man sah, dass es eine intensive Einheit war, die die beiden dort hinter sich brachten und anders konnte man das auch nicht nennen: sie brachten es hinter sich, mehr nicht.
„Was ist das für einer?“, fragte Liam leise, hatte Rudi sie doch noch nicht entdeckt und er wollte ihn nicht in Verlegenheit bringen. „Der sieht schick aus.“
„Non Plus Ultra Tb, ein sehr, sehr spät gelegter Wallach aus der Terbeck-Zucht. Hat über den Vater Niebelungenheld auch Nosferatu im Stammbaum und eigentlich spricht alles für ein ziemlich erfolgreiches Springpferd“, erwiderte Lorenz ebenso leise. Liam nickte.
„Der hat schon einen eigenen Kopf, hm? Und das bei der Masse stell ich mir nicht unbedingt leicht vor“, überlegte Liam laut, während er zusah, wie Rudi den Braunen über ein paar Sprünge schickte. Sie kamen problemlos darüber, doch man sah, dass Rudi um jede Versammlung kämpfen musste und der letzte Sprung deutlich zu dicht kam.
„Absolut. War halt lange Hengst, hat gedeckt und nach dem Legen nicht wirklich was im Verhalten geändert, aber die Masse auf fast 1,80 Stock ist nicht unbedingt leicht“, pflichtete ihm Lorenz bei und überlegte kurz. „Ich hab ihn ein paar Mal kurz unter dem Sattel gehabt, der ist ein bisschen eigen aber hat Potential ohne Ende.“
„Vielleicht ist er ein Damenpferd?“, schmunzelte Liam leise über seinen Gedankengang, dass manche Pferde deutliche Vorzüge hatten, was das Geschlecht ihrer Reiter anging.
„Guter Punkt, aber tatsächlich lief er bei den Terbecks erst unter Letizia erfolgreich und nachher auch unter Markus Terbeck selbst noch“, antwortete Lorenz, weiter mit dem Blick auf das Treiben in der Arena.
„Weiter unten mit ihm zu starten ist keine Option, oder?“, überlegte Liam weiter laut, wie er das ganze vielleicht angehen würde. Man sah zweifellos, dass sowohl Reiter, als auch Pferd eigentlich wussten, was sie tun, doch irgendwie in ihrer Kommunikation heillos aneinander vorbeirutschten. Gerade fiel erneut eine Stange hinunter, weil die Distanz vorn und hinten nicht gepasst hatte und Liam zuckte zusammen, als Rudi den Wallach schließlich durchparierte und kapitulierend die Hände nach oben warf.
„Mit Rudi als Reiter geht das nicht. Dafür sind beide zu erfahren. Mit einem jungen Pferd, okay, aber Ultra ist eben auch schon über zehn und siegreich in S*. Das lassen die meisten Veranstalter nicht zu, dass zwei Routiniers eigentlich nochmal weit unter ihrer Klasse starten – gerade bei Berufsreitern nicht“, erläuterte Lorenz, was Liam schon vermutet hatte. Mit den Restriktionen für Berufsreitern kannte er sich als Amateur nicht aus und würde sich damit wohl auch nie befassen müssen, doch das klang einleuchtend, was Lorenz ihm erklärte.
„Hm, macht Sinn und ist irgendwo schade“, erwiderte Liam grübelnd. „Ich könnte mir vorstellen, dass sie gemeinsam den Weg zurück nach oben fänden.“
Lorenz zuckte wortlos mit den Schultern. „Die Chance werden sie wahrscheinlich nicht bekommen. Das zehrt richtig an Rudi, aber ich glaube, es dauert nicht mehr lange, bis Leonie ein Machtwort spricht.“

Liam war noch immer am Grübeln, wie er seinem Freund helfen konnte – sofern er das konnte – als Rudi seine beiden Zuschauer bemerkte. Für einen kurzen Moment wirkte es, als husche da ein wenig Ärger über den Ausdruck des Springreiters – oder war es das Gefühl ertappt worden zu sein? Liam war sich nicht ganz sicher, doch als Rudi den Braunen zu ihnen lenkte, um ihm eine Pause zu gönnen, hatte er sich wieder unter Kontrolle.
„Hi Liam, fit für heute?“, ließ Rudi sich nichts anmerken, doch man konnte nicht leugnen, dass seine Stimmung heute ein wenig belegter war. Auf der Stirn seines Freundes sah Liam Schweißperlen glitzern, als hätte er gerade einen Parcours im Hochsommer geritten und freute sich auf ein späteres Bad im See an einem Sommerabend. Liam versuchte, sich ebenfalls nichts anmerken zu lassen, vor allem seine Sorge nicht.
„Hey! Ja, absolut. Wen hast du denn hier?“, erwiderte Liam, als der Braune seinen Kopf neugierig in die Richtung des ihm unbekannten Reiters streckte und seine Handflächen einer eingehenden Untersuchung unterzog. Er begann, den Kopf des Braunen zu streicheln und kam nicht umhin, zu bewundern, wie toll gebaut der Wallach war.
„Mein Sorgenkind“, gab Rudi unverblümt zu und überraschte Liam. „Irgendwie will das mit uns einfach nichts werden, was, Großer?“ Liebevoll strich er dem Braunen über den Mähnenkamm und das war schon eher der Rudi, der ihnen allen bekannt war.
„Woran liegts?“, forschte Liam scheinbar unbarmherzig, doch mit gutem Willen.
Ein Seufzen entfuhr Rudi. „Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht.“ Er betrachtete sein Reitpferd, das noch immer die Liebkosungen, abwechselnd von Liam und Lorenz, genoss. Lorenz hielt sich schweigend zurück und Liam vermutete, dass die beiden Hitzköpfe über dieses Thema schon einige Male gestritten hatten. Doch die Freundschaft, die die Männer verband – auch Iven – war über die Jahre an Stärke so weit gewachsen, dass sie auch solche Phasen aushielt und jeder auf die ehrliche Hilfe der anderen zählen konnte. Jedenfalls wirkte das Trio Infernale aus Lorenz, Rudi und Iven nach ihren jugendlichen Streitereien von denen man überall hören (und lesen) konnte, deutlich gereift.
„Grundsätzlich ist er echt nicht verkehrt. Im Alltag hab ich ihn richtig liebgewonnen. Wir gehen viel raus, wir arbeiten vom Boden, wir machen mal Dressur. Aber sobald wir in den Parcours gehen, ist das so, als seien wir zwei völlig verschiedene Wesen“, entfuhr es Rudi plötzlich. „Ich mag den Bub, ist ein wirklich feiner Kerl. Aber glaubt ja“, damit bedachte er Lorenz mit einem vielsagenden Blick. „dass mir schon bewusst ist, dass irgendwie Erfolg abspringen muss. Die einzige Platzierung, die wir in letzter Zeit geschafft haben, war eine Wallachschau. Na, super.“
Die Enttäuschung war in Rudis Gesicht gemeißelt. „Du willst ihn nicht abgeben, hm?“
„Na, schau ihn dir an. Der hat Charakter, seinen eigenen Kopf, denkt mit und ist im Alltag kein totales Aas, wie er sein könnte, wo er doch so spät gelegt wurde. Ich wollte ihn unbedingt und hab Leonie bekniet, dass sie ihn kauft. Und jetzt? Jetzt schaffen wir keinen einzigen Parcours ohne mindestens zwei Hindernisse zu zerlegen. Ist ja nicht so, als wenn Lorenz und Iven nicht auch ihren Versuch mit ihm hatten“, erzählte Rudi und man spürte, wie sehr ihn die ganze Situation belastete. „Iven hat definitiv keine Kapazitäten noch ein Pferd mehr zu bewegen, selbst wenn ich unseren Spectre wieder übernehmen würde, weil kein Mensch fünf Pferde auf schwerem Niveau vorstellen kann. Lorenz kam mit ihm auch nicht wirklich klar.“
Rudi warf einen rückversichernden Blick zu Lorenz, der zustimmend nickte. „Nicht ganz mein Typ Pferd. Der Bub hat Talent, aber ich manövriere nicht so gern hauptberuflich Schlachtschiffe durch den Parcours. Sharpie hat mir da die letzten Jahre gereicht und mit Talessia hab ich noch so ein Kaliber unter dem Sattel. Da brauch ich nicht noch einen.“
Es wirkte fast entschuldigend, wie Lorenz das sagte, doch Rudi zuckte mit den Schultern. „Und bei den anderen klappt es entweder nicht, weil du wirklich Kraft für Ultra brauchst oder weil sie selbst schon genug auf der Platte haben. Mit Norah hats ganz gut harmoniert, aber die hat mit Cormac und Barbossa schon mehr als genug neben dem Job zu tun. Und dann gehen mir die Ideen aus.“

Der braune Wallach machte sich mit einem ungeduldigen Scharren bemerkbar. „Ich glaub, ich mach Schluss für heute, das hat keinen Sinn, aber ich müsste den Dicken noch trocken führen, Lust mit zu laufen?“, fragte Rudi, während er sich aus dem Sattel schwang und die Steigbügel hochzog.
„Klar“, Liam nickte und blickte zu Lorenz, der mit dem Kopf schüttelte.
„Ich muss selbst mal los legen, aber ich stell deinen Anraí mal so lange in Ultras Box, dann könnt ihr euch Zeit lassen und der Frechdachs stellt nichts an, derweil“, schlug Lorenz vor.
„Danke, das ist lieb“, bedankte sich Liam und schlüpfte durch den Zaun, um sich zu Rudi zu gesellen. Der Braune begrüßte ihn mit einer neugierigen Nase, während Lorenz sich schon entfernte.
„Wollen wir eine Runde draußen laufen? Ist wahrscheinlich besser als hier im Kreis. Ich muss nur eben noch die Sprünge wieder auflegen, willst du schon mal mit ihm raus?“, Rudi war schon halb auf dem Sprung, als er Liam die Zügel des massigen Wallachs in die Hand drückte und zum Ausgang der Arena deutete.
„Na, denn mal los, was, Dicker?“, ermunterte Liam den Wallach und setzte sich in Bewegung. Der Braune stapfte motiviert neben ihm her, seine Umgebung stets aufmerksam im Blick und die Ohren kaum ohne Spiel. Am Ausgang angekommen säuberte er die Hufe seines temporären Schützlings und bürstete auch die Gamaschen schon frei vom Sand, die unter dem Training deutlich gelitten hatten. Der Wallach ließ das Prozedere anstandslos über sich ergehen und blickte nur zwischendurch, was denn da der ihm fremde Zweibeiner mit ihm anstellte.


"Erzähl mal, wie ists bei dir? Stimmt es, dass Jacobi wirklich wechseln will?" Rudis tiefer Bariton fasste sich wunderbar in die Geräusche der Umgebung ein. Untermalt vom Hufgeklapper des Braunen schritten die beiden Männer über einen Weg, der in Richtung der Wälder führte, hier jedoch noch die Felder durchzog.
Liam schmunzelte. „Behalts für dich, aber das ist in trockenen Tüchern.“
Ein ungläubiger Blick, Kopfschütteln. „Or, das werden sie ihm nicht verzeihen.“ Rudi grübelte ein wenig. „Wie lang war er jetzt im Verein?“
„Er hat die Jugendmannschaften ab der C-Jugend durchlaufen und ist seit vier Jahren Profi … gute acht, neun Jahre?“, erwiderte Liam nachdenklich und wühlte in den Tiefen seines Sportwissens.
„Du bist ein verdammtes Lexikon für Fußballdinge, weißt du das, mein Freund?“, Rudis faszinierte Reaktion brachte Liam zum Lachen.
„Ich werde ja mehr oder weniger dafür bezahlt, solche Dinge zu wissen“, gab er bescheiden zu.
„Ja, aber andere merken sich lieber den Namen der letzten 12 Freundinnen einen Profifußballers und du weißt im Gegensatz zu denen, Dinge, die man wirklich wissen will“, lobte Rudi durch die Blume. „Was interessiert es mich, ob der nun eine Miranda, Melissa und Marisa als Freundin hat, die sich durch peinliche Stunts in Social Media über Wasser hält … das ist was für die Klatschpresse.“
Liam schmunzelte. Er schätzte die Worte seines Freundes sehr, vor allem, dass er ihn so von dieser Klatschpresse abhob. Genau da wollte er niemals landen und freute sich darüber, wenn er mit Fachwissen glänzen, statt mit stumpfen Schlagzeilen ablenken konnte.

Ultra erschrak vor irgendetwas und blieb stocksteif stehen, die Ohren nach vorn gewandt und angestrengt dreinblickend. Die beiden Männer hielten an und betrachteten den Wallach, imposant wie er dastand.
„Hm, was ist los, Dicker?“, Rudi runzelte die Stirn und folgte dem Blick seines Schützlings. Der blickte auf direktem Wege zu den Stuten und Fohlen, die ihre Ruhe auf den hinteren, großen Weiden hatten. Teils, so wusste Liam, brachten sie auch dort den Nachwuchs auf die Welt, jedenfalls die iberischen Vertreter der Rassen.
„Aah, alte Hengstmanieren lassen sich schlecht ablegen, hm?“, grinste Liam, als Ultra kurz darauf losblökte.
„Wie ein Hirsch in der Brunft. Nicht zu fassen“, auch wenn Rudi den Kopf schüttelte, sah man ein leichtes Schmunzeln auf seinen Lippen, das Bände sprach, wie gern er den Braunen eigentlich hatte.
„Du solltest ihn mal am Turnier sehen. ‚Schaut her, ich bin der Schönste!‘ Und dann, wenn alle schauen, hämmert er mit mir durch den Parcours als gäbs kein Morgen und ich hab keine Chance, irgendwie ordentlich mit ihm dadurch zu kommen. Manchmal glaub ich, je mehr ich ihn zurückhalten will, desto mehr drängt er nach vorn.“ Ein resignierendes Schulterzucken.
Liam lauschte aufmerksam. Er wusste, dass man bei Rudi nicht weit kam, wenn man ständig nachfragte. Da sein, Präsenz zeigen und er rückte irgendwann schon mit der Sprache heraus.
„Wir haben all die Dinge durchgecheckt: Sattel passt, Pferd ist putzmunter, nichts zwickt – es ist, als könne er mich einfach nicht mehr leiden, sobald ich im Sattel sitze“, murmelte Rudi vor sich hin und Ultra streckte ihm neugierig die Nase entgegen. Gedankenverloren strich sein Reiter über die samtenen Nüstern und setzte sich dann wieder in Bewegung.
„Und ihm mal eine Pause geben?“, überlegte Liam laut. Rudi zuckte mit den Schultern.
„Der zerlegt dir die Box, wenn er nicht jeden Tag rauskommt und sich austoben darf. Da hilft auch kein Weidegang. Und solange er hier steht, haben irgendwie alle Erwartungen ohne Ende. Jeder schaut drauf, wie es läuft. Sie meinen es ja alle nicht böse, aber es setzt irre unter Druck. Jetzt weiß ich wie Iven sich damals mit Falcon gefühlt haben muss, auch wenn er das nicht zugibt.“
Liam erinnerte sich daran zurück, wie es mit Iven und dem Dunkelfuchs ausgesehen hatte. Da war die Quote auch eher 80% zu 20% auf einen zerlegten Parcours als eine Platzierung, aber an guten Tagen hatte keiner eine Chance gegen das Paar. Manchmal war das einfach so, nur blieben bei Rudi und Ultra einfach auch die guten Tage aus.

In der Ferne grollte es bedrohlich. Ein Stirnrunzeln trat auf Rudis Stirn und er blickte zu Liam, der problemlos mit dem hochgewachsenen Reiter Schritt hielt.
„Ich glaube, wir sollten uns langsam auf den Rückweg machen. Gewitter und Berge sind eine ziemlich fixe Kombi“, murmelte er und erntete von Liam ein zustimmendes Nicken.
„Klar, auf eine Dusche hab ich gerade auch keine Lust, lass uns zurück“, erwiderte er. „Anraí und Elfi verstehen wahrscheinlich eh die Welt nicht mehr, warum ich sie so lange warten lassen.“

Der Regen prasselte erbarmungslos auf die drei Gestalten ein, als sie endlich über den Hof schritten. Keiner der drei legte mehr eine besondere Eile an den Tag, da war eh nun schon Hopfen und Malz verloren – sie trieften bis auf die Knochen. Liam warf einen Blick auf den braunen Wallach, dem der Regen nichts auszumachen schien und der tapfer hinter Rudi durch die Stalltür stapfte. Auch Liam schlüpfte hinter den beiden in die Stallgasse und schloss das Tor hinter sich, peitschte der Regen doch mittlerweile fast mehr waagerecht durch die Landschaft als dass er senkrecht fiel.
„Ich glaube, es gibt keine trockene Faser mehr an mir“, ächzte Rudi und zupfte an seinem Shirt, das fest und unnachgiebig seinen Oberkörper umschloss. Liam schmunzelte und fuhr sich mit einer Hand durch die nassen Haare, bevor er an sich herunterblickte und erschrocken bemerkte, dass auch an ihm nicht mehr viel trocken war. Vielleicht die Boxershorts, aber selbst da war er nicht sicher.

„Alter, euch hats ja voll erwischt!“, grinste Lorenz, der mit einem wach dreinschauenden Braunen von der Hallenseite der Stallgasse hereinkam. „Wo ward ihr denn?“
„Auf halbem Weg zum See, sind irgendwie weitergelaufen, als ich dachte“, gab Rudi zu, während er sich daran machte, Non Plus Ultra boxenfertig zu machen.
„In den See hinein, oder was? Uff, naja, ich glaub, das hört heute nicht mehr so schnell auf“, plauderte der Sagmeister-Zwilling weiter, bevor er sich zu Liam wandte. „Schlechter Tag für ein Training auf dem großen Platz.“
Liam nickte zerknirscht. „Da hast du wohl Recht. Naja, dann war der Bubi am Ende immerhin nochmal daheim.“
„Ach was, wir schauen gleich mal, wies in der Halle aussieht. Vielleicht können wir uns dazwischenmogeln, aber ein zweites Training könnte heute eng werden, wenn jetzt alle ausweichen“, überlegte Rudi laut und legte Ultras Sattelzeug sorgfältig zusammen. „Wir schauen mal.“

Das gleichmäßige Trommeln des Regens bildete eine enorme Lautstärke, sodass Liam das Schlurfen seines Wallachs unter ihm gar nicht hören konnte. Er bewegte sich im Fluss mit dem Braunen und betrachtete schmunzelnd die Zeichnung aus Schweiß, die sich auf dem Hals Anraís gebildet hatte. Fleißig war er heute gewesen und es fühlte sich fast so an, als wüsste er, dass hier eigentlich mal zuhause war. Er hatte extra viel Wucht in den Absprung gelegt und wollte jede Wendung noch ein Stück enger nehmen als sonst, fast als wolle er sagen „Schaut her, ich hab mich gemacht!“. Doch Liam brauchte keinen übereifrigen Wallach dafür um genau das zu wissen, der schlaksige Braune war vorher definitiv nicht unerfolgreich gewesen und auch mit ihm hatte sich diese Serie fortgesetzt, was er absolut dem Talent des Wallachs und nicht seinem eigenen zuschrieb.

„Wenn ich euch letztes Jahr so gesehen hätte, hätte ich euch in eine M* geschickt“, schallte es von der Bande über den Regenlärm zu ihnen herüber. Liam wandte sich um und erblickte dort Adrian, auf der Bande sitzend und mit den Beinen lässig baumelnd. Er lächelte.
„Ach, wir müssen es ja nicht übertreiben“, erwiderte Liam und hielt in der Nähe des älteren Preiß.
„Jaja, du machst dich dauernd schlechter als du bist. Anraí hat das Zeug dazu und Lust hat er auch, und dass du nicht bereit bist, kannst du mir spätestens nach dem Sieg mit deinem Stütchen letztens nicht mehr erzählen.“
„Ja, okay, fair“, lachte Liam und erhob kapitulierend beide Hände. Anraí blieb stehen und schnaubte gelassen. Der irische Wallach hatte sich definitiv für heute austoben können und das obwohl die Halle die ersten zwei Stunden noch proppenvoll gewesen war. Rudi hatte wohl den ein oder anderen Gefallen eingefordert, um Liam für eine Stunde dazwischen zu schieben, jedoch auch gleich angedeutet, dass Liam sich wohl heute für ein Pferd würde entscheiden müssen.
„Aber ihr genießt gerade mehr die Außensaison, was?“, fragte Adrian und spielte auf die Vielseitigkeit an. Liam nickte.
„Frag mich nicht warum, aber der Bub ist im Gelände der Wahnsinn. Absolut keine Angst und wenn er richtig rennen darf, scheint er mir das glücklichste Pferd der Welt zu sein. Die letzten Ergebnisse sagen jedenfalls ziemlich genau das“, er lachte verlegen. Liam war niemand, der den Erfolg mit seinem Pferd auf sich selbst, sondern stets auf die gute Leistung seines Vierbeiners schob. Misserfolg jedoch ging zu 101% auf Reiterkappe, wo denn auch sonst?
„Ich verstehs ja. Keine Ahnung, was ich machen soll, wenn ich meine Daily nächstes Jahr in Rente schicke und dann nur noch im Parcours unterwegs bin. Vielleicht muss ich den Huntingtons noch ein VS-Pferd abschwatzen“, grinste Adrian, der genau wie Liam die kleinen Ausflüge in die Königsdisziplin des Pferdesports stets genoss.
„Was ist denn mit deinem Stütchen, wie lang hast du sie noch?“
„Noch bis Ende des Monats. Dann geht’s zurück. Aber sie war echt klasse“, plauderte der Dunkelhaarige über Elfi drauf los. Er, als bekennender Stutenhasser hatte sich doch tatsächlich in eine Stute verguckt. Im Endeffekt wussten aber alle Parteien, dass das nur etwas auf Zeit war, schließlich stand die Madame nicht zum Verkauf, auch wenn Liam wohl viele Hebel in Bewegung gesetzt hätte, um mir ihr weiter die Klassen nach oben klettern zu können.
„Schade, ihr habt euch echt gut gemacht“, stimmte Adrian zu. „Bleibst du eigentlich über Nacht? Mit ihr warst du ja noch gar nicht draußen.“
„Eigentlich war das nicht geplant“, antwortete Liam und wurde sogleich von Rudi unterbrochen, der sein Gespräch mit einer anderen Bereiterin Winters beendet hatte und nun zu ihnen aufschloss.
„Aber keine schlechte Idee. Hast du morgen Termine? Eine Box haben wir immer frei und dann könnten wir morgen, bei besserem Wetter …“ Rudi verdrehte die Augen und deutete in Richtung des Platzregens den man durchs Hallentor bestens sehen konnte. „noch die Einheit mit Elfi und vielleicht noch eine mit Anraí einlegen. Was meinst du?“
Liam zögerte und druckste ein wenig herum, von Rudi zu Adrian blickend – und wieder zurück.
„Also? Hast du frei? Und jetzt mach dir bitte keinen Kopf, dass das irgendwelche Umstände macht. Bei dem Wetter will dich eh keiner fahren lassen und in der WG ist mehr als genug Platz.“
Es dauerte nur einen Moment und Liam merkte, dass er hier auf absolut verlorenem Posten kämpfen würde. Er hatte tatsächlich die nächsten Tage noch frei und auch keine sonstigen Verpflichtungen, die verlangt hätten, dass er dringend noch heute nach Hause führe. Und bei dem Wetter? Der Weg zurück wäre eine Tortur.
„Ha, ich sehs an deinem Gesicht! Super, dann machen wir heute Abend einen und morgen geht’s noch raus“, über Rudis Mine lag ein triumphaler Ausdruck.
„Na, dann wünsch ich euch jungen Wilden viel Spaß. Der alte Mann geht jetzt mal nach seiner Madame schauen“, verabschiedete sich Adrian mit einem Schmunzeln auf den Lippen und machte sich auf den Weg, um nach Molly zu sehen.


„Kannst du glauben, dass Adrian Vater wird?“ Rudi schüttelte ungläubig den Kopf, als sie zu zweit über den Hof in Richtung der WG über einem der alten Stalltrakte schritten. Liam lachte.
„Naja, allzu weit hergeholt ist das jetzt nicht“, grinste er, wusste jedoch, worauf Rudi anspielte.
„Als nächstes wird dann Iven Vater. Oder Lorenz, gott steh uns bei“, stichelte Rudi weiter und Liam genoss diesen Moment des belanglosen Geplänkels. Die WG hatte die Nachricht seines „Asylgesuchs“ freudig aufgenommen und auch Norah hatte sich für den Abend noch angekündigt, wenn ihre Schicht endlich vorbei war. Heute Abend war definitiv gemütliches Beisammensein angesagt und Liam konnte nicht sagen, dass er dem Regen böse war, dies in die Wege geleitet zu haben, auch wenn er gerade wieder hart an der Grenze zu „bis auf die Knochen durchnässt“ war.
„Oder du“, nahm Liam nun die Stichelei ebenfalls auf und brachte sich vor einer erbosten Reaktion seines Nebenmanns in Deckung.
„Sag sowas nicht!“, entfuhr es Rudi erschrocken und er fasste sich theatralisch an die Brust. „Alter Mann kriegt noch einen Herzinfarkt.“

„Der alte Mann kann erst mal hereinkommen und uns verraten, was seine Bolognese so gut macht“, tönte es vom oberen Ende der Treppe herunter. Die beiden Männer sahen auf und erblickten einen grinsenden Tommy, samt Kochlöffel in der Hand, der sich ratlos am Kopf kratzte.
„Ernsthaft, helft Tommy mal, seine schmeckt nach … nix“, grinste nun auch eine kleinere Gestalt aus dem Türspalt, die sich gerade einen offenbar kurz zuvor in die Bolo getunkten Finger abschleckte.
„Hallo Liam“, Jule zog ihn in eine warme Umarmung und Liam kam nicht umhin, sich wie zuhause zu fühlen. Wo war er hier nur herein gestolpert?
„Machts euch gemütlich“, sie musterte Liams nasse Erscheinung kurz und blickte dann je zu Rudi und Tommy, bevor sie den Kopf schüttelte. „Ich glaub, du musst auf Lorenz oder Iven für trockene Klamotten warten, die haben eher deine Statur.“
„Macht euch bitte kei…“
„… keine Umstände, jaja“, kam es unisono zurück und die bisher anwesende Gang der WG fiel in ein herzliches Lachen.

Ein angenehm warmes Gefühl breitete sich aus und Liam lehnte sich entspannt auf der Couch zurück. Die Bolognese war am Ende tatsächlich dank Rudi noch gelungen und hatte er sich anfangs noch über die enorm großen Töpfe gewundert, so musste Liam nun einsehen, dass sie alle mit großem Appetit an die Sache gegangen waren – sodass tatsächlich nur noch ein kläglicher Rest übrig war. Er nahm einen Schluck seines Biers und genoss einen Moment lang den kühlen Kontrast auf seiner Zunge, zu der Wärme die ihn umgab und die er fühlte. Ein Blick an sich herunter zeigte eine von Ivens zahllosen Jogginghosen und ein nahezu neues Tshirt mit dem Logo-Aufdruck von seinem Boxclub auf der Brust, während seine eigenen Klamotten gerade vermutlich die xte Runde durch die Waschmaschine drehten.
Liam blickte durch die Runde. Jules Gesicht zierten rote Wangen und sie hatte sich mit einem Weinglas in der Hand in einem der Sessel eingekuschelt. Lorenz trank Bier, wie Liam, und kraulte unterdessen mit seiner freien Hand den Kopf seines Staffordshires Slevin, der sich die Gesellschaft nicht entgehen ließ. Zu Liams linker Hand saß Rudi mit einem Weinglas in der Hand, das sich erstaunlich schnell leerte, während zwischen den beiden Männern Ivens Bulldogge Schrödinger mit vollem Elan schnarchte, wie es nur eine englische Bulldogge konnte. Der Blick zur gegenüberliegenden Sofaseite zeigte Norah, die ihren Kopf auf Ivens Schoß gebettet hatte und seit ein paar Minuten mit der Müdigkeit kämpfte. Ein lautloses Schmunzeln zierte Liams Lippen als er sah, wie Iven gedankenverloren mit Norahs Haaren spielte.

„Liam, ernsthaft, soll ich dir noch ´ne Tasse Coffee to ride vorbeibringen oder fängst du jetzt endlich mal an, ordentlich zu reiten?“, Rudis Stimmte hallte über den Platz und brachte ihm einige Lacher von der Seitenlinie ein. Dort hatte sich zur Liams Leid nahezu die komplette Truppe von gestern Abend versammelt und kommentierte nun seine Runden durch den großzügigen Parcours, die … zugeben, eher mäßig ausfielen heute.
„Kaffee, bitte. Intravenös. Und wenn du dabei bist, eine Aspirin nähm ich auch“, gab Liam nun zerknirscht zu und genoss die kurze Schrittpause, wusste er doch, dass ihm vermutlich nicht viele davon vergönnt sein würden.
„Wer saufen kann, …“ begann Rudi.
„… der kann auch trainieren!“, beendete die WG-Besatzung unisono den Standardspruch und brach in Gelächter aus. Liam fiel ein und schüttelte amüsiert den Kopf.
„Streng dich mal an, Liam“, rief nun auch Lorenz von der Seite. „Sonst kommt Rudi noch auf Ideen.“
„Ha, guter Stichpunkt!“ Der nachdenkliche Ausdruck auf Rudis Gesicht ließ Iven nichts Gutes ahnen. „Wenn du den nächsten Durchlauf nicht fehlerfrei hinkriegst – wir wissen alle, es liegt nicht an Elfi, sondern nur an dir, mein Lieber Pfeffibruder – dann nimmst du mir heute noch das Training von einem meiner Pferde ab. Deal? Deal!“
Liam, der damit beschäftigt war, sich sein Frühstück beim Stichwort „Pfeffi“ nicht nochmal durch den Kopf gehen zu lassen, war deutlich zu langsam um Einspruch einzulegen. Er gab sich geschlagen und hoffte, dass die feurige Rappstute Nachsicht mit ihm haben würde und den ein oder anderen Fehler kaschierte. Bisher zeigte sie sich aber relativ unnachgiebig und schien den verkaterten Liam nicht unbedingt retten zu wollen, sodass seine Hoffnung verschwindend gering ausfiel. Er zuckte mit den Schultern und sammelte sich für die nächste Runde.

Liam blieb natürlich nicht fehlerfrei. Den Aussprung aus einer Kombination versäbelte er volles Haus, hatte er Elfi vorher viel zu weit in die Kombi hinein springen lassen, sodass sie sich und ihren Reiter zwar noch über statt in das Hindernis wuchtete, doch die oberste Stange klackernd zu Boden fiel. Resignation machte sich in dem Springreiter breit. An jedem anderen Tag hätte er einen Arm dafür gegeben, Rudis Pferde reiten zu dürfen, doch heute? Da schrie er nach Sofa, Jogginghose und viel Wasser. Und Nickerchen. Und definitiv keiner körperlichen Aktivität. Aber Wettschulden sind Ehrenschulden, nicht wahr?

Die Sonne zeigte sich langsam etwas zaghaft hinter den noch immer schwer nach Regen aussehenden Wolkentürmen, als Liam die zweite Runde des Tages zum Springplatz der Winters einschlug. Neben ihm führte Rudi Liams Wallach Anraí, hatte er sich die Möglichkeit doch nicht nehmen lassen wollen, mal zu sehen, was der Ire so auf dem Kasten hatte – und Liam noch nicht aus ihm raus zu kitzeln vermochte. Anraí schien völlig unbeeindruckt davon, dass sein Reiter heute ein anderer war und versuchte mit großem Elan, so goldig zu sein, dass Rudi die Leckerchen nahezu aus der Tasche fielen, während sein eigener Besitzer neben ihm mit einem anderen Pferd unterwegs war. Liam passte sich den kraftvollen und geschmeidigen Bewegungen des Wallachs unter ihm an und kam nicht umhin, festzustellen, wie viel mehr Masse dieses Pferd mitbrachte, als sein eigener.

„Naaa, freust du dich auf Ultra?“, grinste Rudi nun von der Seite und lachte sich ins Fäustchen.
Liam verzog sein Gesicht zu einem schiefen Lächeln. „Ehrlich gesagt irgendwie schon, aber ein bisschen Respekt hab ich auch“, gab er zu und strich dem massigen Wallach über den Mähnenkamm. Auch Ultra schien relativ unbeeindruckt davon, jemand anderen in seinem Sattel sitzen zu haben und schritt eifrig voran. Liam konnte es kaum erwarten, trotz hämmernder Kopfschmerzen und einem zur Sicherheit leeren Magen, sich mit dem Braunen über den Springplatz zu bewegen.
Zwar hatten sich zu dieser Einheit nicht mehr alle Bewohner der WG am Zaun des Springplatzes eingefunden, wie zu der am Morgen mit Elfi, doch Liam erblickte während seiner Aufwärmphase mit dem Braunen immer mal wieder jemanden, der neugierig stehen blieb. Er erhaschte einen kleinen Einblick in den stummen Druck, von dem Rudi erzählt hatte und konnte sich kaum vorstellen, was auf seinem Freund lastete, wenn er sich nun schon Gedanken machte, was die anderen wohl dachten – und dabei erwartete niemand von Liam, dass er den Westfalen auch nur über ein Hindernis brachte. Wie musste sich das dann nur anfühlen, wenn man als Berufsreiter ganz andere Erwartungen erfüllen musste?

Ein Bocksprung holte Liam zurück in die Wirklichkeit und er strauchelte für einen Moment, seine Balance wieder zu erlangen, bevor er sich tief in den Sattel setzte und Ultra wieder einfing. Er parierte den Wallach durch und sah, wie Rudi mit einem Grinsen zu ihnen herüberschielte.
„Tagträumer kann er nicht leiden“, rief Rudi ihm zu und Liam fühlte sich ein wenig ertappt. Er hätte schwören können, dass ihm eine leichte Röte in die Wangen stieg. „Bleib bei der Sache, das war nur ein Vorgeschmack auf seine kunstvollen Bocksprünge.“
Einmal mehr wusste Liam es zu schätzen, wie andere Reiter in der Lage waren, ihre Kritik oder ihre Tipps freundlich und ohne Vorwurf zu äußern. Er nickte und schwor sich, nun bei der Sache zu bleiben, denn noch mehr von der Kunst der Bocksprünge kennenzulernen wäre für seinen Magen an diesem Tag vermutlich der Endgegner. Liam ließ den Wallach noch über eine halbe Runde in einem eifrigen Schritt gehen und warf einen Blick zu seinem eigenen Pferd, das sich unter Rudi flüssig und wie in seinem Element bewegte. Er war wirklich gespannt, was der Berufsreiter aus seinem Anraí herausholen würde und was sein Fazit sei. Doch fürs erste musste Liam nun mal den braunen Koloss unter sich müde kriegen und dieser Aufgabe widmete er sich nun mit voller Konzentration, nicht wie vorher nur mit einem Teil.

Aus dem Augenwinkel heraus nahm Liam wahr, dass sich im Schatten der alten Bäume nun Lorenz und Iven, sowie noch jemand, den er nicht zuzuordnen wusste, eingefunden hatten, doch er versuchte sich davon nicht beirren zu lassen. So groß das Selbstbewusstsein manchmal sein konnte, so sehr konnte Liam auch der schüchterne Schüler sein, wenn er wusste, dass alle Anwesenden Dinge besser konnten als er. Doch in diesem Moment schob er die Gedanken von sich, drohte Ultra doch schon wieder mit einem Mini-Bocksprung, als wolle er warnen, was danach käme, würde Liam sich nicht endlich mal zusammenreißen. So fokussierte der Reiter des Westfalen nun doch endlich und befasste sich mit der Aufgabe, die vor ihm lag: einen kleinen Ausschnitt des größeren Parcours, den Rudi gerade mit Anraí bestritt. Liam warf noch einen Blick zu den beiden, um sich zu versichern ihnen nicht in die Quer zu kommen und ritt dann den ersten Sprung der Reihe an.

Non Plus Ultra bewegte sich kraftvoll unter ihm und Liam fühlte sich, als würden sie abheben, jedes Mal wenn der Wallach absprang. Sie segelten haushoch über die Sprünge, die weit unter dem eigentlichen Niveau des Braunen angesiedelt waren und dennoch Liams Komfortzone waren. Er ließ dem Wallach seinen Kopf und merkte schnell, dass er nur wenig ins Tempo eingreifen konnte und sie dennoch die Sprungreihen erfolgreich meisterten. Liam würde allerdings lügen, wenn er nicht das ein oder andere Mal die Luft angehalten hatte, als der Koloss mit ihm durch eine Sprungreihe segelte. Nach einem erfolgreichen Durchlauf mit nur einem knappen Sprung, den Ultra aber korrigiert hatte wo Liams Maß versagte, parierte er den Wallach durch und lobte ihn.

„Wie machst du das?“, rief Lorenz zu ihm herüber und Liam wandte sich erstaunt um, bevor er Ultra in die Richtung seiner Zuschauer lenkte.
„Was?“, fragte er, sichtlich verwirrt.
„Machst du einfach die Augen zu und hoffst, dass alles gut geht? Und lässt du den wirklich sehenden Auges so rennen?“, lachte Lorenz und erläuterte seine Frage.
„Äh“, rot stieg auf Liams Wangen. „Ein bisschen was von beidem?“ Er lachte unsicher, vermutete er doch Kritik in den Worten. Doch Lorenz schüttelte amüsiert den Kopf.
„Also ist das das Geheimrezept, man muss Passagier sein?“
Liam legte den Kopf ein wenig schief. „Ich hab jedenfalls nicht viel an ihm gedoktort eben, eigentlich mehr machen lassen, zu mehr bin ich heute auch absolut nicht in der Lage.“ Ein leises Lachen begleitete seine bescheidenen Worte.
„Nein, im Ernst, Liam, ich mein das nicht negativ. Ich hab Ultra lange nicht mehr so entspannt springen sehen und das war zwar jetzt keine S** Höhe, aber M** lässig. Und du springst das mit dem, als sei nichts.“
Ultra tänzelte ein wenig hin und her, schien seinem Eifer Ausdruck zu verleihen. Doch Liam zuckte nur ratlos die Schultern. „Ehrlich, ich hab nicht viel Anteil an den Runden gehabt. Wenn ein Pferd deutlich besser ist als ich, lass ichs einfach machen, solange ich nicht drastisch eingreifen muss. War zwar zum Teil sehr rasant, aber …“, er suchte nach den passenden Worten. „Naja, im Busch zum Beispiel vertrau Anraí komplett. Der ist da richtig zuhause und auch wenn mein Bauch mir manchmal sagt `Uiii, langsamer gings auch`, weiß er meistens besser was er da tut und dann lass ich ihn machen. So bin ich heute auch rangegangen, weil ich eh keine Chance hätte, das Tempo zu halbieren. Jedenfalls nicht innerhalb von einer Einheit.“
Rudi gesellte sich mit einem vom Schweiß gezeichneten Anraí zu ihnen und grinste. Ein leichtes Kopfschütteln. „Was machst du mit dem Pferd? Das sah wirklich gut aus.“
„Hat auch Spaß gemacht“, gab Liam grinsend zu. „Wobei ich wirklich nur Passagier der Non Plus Ultra Airlines war.“
„Mach dich nicht schlechter als du bist, Mann. Ich bekomm langsam den Eindruck, dass du ein bisschen mehr das Gefühl dafür hast, wann du ihn WIRKLICH zurücknehmen musst und wie lange man einfach auf das Beste hoffen kann“, überlegte Rudi laut und schalt ihn ein wenig. „Ich bin da anders, das muss ich zugeben. Ich lass nicht gern ein Pferd in dem Maß die Führung übernehmen, vielleicht liegts daran, dass wir nicht so harmonieren, weil er sich nicht so einengen lässt.“
Rudi schielte zu einigen der Sprünge und grinste dann zu Liam. „Störts dich, wenn ich deinen Bubi mal ein bisschen höher schicke?“
Liam schüttelte den Kopf. „Ich vertrau da absolut deinem Urteil, was du ihm zutraust.“
„Super, dann gehst du nämlich jetzt mit Ultra mal noch die drei dahinten, während ich mit Anraí teste. Dann kommen wir uns nicht in die Quere“, schlug Rudi vor und Liam folgte seinem Blick.
„Alter, was ist das für eine Höhe? 1,70?“
„Übertreib nicht, das sind einsfünfzig, einfündundvierzig und einsvierzig. Und du sollst ja keinen Parcours reiten, sondern einfach nur die einzelnen Sprünge. Erzähl mir nicht, du bist die Höhe noch nie gesprungen, ich weiß, dass dus bist. Also stell dich nicht so an, Ultra kann das und wenn du Passagier spielst, kriegt ihr das schon hin.“

Und wie sie das taten. Ultra sprang mit einer Wucht ab, die Liam fast aus dem Sattel katapultierte und segelte seelenruhig über den kleineren der drei Sprünge. Dass das Herz seines Reiters gerade ungefähr drei Schläge ausgesetzt hatte, schien der Braune nicht zu merken und visierte schon den nächsten Sprung an, sodass Liam ihn auf einen Zirkel lenkte, um ein paar Galoppsprünge verschnaufen zu können. Er sammelte sich ein wenig und ritt dann den nächsten der Sprünge an. Ultra ging mit einem Tempo darauf zu, dass er doch eingriff und regulieren wollte, was dem Wallach gar nicht zusagte. Er schlug mit dem Schweif und deutete einen Bocksprung an, doch Liam blieb hart. Der Absprung war noch einmal wuchtiger als der vorige, doch genauso flogen auch mehr Schmetterlinge im Bauch, als die beiden über den Sprung segelten. Am Ende hörte man zwar das dumpfe Fallen einer Stange, doch Liam konnte nichts die Laune trüben. Gab es auch nur irgendein besseres Gefühl als mit solch einem kraftvollen Pferd über Sprünge zu segeln?

„Und, was sagt der strenge Trainer?“, grinste Liam seinem Freund entgegen, der sich mit Anraí neben ihnen für ausgiebige Schrittrunden eingefunden hatte. Beide Pferde trugen Zeichen ihrer Arbeit auf dem Hals, doch hatten schon wieder eine gleichmäßigere Atmung, ihre Schritte waren voller Raumgriff und sie gingen immer noch eifrig nach vorn, als seien sie noch mitten im Training.
„Dazu dass du mein Pferd besser reitest als ich oder dazu, dass ich dein Pferd besser reite als du?“, stichelte Rudi voll verstecktem Lob. Liam lachte auf.
„Beides.“
„Ich fang mal beim Bubi an. Anraí hat noch ooordentlich Luft nach oben, aber bevor ihr permanent hochgeht, musst du mit ihm mehr Kraft aufbauen. Der will springen, aber in der Gymnastikreihe vorhin hat man gemerkt, dass ihm am Ende die Kraft ausgeht. Da könnt ihr dran arbeiten, gerade mit solchen Reihen, wo er kontinuierlich arbeiten muss. Also … an Ausdauer fehlts ihm nicht, wie auch, so viel wie ihr im Busch springt, aber eben die Sprungkraft am Ende von Sprungreihen, da geht’s noch deutlich nach oben. Eine M* könnte er schaffen, aber höher würde ich noch nicht gehen. Gib ihm Zeit, arbeite vielleicht auf dem gleichen Niveau erst noch ein wenig weiter, bevor ihr hochgeht. Dann stellt sich eher Erfolg ein“, erklärte Rudi und strich dem Iren über den Hals. „Aber ihr könnt echt noch was reißen, da bin ich mir sicher.“
„Oh! Das ist schön zu hören. Und M wird’s erst mal nicht großartig geben. Nur vielleicht auf ganz kleinen Turnieren oder Prüfungen ohne Kombis. Die gehen ganz gut“, überlegte Liam laut.
„Und zu Ultra muss ich nicht viel sagen, oder? Das sah wirklich gut aus. Ich bin vom Typ her, glaube ich, einfach ein Reiter, der mehr eingreift und mehr steuern will als du, aber ihr kamt ja echt gut miteinander aus. Das …“ Rudi lachte. „Das hatte ich so nicht erwartet, aber du hast dich mehr als tapfer geschlagen.“
Das Lob eines Reiters wie Rudi ging runter wie Öl. Liam errötete leicht und blickte verlegen auf den Wallach unter ihm, der rhythmisch abschnaubte und sich seinen Feierabend redlich verdient hatte. Er strich dem Braunen über den Mähnenkamm und tätschelte den massigen Hals. Was für ein verrückter Tag.

Das Haustürschloss des alten Hauses ächzte und wehrte sich, doch schließlich trat Liam durch die Pforte und streifte sich als aller erstes die Turnschuhe von den Füßen. Er konnte die Menschen, die durch die eigene Wohnung dauernd mit Schuhen liefen absolut nicht verstehen, war es doch ein überragendes Gefühl, nach einem langen Tag die Schuhe endlich auszuziehen. Liam ließ seinen Autoschlüssel, samt Hängerbund und Stallschlüssel in die Schale auf der Kommode fallen, die ein Sammelsurium von allem beinhaltete, was nicht direkt ein neues Zuhause bekam. Ein Blick in den Spiegel darüber zeigte einen von Müdigkeit gezeichneten jungen Mann mit zerzaustem Haar, erschöpften Augen und einem permanenten Lächeln auf den Lippen. Liam schüttelte schmunzelnd den Kopf, wie müde einen sein Hobby doch machen konnte, ohne dass man auch nur einen Funken Zufriedenheit einbüßte. Mit einem lauten Knurren ließ sein Magen vernehmen, dass er vielleicht doch langsam mal etwas essen sollte, doch Liam schob das noch ein wenig nach hinten, wärmte lediglich den Backofen schon mal an und sprang erst einmal unter die Dusche. Nach einem solchen Wochenende wählte er nicht die verträgliche Temperatureinstellung „normal“, sondern höllisch heiß. Seine Ex-Freundin hatte ihm irgendwann mal schmunzelnd an den Kopf geworfen, er sei der einzige Mann auf dieser Welt, der heißer duschen würde, als jedes weibliche Wesen. Liam schmunzelte bei dem Gedanken und spürte, wie das heiße Wasser langsam die müden Muskeln bearbeitete und sich Verspannung, nach Verspannung, zaghaft löste.

Es dauerte eine ganze Weile, bis er sich aus der nassen Umarmung des heißen Wassers löste und sich ein Handtuch um die Hüften schlang, bevor er aus der Dusche heraustrat. Vielleicht sollte er doch langsam mal die Tiefkühlpizza in den Ofen schieben, der Hunger machte sich mittlerweile mit mehr Vehemenz bemerkbar als zuvor. Doch gerade als Liam aus dem Bad hinaus in die Küche treten wollte, bemerkte er das wild vor sich hin vibrierende Handy auf der Kommode. Stirnrunzelnd hob er es auf und blickte auf die Anrufer-Info. Hm, Almkirchener Vorwahl … Liam überlegte, was es damit auf sich haben konnte und hob das Handy ans Ohr. „Hallo?“
„Hallo! Spreche ich mit Liam? Hier spricht Leonie, von Sportpferde Winter“, kündigte sich die Anruferin freundlich an und komplettierte Liams Verwirrung. War es etwa doch nicht in Ordnung gewesen, dass er mit seinen Pferden über Nacht geblieben war? Hatte er etwas vergessen?
„Hi“, riss er sich selbst aus seiner Starre der Ratlosigkeit und versuchte sich zu sortieren. „Äh, Entschuldigung, ja, hier ist Liam.“
„Super, dass ich dich noch erreiche. Ich sitze hier mit Rudi und Iven zusammen, und ich hätte da einen Vorschlag für dich. Hast du einen Moment Zeit?“
Liam schielte auf den Pizzakarton auf seiner Küchenzeile, auf das Handtuch, das das einzige Kleidungsstück war, das er gerade trug und auf die Wassertropfen, die er durch die ganze Wohnung verteilte. Er schüttelte amüsiert den Kopf, ging ins Wohnzimmer und ließ sich auf die Couch fallen, in der absoluten Gewissheit, in nächster Zeit immer noch nichts zu essen in den geschundenen Magen zu bekommen. Liam räusperte sich.
„Klar, hab ich. Was gibt’s denn?“


zuletzt bearbeitet 24.05.2020 20:46 | nach oben springen

#2

RE: [LIAM] Non Plus Ultra Airlines

in Leonie 09.06.2020 13:04
von Leila • 101 Beiträge | 173 Punkte

Man darf gespannt bleiben, was die Non Plus Ultra Airlines noch so von sich geben, aber es klingt so, als hätten sich da zwei für einen gemeinsamen Weg gefunden :)

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