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#06 Written in the Stars

in Past 10.01.2021 14:39
von Natsch • 20 Beiträge | 52 Punkte

WRITTEN IN THE STARS
DIE EINSAMKEIT EINES MENSCHEN IST DIE UNANTASTBARKEIT SEINER SELBST.
DENN ER FÜRCHTET DIE ZWEISAMKEIT, AUS ANGST WIEDER EINSAM ZU SEIN.

2. SPRINGSTUNDE VON EASY GOING UND NADINE; KLASSE A

"Aber ich könnte Sie nach Hause fahren...", mein Blick wurde ein Stück misstrauisch. "Sie wissen ja gar nicht Mal wo ich wohne, nachher ist das der totale Umweg für sie..", gab ich zu Bedenken und richtete meinen Blick wieder auf den Weg vor meinen Füßen, aus Angst mich wiederholt schrecklich zu blamieren, weil ich meine Füße nicht sortieren konnte. Den Blick des Älteren auf mir spürend, wartete ich auf eine Antwort, doch so wirklich wollte er mir anscheinend keine geben. Stattdessen fuhr er weiter neben mir her, warf gelegentlich einen Blick auf die Straße und ignorierte die hupenden Autofahrer die ihn überholten. "Das Angebot steht immer noch..", merkte er an und abermals bemerkte ich den belustigten Ausdruck in seinem Gesicht. Einen Moment wägte ich ab, in wie weit es sich lohnen würde ihn zu ignorieren, hielt das aber für zu unhöflich.
Der Himmel verdunkelte sich, ein tiefes Donnern war zu hören und als ein Blitz über unseren Köpfen zuckte, wandte ich meinen Blick wieder dem Mann zu, der mich fast schon mit einem triumphalen Schmunzeln anschaute. "Nur weil es gewittert, steige ich doch nicht in fremde Autos!", gab ich zurück und aus seinem Triumph wurde offenkundiges Amüsement. Seine kurzen braunen Haare wirkten ein bisschen wirr, als wäre gerade jemand neckend mit der Hand durch jenes gestrichen und in seinem Gesicht zeichnete sich ein leichter drei-Tage-Bart ab der ihm schmeichelte. Er trug ein ausgebleichtes blaues Hemd und eine dunkle Jeans mit breitem Gürtel. Er wirkte ein bisschen konventionell. Er begegnete meinem Blick und mir fiel das erste Mal das dunkle Blau seiner Augen auf. Peinlich berührt, weil aus meinem kurzen Blick ein eindeutiges mustern oder gar starren geworden war, wandte ich den Blick ab.


Ich schlug mir mit der flachen Hand gegen die Stirn, als ich an diesen Heimweg dachte und daran, dass der Werte Herr von und zu eine Tochter hatte. Demzufolge hatte er auch eine Frau oder Freundin, denn alleine hat er das Kind wahrscheinlich nicht gezeugt. Ich kniete auf meinem Bett und packte weiter Kisten zusammen, da der Entschluss gefallen war, dass ich mir erst einmal alleine eine Wohnung suchte und dann eventuell eine WG gründen würde. Vielleicht mit zwei, drei Mädels - irgendwie sowas. "Oh mein Goooooott. Nadine, du bist so dämlich manchmal...", wäre mein Bett beziehungsweise meine Matratze ein Brett gewesen, hätte der Schlag mit dem Kopf dagegen wahrscheinlich mehr als nur weh getan. "Suchst dir aber auch immer die falschen aus...", nuschelte ich in meine Bettdecke und hob mit einem resignierten Seufzen und vorgezogener Unterlippe wieder meinen Kopf.
Mein Zimmer war das reinste Chaos, überall standen Kisten und uneingepackte Klamotten lagen überall verteilt. "Und ordentlich einpacken kann ich auch nicht...", ein Klopfen riss mich aus meinen Selbstgesprächen und mein Bruder trat hinein. ["Ich glaub, ich hab eine Wohnung für dich gefunden...", er Klang zwar nur mäßig begeistert, doch das lag wahrscheinlich nicht an dem Zustand der Wohnung. Es dauerte einen Moment bis ich fertig angezogen war und mich runter zu meinem Bruder begab um mit ihm zu besagter Wohnung zu fahren. "Wo sagtest du war die nochmal?", fragte ich nach und griff nach den Autoschlüssel, die mein Bruder mir jedoch aus der Hand nahm. "Näher als diese hier an deinem Pferdehof, aber liegt genau in der anderen Richtung. Also ziehst du weiter von mir weg..", jetzt war es mein Bruder der schmollte und mich unglücklich ansah. "Ich komm dich doch trotzdem noch besuchen...", mein Bruder schnaubte und ging vor mir aus dem Haus zu dem schwarzen Audi. Wir fuhren denselben Weg wie ich ihn fuhr, wenn ich zum Hof wollte, doch anstatt in den Hof abzubiegen, führen wir weiter gerade aus und erreichten nach einigen Minuten eine kleine Ansammlung von Häusern. "Hier gibt es ein Dorf? Ist mir ja noch nie aufgefallen...", sagte ich überrascht und runzelte leicht die Stirn, von meinem Bruder war nur ein zustimmendes Raunen zu hören. Ich verdrehte leicht die Augen.

Die Wohnung war groß und hell. Insgesamt hatte sie 3 Zimmer, also würde ich mir keine zwei Mitbewohner suchen. Meinem Bruder war das wahrscheinlich sehr recht. Das Bad war groß - größer als erwartet -, besaß eine Dusche sowie eine Badewanne - etwas, was extrem wichtig für mich war. Die Küche war offen mit dem Essbereich verbunden und im Wohnzimmer gab es eine große Panoramascheibe die einem einen schönen Blick auf eine große Pferdekoppel gab, die jedoch nicht zum Mystery Hof gehörte. Einen Augenblick lang wusste ich nicht, was ich sagen sollte. "Aber die Wohnung ist doch sicher total teuer...", der Markler schaute mich konfus an. "Ich schenke sie dir...", waren die einzigen Worte meines Bruders und mir klappte der Mund auf. "Bist du bescheuert?", fragte ich lachend während ich ihm in die Arme fiel.
Nachdem ich den ersten 'Schock' überwunden hatte, unterschrieben wir den Kaufvertrag und nach wenigen Momenten hatte ich meinen Kaufvertrag in der Hand, sowie die Schlüssel zu dieser Wohnung. "Unter ihnen wohnen noch drei andere, junge Leute - sie werden sicher gut klar kommen!", nickte der Markler als wir ihm die Hand zum Abschied reichten. "Ich kann immer noch nicht glauben, dass du mir eine Wohnung schenkst!", sagte ich mindestens so Fassungslos wie es mein Gesichtsausdruck schon aussagte. "Tja.. ich muss doch wissen, dass du in sicheren vier Wänden wohnst, wenn du schon nicht in meinem Haus bleiben willst!", erklärte mein Bruder entspannt und freute sich sichtlich darüber, mir eine Freude bereitet zu haben.

Auf dem Weg zurück, lieferte mein Bruder mich am Stall ab und verabschiedete sich. Zufrieden ging ich ins Reiterstübchen und riss meine WG-Suche von der Pinnwand. "So, hast du ein Zimmer gefunden?", hörte ich eine Stimme hinter mir und ich drehte mich, eine Spur überrascht, um. "Jaein... Mein Bruder hat mir eine Wohnung gekauft...", antwortete ich nach wie vor perplex. "Oha! Erzähl!", forderte Vivi mich auf und so erklärte ich ihr kurz die Lage der Wohnung und, dass unter mir ein paar Leute wohnen sollten, die in meinem Alter waren. "Klingt ja Klasse! Lässt du noch wen bei dir einziehen?", fragte sie nach und ich nickte. "Mal sehen... denke nicht, es sind nur 3 Zimmer..", antwortete ich ohne große Eile und zerknüllte dann das Papier. "Wir sehen uns! Ich will zu Samir..", ein kurzes Lächeln huschte über meine Lippen und nach einer kurzen Verabschiedung, ging ich in Richtung der Fohlenwiese auf der mein kleiner Hengst stand.
Samir befand sich - wie imme - mitten im Getummel und scharrte die anderen Fohlen um sich. Heute war sogar das schüchterne Connemara-Fohlen ein bisschen näher bei der Gruppe und spielte - wenn auch vorsichtig - mit den anderen mit. Ein Grinsen huschte über meine Lippen und ich hob leicht winkend den Arm, den lime-grüne Halfter in der Hand. "Saaaaaaaaaamir!", rief ich und sofort stoppte das Fuchsfohlen, drehte seinen Kopf zu mir und spitzte seine Ohren. Bei dem Anblick musste ich dann doch grinsen und sein helles Wiehern ließ das Grinsen nur noch breiter werden. "Na nu komm! Wir wollen ein bisschen um die Wiese gehen!", fuhr ich fort mit erhobener Stimme und Samir kam währendessen auf mich zu, schlug leicht übermütig mit dem Kopf und trabte zwei, drei Schritte, ehe er vor mir stehen blieb und mir seine Nüstern entgegen schob. "Du bist mein Feiner, neh?!", fragte ich während ich ihm die Stirn rieb und das Halfter problemlos anzog. Mit der Übung hatte Samir schon keine Probleme mehr, weshalb aus dem alten Übungshalfter schnell ein neues lime-farbenes Fohlenhalfter wurde. Die anderen Fohlen beobachteten das Spektakel interessiert und Marih ox schien einen Augenblick lang zu überlegen ob sie näher treten sollte, doch sie ging lieber wieder zurück und spielte mit den anderen.

[ALTES SCHICKSAL]
Zusammen mit Samir und seiner Mutter ging ich in einem eher gemütlichen Tempo zum Putzplatz. Schon auf dem Weg bemerkte ich, dass Samir's Mutter nicht bei bester Laune war und eigentlichg viel lieber mit ihrem Sohn auf der Fohlenwiese geblieben wäre. Mit Krauleinheiten und Leckerbissen versuchte ich die Stimmung ein wenig zu steigern, doch die Mutterstute ließ sich durch nichts erwärmen. Ein Seufzen kam mir über die Lippen während ich die Fuchsstute anband und mich für einen kurzen Moment zu Samir umdrehte, der immer schneller wuchs und anfing, sein Fell abzuwerfen. "Ach... wieso kannst du kein Baby bleiben, dein tolles Babyfell...", jammerte ich leise und streichelte dem kleinen Hengst über den schmalen Hals und musterte das dunkelrote Fell welches unter dem Flaum zum Vorschein kam. In diesem Moment hörte ich ein unangenehmes Krachen von Plastik und als ich mich umwandte, stand Samir's Mutter im Putzkasten und zeigte wirklich kein Interesse sich jetzt noch einmal zu bewegen. "Was ist nur los mit dir heute...", seufzte ich resginiert und schob die Fuchsstute schwerfällig auf Seite. "Du bist doch kein Shire Horse - tsehe!", tadelte ich die Füchsin und schob den Putzkasten auf Seite nachdem sie endlich aus diesem herausgetreten war. "Hoffentlich wird der Tag nicht durch die Bahn so...", grummelte ich und warf Samir einen Seitenblick zu. Dieser schien jedoch vollkommen entspannt zu sein und zuppelte am Schweif seiner Mutter rum.
In diesem Moment kam Vivian mit York vorbei - die schwarze Stute in die Samir über beide Ohren verliebt war. Der junge Hengst spitzte aufgeregt die Ohren und reckte der schwarzen Schönheit die Nüstern entgegen. "Oh... was ist denn mit deinem Putzkasten passiert?", fragte Vivi nach und musterte das Ding als wäre es abstrakte Kunst. "Safiye hat wohl einen schlechten Tag und ist mir reingestiegen...", erklärte ich ruhig und zuckte leicht mit den Schultern. "Was ihr wohl über die Leber gelaufen ist? Lass dich davon nur nicht runterziehen.", fuhr Vivi fort und schaute kurz hinter sich als Julia um die Ecke kam. "Hey Leute - Nadine, du hast heute wieder eine Springstunde, oder?", ich nickte lächelnd, ehe ich anfing Safiye zu putzen, Samir hatte nur Augen für York. "Und was ist mit deinem sexy Cowboy?", fragte Vivi weiter, eindeutig neugierig. "Hab ihn nicht mehr gesehen. Aber er hat ja auch eine Tochter und ich bin erst 20.", gab ich zurück und zuckte leicht mit den Schultern. Ach man, das nervte einfach. "Sollen wir später noch einen Ausritt machen? So ein bisschen Schritt im Gelände nach deiner Springstunde?", ein theatralisch frustriertes Nicken meinerseits beendete das Gespräch und die beiden Mädels verschwanden leise lachend, sich um das kümmernd was sie vorher machen wollten.

Meine immer gute Laune zog sich und offensichtlich spiegelte Samir's Mutter meine Laune überhaupt nicht. Stumm brachte ich die Fuchsstute in ihre Box um weiter Übungen mit Samir zu machen. Ich führte ihn an verschiedenen Orten vorbei. An fremde Stallungen, einem laufenden Traktor und einen langsam rollenden Auto. Der kleine Hengst schien kein Problem damit zu haben. So stubste er mich an und rubbelte mit seiner Oberlippe an meinem Arm entlang, als würde ihn das ganze schrecklich langweilen. Ein schwaches Schmunzeln kam mir über die Lippen und ich kraulte seine feine Stirn. "Ach Samir, du bist doch ein kleiner Chaot...", grinste ich und streichelte ihm über die Nüstern, ehe ich ihn weiterführte. Wir machten einen kleinen Spaziergang, kamen an Kuhweiden vorbei und meine stille Hoffnung nocheinmal den Cowboygeist zu sehen, wurde am Ende des Spaziergangs zermürbt. "Vielleicht sollte ich nicht so sehr darauf hoffen, dann passierts vielleicht wieder!", gab ich nachdenklich in Samir's Richtung ab, doch natürlich bekam ich keine Antwort. Der junge Fuchshengst schaute mich lediglich an und neigte seinen Kopf leicht zur Seite. Nach dem kleinen Spaziergang brachte ich den Fuchs zusammen mit seiner Mutter zurück zur Wiese und ging wieder in die Stallungen, da ich mich noch um Easy Going kümmern musste und eine weitere Springstunde mit ihm hatte.

Easy wartete schon in der Box auf mich und streckte mir seine Nüstern entgegen als ich vor jene trat. "Na Dicker...", lächelte ich und strich dem großen Wallach über die breiten Nüstern, schnappte mir dann sein Halfter samt Strick und führte ihn zu den Putzplätzen. Ausgiebig wurde der Fuchswallach geputzt und gestreichelt, der sichtlich froh darum war. Meine schwankende Stimmung - zwischen sehr gut und frustriert - machte es mir nicht gerade leicht meine Gedanken zusammen zu halten, doch trotzdem sagte ich mir, dass ich heute wenigstens versuchen sollte die Stunde durchzuziehen, anstatt sie abzusagen. Entspannt und ein wenig abwesend sattelte ich das große Pferd und unterhielt mich nebenher ein wenig mit dem Wallach. Bea kam kurz an uns vorbei, an ihrer Hand den großen Hengst Sambuco, den ich bereits auf einem großen Ausritt hatte reiten dürfen. "Na? Heute wieder Training?", erklang ihre freundliche Stimme und sie entlockte mir ein Nicken, das mit einem Lächeln begleitet wurde. "Ja, aber ich bin irgendwie nicht ganz auf der Höhe heute. Wahrscheinlich ein sehr lockeres Training...", erklärte ich ihr und bekam ein verständnisvolles Nicken zur Antwort. "Du machst das schon.", die Zuversicht in ihren Worten ließen mich schmunzeln. "Ich denk auch!", bestätigte ich und trenste Easy während Bea sich wieder ihrem dunklen Hengst zuwandte. Wenig später fand ich mich auf Easy wieder und machte die ersten Aufwärmübungen in der Halle. Meine Reitlehrerin war ebenfalls bereits da und beobachtete mich entspannt. "Reit ein bisschen flotter, der schläft dir ja unterm Sattel ein!", tadelte sie mich und kurz darauf folgte auch schon die treibende Hilfe. Easy schien meine Stimmung mitzubekommen, machte mir deswegen jedoch keine großen Schwierigkeiten. Meine Reitlehrerin baute ein paar niedrige Hindernisse auf zum warmmachen und stellte sich in die Mitte, meine Bewegungen genau musternd. "Sitz gerader...", fuhr sie fort und verschränkte die Arme vor der Brust. "Nimm bitte das Hindernis auf der Mitte der langen Bahn..", forderte sie mich auf. Easy leicht in die Hilfen hineinreitend, bereitete ich ihn auf das Hindernis vor und ließ ihm rechtzeitig Luft, ging automatisch in den leichten Sitz und wir setzten über das kleine Hindernis. "Das sah schon ganz gut aus, bisschen mehr Tempo.", erklärte sie mir und gab mir das Zeichen, direkt das nächste Hindernis zu nehmen. Auch das klappte eigentlich recht gut, doch abermals bemängelte sie meinen Sitz. "Dir ging schon wieder der Rücken weg, lass ihm mehr Luft.", erklärte sie mir und ich versuchte wieder die Sache umzusetzen - beim nächsten Sprung erfolgreicher. Zwischen den einzelnen Hindernissen beschäftigte ich den Wallach mit kleinen Dressurübungen damit er Abwechslung bekam und durchlässig wurde. Nach 20 Minuten die wir mit den kleinen Hindernissen verbrachten, legte meine Reitlehrerin wieder höher. "So, jetzt gehen wir wieder auf A Niveau - nachdem ich fertig bin, nimmst du bitte die vier Hindernisse hintereinander.", erklärte sie mir während sie die Stangen höher legte. Ich trieb Easy in einen geschmeidigen Galopp und nahm den unteren Zirkel, machte leichte Wechsel und wartete auf das Startsignal. "Also gut, los!", gab sie mir das Stichwort und vom Zirkel aus ritt ich das erste Hindernis an. Es war ein Steilsprung und Easy zeigte mir, wie leicht er ihn fand. Darauf achtend ihn nicht zu sehr festzuhalten, gab ich dem Wallach mehr Luft, was er mir mit einem grandiosen Sprung über den nächsten Oxer dankte. Nach dem Oxer versammelte ich Easy leicht, damit wir die richtige Galoppsprunganzahl hinbekamen, ehe ich ihn wieder losließ und wir die restlichen beiden Sprünge ebenfalls besser nahmen. Weitere 20 Minuten arbeiteten wir an den höheren Spüngen, ehe ich anfing den Wallach trocken zu reiten.

Noch während ich in der Halle den Fuchswallach trocken ritt, kam Julia mit Lancado um die Ecke und streckte den Kopf in die Halle. "Ah, du bist fertig. Wollen wir dann los?", fragte sie nach und ich klopfte Easy lächelnd den Hald. "Ja, er ist trocken und freut sich sicher noch auf ein bisschen Bewegung außerhalb..", erklärte ich ihr und ritt den Wallach in ihre Richtung. Bei Julia angekommen, streichelte diese ihren fuchsfarbenen Wallach und lächelte mir entgegen bevor sich auf ihren Schimmel stieg. "Dann Mal los..", sagte sie und wir zwei verließen in einem gemütlichen Tempo und lockeren Zügeln das Gelände des Hofes.
Es vergingen ein paar Minuten in denen wir einfach nur still nebeneinander herritten und die Eindrücke der Umgebung auf uns wirken ließen. "Ich hab mit deiner Reitlehrerin gesprochen, sie sagte, dass du heute recht abgelenkt warst - was ist denn los?", mit den Worten durchbrach Julia die Stille um uns und ich dachte einen Moment lang nach. "Irgendwie passiert im Augenblick eine Menge..", ich zuckte leicht mit den Schultern und schaute auf den Mähnenkamm von Easy herunter. "Ich habe mich entschlossen bei meinem Bruder auszuziehen. Wir wohnen seit drei Jahren zusammen weil meine Mutter geschäftsmäßig immer auf Reisen war und er mich nicht alleine lassen wollte. Aber jetzt hab ich das Gefühl, dass ich ihn 'behinder'. Schließlich ist er verlobt und naja..", ich grinste schief. "Ich mag seine Verlobte zwar, aber ich muss die zwei Turteltäubchen auch nicht 24Stunden ab Tag um mich haben.", fuhr ich fort und sortierte das von Wind aufgewühlte Haar des Fuchses. "Dann hat er mir eine eigene Wohnung gekauft, was ich irgendwie krass finde. Klar, er hat eine eigene Firma und so aber...", ich brach ab weil mir kein passendes Wort einfiel. "Du kommst dir immer noch vor wie ein Kind?", fragte Julia nach und ich nickte. "Genau!", sie schien es zu verstehen und lächelte sanft während sie Cado über die Hals strich. "Aber ich bin ja auch dankbar dafür.. ich könnte mir sowas noch nicht leisten.", erklärte ich weiter, ehe ich wieder leiser wurde. Die Sache mit dem Cowboy war mir irgendwie unangenehm, hatte aber auch das Verlangen mich darüber auszulassen. "Und...", Julia blickte mich wieder an als ich anfing zu sprechen. "... irgendwie belastet mich das mit dem Kerl der eine Tochter hat. Obwohl ich ihn nicht kenne, verstehst du? Er ist ständig in meiner Gedankenwelt - ich komm mir vor wie ein verknallter Teenager der einen Star anhimmelt..", ich verdrehte die Augen über mich selbst und schüttelte leicht den Kopf. "So war ich nie und so wollte ich eigentlich auch nie sein - mir ist das peinlich.", es war schon fast so etwas wie Trotz der in meiner Stimme erklang und Julia musste leise lachen. "Aber was ist denn schlimm daran?", fragte sie mich und nahm mir so jeglichen Wind aus den Segeln. "Keine Ahnung." Ihr Blick lag fast schon gutmütig auf mir. "Wenn ich dir einen Rat geben darf, lass sowas einfach auf dich zukommen, mach dir nicht all zu viele Gedanken...", das klang vernünftig in meinen Ohren, weshalb ich schwach lächelnd nickte.

Als wir wieder am Hof ankamen, ging es mir deutlich besser und ich musste zugeben, dass es auch Mal half, mit jemanden darüber zu sprechen. Ich würde mit meinem Bruder über die Wohnung sprechen, vielleicht erlaubte er mir wenigstens eine kleine Miete zu zahlen und was den Cowboy anging, so würde ich einfach abwarten was passieren würde. Eins nach dem anderen. Zufrieden machte ich Easy Going für seine Box fertig und steckte ihm eine kleine Leckerei zu.
Kurz nachdem ich den Wallach in die Box gebracht hatte, klingelte mein Handy und ohne wirklich darauf zu achten wer es war, ging ich dran. "Nadine? Gut, dass ich dich erreiche - Elly geht es nicht so gut. Ich glaub wir sollten mit ihr morgen zum Tierarzt.", erklärte mein Bruder mit ruhiger Stimme und ich verharrte einen Augenblick. "Was ist denn los?", fragte ich nach und zog mir im hinausgehen schon meine Jacke umständlich an. "Sie ist heute sehr träge und mag sich nicht wirklich Bewegen. Selbst der Gang zum Futternapf ist eher schwerfällig..", fuhr er fort und ich winkte den anderen etwas übereilt zum Abschied. "Alles klar - ich komm jetzt Heim.", erklärte ich besorgt und legte auf. Schon beim Kauf der Hündin hatte ich gewusst, dass sie alt war und die ein oder anderen gesundheitlichen Probleme aufweiste.

Seasons come and go - but i will never change

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