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Raffi #05 - Wenn sich alles ordnet

in Leila 11.03.2022 18:59
von Leila • 101 Beiträge | 173 Punkte

Die Fortsetzung der Geschichte von Raffis Umzug mit Esme zum Reitstall Moorwiesen...


Es war so einer von diesen verregneten Nachmittagen. Als so verregnet, dass man sich in einem Reiturlaub mal nicht eben in den Sattel schwingen und vor dem Nieselregen in den Wald flüchten konnte. Klar, zu Hause hätte Raffi jetzt den Nachmittag genutzt und vielleicht in der Halle trainiert. Hier hatte sie jedoch fest geplant, auch Esme einen Urlaub zu gönnen und so war es beim morgendlichen Spaziergang in einem Regenloch geblieben. Während Esme also in der Paddockbox über Mittag Heu mümmelte und nachmittags auf einer größeren Weide andere Pferde angucken durfte (getrennte Weideparzelle für Gastpferde), hatte sich Raffi in dem kleinen Ferienappartment auf dem Laptop eine Serie angeworfen und faulenzte sich durch die Gegend. Bei Regen rauszugehen war zwar möglich, aber eben einfach nicht schön.

Der Urlaub war genau das richtige gewesen: Ja, alleine zu sein barg immer die Gefahr, mit dem eigenen Kopf zu viel alleine zu sein, zu sehr ins Grübeln zu geraten und so eine nicht-endende Abwärtsspirale loszutreten. Raffi hatten die letzten Tage, in denen sie nur ausreiten und spazieren war, Zeit gegeben, das Chaos mal zu sortieren ohne dabei ständig bei "hätte ich doch nur" oder "was wäre wenn" zu landen. Sie war in der Lage gewesen, ihren aktuellen Stand zu formulieren, ihre Wünsche und Ziele für die Zukunft und die Grenzen, die sie sich in bestimmten Lebenssituationen nun setzen würde oder eben nicht setzen würde. Immer wenn sie gemerkt hatte, dass es in die falsche Richtung ging, hatte sie entweder etwas mit Esme unternommen oder war mit dem Leihfahrrad des Stalls losgefahren.

Als um 3 Uhr scheinbar immer noch keine Zeit umgegangen war, sie aber auch nicht die Muße zu weiteren Serien, sinnlosen Gesurfe oder Spaziergang im Regen hatte, nahm sie sich die Liste von Karin vor. Ihre Jetzt-Ex-Mentorin hatte eine Reihe Stallempfehlungen ausgesprochen und so surfte Raffi gezielt die Internetpräsenzen der Ställe ab und schaute, was es so gab. Da war der Rubenshof. Man kannte sie dort, denn Vice hatte dort gestanden, ehe er zum Reitstall Elwen gezogen war. Sie selbst hatte lockere Gespräche mit den Leuten dort geführt, die Atmosphäre am Stall war allerdings immer sehr professionell gewesen: Ausnahmslos vielversprechnde Youngster oder schon versierte Sportpferde standen dort. Es hatte eigene Hengststallungen gegeben und die wenigen Einsteller, die sie neben Karin gekannt hatte, hatten fast ausschließlich Geldanlagen und Prestigeobjekte eingestellt, die dann vom Personal trainiert worden waren. Karin hatte den Stall wohl nur pro Forma mit aufgenommen, denn auch sie war wohl froh gewesen, dort ausziehen zu können und weiterhin nur die Stallleitung zu kennen, ohne sich dort aufhalten zu müssen. Raffi vermutete sogar, dass Karin es bereut hatte, Vice zuallererst dort einzustellen. Allerdings konnte man nicht sagen, dass der junge Wallach nach reiflicher Überlegung eingezogen war.

Der Zettel wanderte in den Müll und dann schoss ihr ein weiterer Gedanke durch den Kopf: Mit neuem Job hielt sie nichts in der Gegend. Was sprach dagegen, nach Auenburg, Sandefeld oder Kirchbergen zu gehen? Zugegeben, die Antwort war einfach, denn ihre Eltern wohnten in der Kleinstadt im Speckgürtel von Welmstadt und Marie hatte es samt Familie vor einigen Jahren nach Rabenitz verschlagen. Thilo würde wohl noch eine Weile in der Weltgeschichte herumjetten. Auch wenn Raffi immer stolz auf ihre Eigenständigkeit gewesen war, so gefiel ihr die Vorstellung nicht, weit von ihrer Familie weg zu wohnen. Es sollte also Heidewald bleiben, am liebsten die südliche Ecke. Sie ging die Stallliste von Karin durch und strich alles außerhalb der gesetzten Komfort-Zone heraus.

Anschließend öffnete sie eine Kartenanwendung und markierte alle verbliebenen Ställe. Von dem Hof ein Stück westlich von Rabenitz hatte sie schon mehrfach gehört: Mindestens einmal pro Jahr verschwand das halbe Weideland, wenn die Ves mal wieder besonders viel Wasser führte - weg damit! Der Grünberghof östlich der Gravitzer Heide hatte zwar unglaublich schöne Anlagen und Umland, aber außer Umland gab es dort nicht viel und wer nicht auf dem Hof wohnte, musste mit 20 Minuten Anfahrt rechnen - mit dem Auto, bei jedem Wetter und auch im Winter, wenn im leicht hügeligen Land die Reifen auf schlammigen Schotterpisten gerne mal eine Weile durchdrehten - weg damit!

Eine halbe Stunde später hatte Raffi zwei weitere Ställe aussortiert (tolle Anlage, super Stallgemeinschaft, aber die Reitschulpferde hatten bei ihren Besuchen unglücklich gewirkt am Reitgut Meerkamp und die Leute vom Schlossgestüt Klaubingen nahmen Boxenmieten, die jenseits aller Vernunft lagen). Sie nahm aus der verbliebenen Liste ihre drei Favoriten zur Hand: Der Gutshof Gravitz direkt an der Gravitzer Heide würde um diese Jahreszeit mit der blühenden Besenheide eine wahnsinnige Kulisse abgeben. Erst vor ein paar Jahren hatten die Hofbetreiber Veranstaltungsanlagen hochgezogen, die ein einzigartiges Panorama offen ließen. Ein Telefonat ergab jedoch, dass viele Reiter den Heidetraum träumten: Der Stall war ausgebucht und die Warteliste gut gefüllt. Es würde wohl bei Besuchen an Turniertagen bleiben.
Nummer zwei war ein gut ausgestatteter Stall, der ein paar Jahre lang ausschließlich Turniere für Ponys veranstaltet hatte. Das Konzept war irgendwann aufgegeben worden und aus dem Ponyclub Rabenitz war der Reitverein Meyer geworden. Der Name war zwar wenig spektakulär, die Anlagen aber ordentlich und auch die Leistungen, die mit inbegriffen waren, wirkten vielversprechend. Sie vereinbarte für den nachfolgenden Freitag einen Besichtigungstermin. Wenn alles passen sollte, waren für Anfang und Mitte September jeweils eine Box frei.
Ein ähnlich positives Ergebnis erzielte sie bei Nummer drei, dem Reitstall Moorwiesen, der ebenfalls bei Rabenitz lag. Bei der Bemerkung, sie könne - wenn alles passe - schon Sonntag einziehen, musste sie ein bisschen lachen und vertröstete ihre Kontaktperson (deren Namen sie tatsächlich nicht gut verstanden hatte) erst einmal.

Zum frühen Abend schaute Raffi noch ein mal nach Esme, holte sie vom Weideparzell in die Gastbox und mischte das Futter zurecht, das sie für den Stallburschen hinstellte. Dann schwang sie sich auf das Leihrad (es hatte kurz aufgehört zu regnen) und radelte in den nahegelegenen Ort. In einer kleinen Strandbar fand sie einen Platz mit blick aufs Meer und genoss einen Teller italienische Pasta und ein paar Gläser Wein. Als Historikerin begeisterte sie die Sandefelder Küste, wusste sie doch, dass es hier in den vergangenen Jahrhunderten massive Landgewinnungsprozesse gegeben hatte. Die Geschichte der Fischer und Farmer, die dem Meer das Land zentimeterweise weiter abgerungen hatten, war eine bewegte und gut dokumentierte. In ihrem Studium hatte sie das Thema einmal grob angekratzt, beim Journal war man jedoch von der Idee nicht so angetan gewesen, was so im kleinländlichen Rahmen früher alles passiert war und weiter weg lag. Zuletzt hatte sie einen Artikel über die Industrialisierung Ehrfurchts geschrieben. Ein paar Schleifen weniger und ein bisschen mehr Tempo in der Technologie und Welmstadt wäre nicht die Hauptstadt Heidewalds geworden.

Sie blieb an diesem Abend eine der wenigen Gäste, radelte gegen 9 Uhr zurück, telefonierte mit ihrer Schwester, schrieb zwei Postkarten und ging dann recht früh ins Bett. Am morgigen Tag stand schon wieder die Abreise auf dem Plan und auch wenn sie die gemütliche Gesellschaft ihrer Kater Fuchur und Nero vermisste, war sie noch nicht sehr motiviert, in den Alltag zurück zu kehren. Marie hatte ihr angeboten, von Freitag auf Samstag bei ihr zu bleiben. Ihr Mann und ihre Tochter waren nicht zu Hause und so würden sie sich einen gemütlichen Mädelsabend machen können. Seit Marie ihre Tochter hatte, waren diese Abende selten und deutlich ruhiger als noch zu Zeiten, in denen sie beide noch studiert hatten.

Nachdem sie auf der Rückreise Esme am Stall abgesetzt hatte (sie waren vor der Abreise noch einmal lange ausreiten gewesen und weitere Beschäftigung brauchte die Stute heute nicht), schaute sie, ob ihre beiden Kater noch lebten. Sie taten es und bekundeten ihren Unmut über ihre lange Abwesenheit so vehement, dass Raffi sich kurz nicht sicher war, ob sie es schaffen würde, alleine in den Waschkeller zu gehen. Gottseidank ließen die beiden sich mit Abendessen ablenken und die erste Waschmaschine lief ruhig durch. Sie sichtete die Post und fand eine angenehme Überraschung: Aufgrund der Tatsache, dass sie grade erst den Ehrfurcht-Artikel abgeschlossen hatte und in der Zeit bis Mitte September neben den verbliebenen zwei Urlaubswochen nicht viel Zeit für neue Recherchearbeit blieb, hatte die Arbeit sie für den Rest der Zeit freigestellt. Sie durfte noch einen Tag vorbei schauen, Ausstand feiern und ihre persönlichen Gegenstände mitnehmen. Was sich für andere wie ein Rauswurf angehört hätte, erleichterte sie enorm, denn so musste die Thomas nicht unbedingt noch unter die Augen treten. Das Schreiben bedankte sich für ihre Arbeit und ihre vortrefflichen Artikel, hängte ein Arbeitszeugnis und besagte Artikel als Referenz für zukünftige Arbeitgeber an und wünschte ihr alles Gute auf ihrem weiteren Lebensweg.

Der Donnerstag bestand aus Bewerbungsarbeiten. Sie wollte gerne in der Journalistik bleiben und stolperte nach einer Weile Recherche schließlich auf eine Ausschreibung, die wirkte, als wäre sie auf sie abgestimmt worden: Schreiberin für das Historikum, ein kleineres Historik-Journal in Rabenitz: Eigeninitiative, Kreativität, Interesse an und Ideen für Artikel im lokalen Zusammenhang, aber auch überregionale Beiträge. Die Bewerbung floss ihr förmlich aus den Fingern, Referenzen hängte sie neben Arbeits- und Unizeugnis an und sendete die Mail ab. Keine halbe Stunde später erhielt sie einen Anruf zurück, der jegliche Gedanken, dass sie vielleicht doch etwas falsch interpretiert haben könnte, beiseite fegte. Für Freitag vormittag war sie in Rabenitz eingeladen zum Vorstellungsgespräch. Die Atmosphäre war locker, beide Seiten waren sichtlich begeistert, sich gegenseitig gefunden zu haben! Alles in Allem wirkte es, als würde es aktuell nur aufwärts gehen, aber immerhin musste sie durch den nächsten Tag - ein Bewerbungsgespräch und und zwei Stallbesichtigungen - durch!

Am Freitag Morgen schien das Glück vorbei zu sein: Um 11 Uhr sollte ihr Gespräch beim Historikum starten, um 10 Uhr stand sie stadteinwärts auf der Schnellstraße, hielt die Rettungsgasse offen und schaute zu, wie in etwa einem Kilometer Entfernung Blaulicht vor sitzt hin blitzte. Der Verkehr stand vollkommen still, alle hatten die Motoren abgeschaltet und ließen die Rettungsfahrzeuge durch fahren. So würde das nichts mit dem Bewebungsgespräch und sie überlegte bereits, ob sie nicht anrufen sollte, um ihre Verspätung anzumelden. Um halb 11 klingelte ihr Handy und weil es eh nicht aussah, als ginge es in den nächsten 2 Minuten voran, nahm sie das Gespräch an, das von einer ihr unbekannten Rufnummer aus kam.
"Frau Hoffmann, Reitling hier vom Historikum!", meldete sich eine ihr schon bekannte weibliche Stimme.
"Guten Morgen Frau Reitling, was kann ich so kurz vor unserem Gespräch noch für Sie tun?", fragte Raffi.
"Es tut mir fürchterlich Leid, aber wir müssen unser Gespräch ein Stück nach hinten verschieben. Ich stehe vor Rabenitz im Stau und wie es aussieht, gab es weiter vorne einen Unfall, es bewegt sich nichts!" Frau Reitling klang tatsächlich sehr verzweifelt, sie zu versetzen.
"Das macht doch nichts. Ich stehe selbst in dem Stau drin und hatte auch grade überlegt, ob ich anrufen muss", beeilte ich Raffi, sie zu beruhigen.
"Das ist ja phantastisch", freute sich ihre Gesprächspartnerin und zog scharf Luft ein, "Also nicht die Tatsache, dass da vorne offensichtlich Leuten etwas zugestoßen ist, da dürfen Sie mich nicht falsch verstehen!"
Raffi beruhigte sie und sie unterhielten sich über die Lage. Sie fanden heraus, dass Raffi wohl etwas weiter vorn stand und daher mehr zu berichten wusste. Den Hubschrauber übersah aber wohl der gesamte Stau nicht. Als eine halbe Stunde später der Verkehr langsam wieder anrollte, verabschiedeten sich und stiegen um viertel nach 11 fast gleichzeitig aus ihren Autos. Schon auf dem Parkplatz machten sie einander bekannt. Frau Reitling war nur ein paar Jahre älter als Raffi - schätzte sie zumindest - und eine sehr herzliche Person. Sie verstanden sich auch auf Anhieb.
Das Bewerbungsgespräch im Anschluss war wohl das kürzeste, das sie je geführt hatte, den nach dem langen Telefonat über Gott und die Welt hatte Raffi wohl im Vorfeld einen guten Eindruck gemacht. Im Bewerbungsgespärch selber redeten sie über den Job und wie Raffi ihn sich vorstellte und ob sie Dinge hatte, über die sie immer schon hatte schreiben wollen. Sie kamen darauf, dass Raffi sich nicht nur für die Sichtung und Einordnung bereitgestellter Materialien sondern auch für umfassende Recherchearbeit interessierte. Im letzten Job war das ein bisschen hinten über gefallen, was sie aber nicht erwähnte. Um 12 Uhr schüttelten sie sich die Hände und machten noch eine Tour durch das kleine Büro, das zukünftig Raffis Arbeitsplatz sein sollte.

Noch immer verblüfft, wie schnell das abgelaufen war, machte Raffi sich auf den Weg zu ihrer Schwester. Sie hatten sich für ein Mittagessen verabredet und Raffi wollte sich dort umziehen, ehe die Stallbesichtigungen losgingen. Ihr Schwester empfing sie herzlich und hatte eine herrliche Antipastiplatte vorbereitet. Raffi erzählte ihr noch mal in aller Ruhe einige der Geschichten aus den letzten 2 Wochen und sie entschieden, abends im Hafen Essen zu gehen und auf den Job anzustoßen, der sie bald wieder näher zusammen bringen würde. Gegen 3 Uhr machte sie sich auf den Weg zum Reitstall Moorwiesen.

Am Stall selber wurde Raffi freudig begrüßt, sobald die die ersten drei Schritte aus dem Auto gemacht hatte. Ein Hofhund rannte auf sie zu und leckte überglücklich ihre Hände ab. Zurückgepfiffen wurde das Begrüßungskomitee schließlich von der Hofbesitzerin Marit Moorwiesen, mit der sie schon telefoniert hatte. Raffi erzählte was zu Esme und was sie hierher verschlug. Sie erzählte von der Familie und der Nähe zur Küste. Sie verschwieg die Schwierigkeiten am alten Stall und die Tatsache, dass das einzige, was sie an heidewalds Küstenregion störte der recht häufige Regen war - man konnte schließlich nicht alles bekommen.
Marit führte sie über den Hof und zeigte ihr die Anlagen, die Stallungen und die Weiden. Sie kamen im Reiterstübchen an, tranken einen Kaffee zusammen und Raffi fragte nach Trainern und Reitstunden. Marit erzählte, dass sie aktuell einen Großteil des Reitstundenprogramms alleine stellte und vor allem Dressurreiter unterrichtete. Sie hatte selbst Erfahrungen bis in höhere Klassen und stellte sich im Unterricht voll auf ihre Schüler ein. Feste Gruppen gab es nicht und Reitstunden wurden nach belieben und nach Könnensstand gebucht, Einsteller konnten auch Schulpferde ausleihen, um Neuland zu erkunden oder einfach mal auf einem Fremdpferd ihren Könnensstand zu prüfen. Darüber hinaus waren in Rücksprache auch Einzelstunden nötig. Aktuell war das System nicht so ausgelastet, wie es hätte sein können.
Jedes Pferd hatte einen festen Stallplatz und eine feste Weidegruppe, die aber nicht notgedrungen vom Stallplatz abhing. Derzeit gab es sowohl in den Boxenställen als auch in den Paddockboxen freie Plätze - ihre Ansage, schon Sonntag einzuziehen war nicht gelogen gewesen.
Versorgung war durch einen hofeigenen Tierarzt und Hufschmied gedeckt, es gab aber auch im Umland genug Vertretung, falls es nötig werden sollte. Einsteller bekamen außdem attraktive Rabatte beim ortsansässigen Krämer, der alle gängigen Reitsportartikel führte oder online auf Bedarf bestellte und zusendete.
Sie schauten noch einmal die explizit in Frage kommenden Boxen an, ehe Raffi versprach, sich zu melden, sobald sie eine Entscheidung getroffen hatte.

Als sie am Reitverein Meyer ankam, wurde sie auch hier stürmisch begrüßt. Der tiefschwarze Neufundländer war anständig erzogen und bellte einfach erst einmal nur. Raffi, die dem Hund zutraute, das Zuhause gegebenenfalls fleißig zu verteidigen, wartete ab, bis der Hund zurück gepfiffen wurde. Loreena Meyer empfing sie und sie plauderten erst einmal über das Wetter und die Luft, dann erzählte Raffi etwas zu Esme und verkleidete den Stallwechsel geschickt Folge des Jobwechsels, schließlich lag der Reitstall Elwen von ihrer Wohnung aus in anderer Richtung als Rabenitz.
"Ja, man will ja dann auch noch mal Zeit woanders als im Auto verbringen", lachte Loreena (sie waren wie unter Reitern eben üblich schnell zum Du gewechselt). Sie erzählte, dass sie die Anlage neu übernommen hatten, nachdem der Ponyclub Rabenitz ausgezogen war und was die Modernisierung der Stallanlagen an Zeit und Nerven gefressen hatte. Das Ergebnis konnte sich jedoch sehen lassen: Qualität der Anlagen und auch der Stallungen ließen keine Fragen offen.
Raffi erkundigte sich nach Trainingsmöglichkeiten und Loreena überschlug sich bei den Berichten über verschiedene Trainer aus der Umgebung, von denen einige den Stall häufiger anfuhren und unterrichteten.
"Die Pläne sind zwar schon recht voll, aber ich bin sicher, dass hier und da noch ein Platz frei ist", garantierte sie.
Sie drehten eine Runde über den Hof und Loreena schwärmte von der Herbstjagd am Stall, die jährlich stattfand und deren Planungen aktuell auf Hochtouren liefen. Es handelte sich dabei um eine reguläre Fuchsjagd, zu der auch die Reitställe in der Umgebung geladen waren. Drum herum gab es dann noch ein Hoffest, bei dem es immer vier Trubel gab. Zwischen den Zeilen hörte Raffi heraus, dass sich an dem Tag kaum einer in Sachen Alkoholkonsum zurückhielt. Alles in allem klang es jedoch nach einer sehr kommunikativen Einstellergemeinschaft.

An beiden Ställen hatte Raffi ein gutes Gefühl gehabt. Beide Ställe boten gute Bedingungen für die Pferdehaltung an. Bei Meyer erwartete sie aus den Erzählungen eine hochgradig aktive Stallgemeinschaft, aber Probleme, ihr eigenes Training unterzubringen, wenn auch alle anderen schon Stunden nahmen. Das kannte sie jetzt seit einem halben Jahr zur Genüge. Auf Moorwiesen schien es aktuell etwas ruhiger zuzugehen, dafür würde sie keine Probleme haben, auch Training zu bekommen. Zusammen mit ihrer Schwester erörterte sie abends das Für und Wider beider Ställe. Obwohl Marie keine Reiterseele war und nur in Jugendjahren mal Reitstunden genommen hatte, konnte sie die richtigen Fragen stellen. Für Raffi kristallisierte sich in dem Gespräch langsam heraus, wie ihre Vorstellungen eigentlich aussahen und welcher Stall auch mit Blick auf ihre persönlichen Ziele eher in Frage kam.
Um 20 Uhr nahm sie schließlich das Handy in die Hand und suchte aus der Anrufliste die richtige Nummer heraus.
"Moorwiesen?", meldete sich Marit am anderen Ende der Leitung.
"Hallo Marit, Raphaela Hoffmann hier. Ich war heute bei euch, um mir den Stall anzuschauen", grüßte Raffi zurück.
"Ah, ich hab mich schon gefragt, ob du dich wohl melden würdest", lachte Marit.
"Ja, ich hab ein bisschen überlegen müssen, aber ich glaube, Esme und ich sind bei euch gut aufgehoben. Was hast du noch mal gesagt, als ich vorgestern das erste Mal angerufen habe? Ich könnte Sonntag einziehen?", witzelte Raffi.
"Ja, wie ich erzählt habe, aktuell haben wir ein bisschen Leerstand", bestätigte Marit, was Raffi eigentlich als Witz gemeint hatte, "Brauchst du einen Fahrer oder hast du selbst Hänger und Führerschein?"

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