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2 - Am Weihnachtstag

in Past 22.03.2017 12:08
von biaggi • 26 Beiträge | 32 Punkte

AM WEIHNACHTSTAG


Gähnend schaute ich aus dem Bett nach draußen und stellte fest, dass die Sonne ihr bestes gab. Unfassbar, jetzt war der Heilige Abend schon wieder vorbei. Das Jahr ging immer so schnell um und man hatte nur noch wenig Zeit für die kleinen Dinge im Leben. Schon gestern hatte ich beschlossen, heute nach dem Frühstück zu Walley zu gehen. Gestern war leider nur ein kleiner Besuch drin, da die ganze Familie sich angekündigt hatte und wir noch vieles zu tun hatten.

Ich schlüpfte aus dem Bett, zog mir nur meinen kuschligen Jogginganzug an und schlurfte in den Flur. Mir entgegen strömte der Duft von frisch gekochtem Kaffee und aufgebackenen Brötchen. In der Küche angelangt, fand ich einen reich gedeckten Frühstückstisch und einem grinsenden Freund vor. Elias war einfach ein Schatz!
Gemeinsam genossen wir das Frühstück, bevor ich mich in Bad verabschiedete. Dort machte ich mich für den Stall fertig. Seit dem Stallwechsel hatte ich mich einmal komplett mit neuen Reitsachen eingedeckt, welche ich nun anzog. Recht schnell war ich damit fertig, verabschiedete mich noch von meinem Freund und stieg dann in mein kleines Möppelauto, um zum Stall zu fahren. Das Wetter war echt herrlich.

Auf dem Hof angekommen, traf ich gleich auf eine Einstellerin. Wir hatten uns in den letzten Tagen etwas mehr gesehen und immerhin die richtigen Namen konnte ich jedem schon zuordnen. „Hey Ari! Na, alles klar?“, begrüßte ich Ariadna. Sie hatte ich sowieso schon mehrfach gesehen, da ihr Pferd die Box neben meinem hatte. „Na klar. Ich war nur kurz Ico besuchen. Aber ist echt ruhig im Stall. Ich glaube, es war keiner weiter da.“ „Oh, na es ist ja auch noch relativ früh. Da wird sicher der ein oder Andere noch erscheinen.“ „Denke ich auch. Du, ich muss weiter. Wir sind heute bei meiner Familie zum Mittag essen eingeladen. Da darf ich nicht zu spät sein. Du kennst das ja.“ Ich verdrehte in Gedanken leicht die Augen. Natürlich kannte ich das. „Alles klar. Dann wünsch ich dir mal viel Spaß. Bis die Tage.“ „Genau, Tschüss!“ Und dann verschwand Ari auch schon wieder. Auch ich setzte meinen Weg zum Paddockstall fort.

Dort angekommen, sah ich erst mal nur das Hinterteil von Walley. Das fand sein Nachbar Icosaedro anscheinend sehr witzig, denn er streckte den Kopf aus seiner Box und es sah fast so aus, als ob er lachen würde. Ich strich dem Schimmel über die Nüstern. Danach widmete ich mich wieder meinem Pferd zu, der mittlerweile mitbekommen hatte, das Besuch für ihn da war.
In den letzten Tagen hatte er sich sehr gut eingelebt im neuen Stall und hatte keinesfalls irgendwelche Anzeichen, dass es ihm nicht gefallen würde. Im Gegenteil. Mit den anderen Pferden verstand er sich sehr gut und auch sonst war er ja kein Problemtier.
Mit gespitzten Ohren stupste er mich an, sein Zeichen als Begrüßung. Ich strich ihm sanft über den Kopf und gab ihm einen kleinen Kuss auf die weichen Nüstern. Danach schlüpfte ich in die Box und schenkte ihm weitere Streicheleinheiten. Dabei schaute ich nochmal, ob wirklich alles gut mit ihm war. Ich hatte mir diese Kontrolle irgendwie angewöhnt, gerade an den Beinen musste man ja vorsichtig sein. Aber natürlich war alles in Ordnung und auch im Allgemeinen machte Walley einen aufgeweckten Eindruck.
Ich hatte vor, heute mit ihm eine kleine Runde auszureiten. Das Gelände hatte ich vorher gut auf einer Karte studiert und auch Jana hatte ich schon einige Male gefragt. Ich wusste, dass es hier in der Nähe einen See und einen kleinen Wald gab. Ansonsten war der Hof umsäumt von vielen Feldern und Wegen, auf denen Pferde erlaubt sind. Perfekt! Einen Ausritt zum See wollte ich heute allerdings nicht wagen, da die Runde doch etwas länger war, aber bis zum ein oder anderen Feld würde ich schon kommen.

Also zog ich Walley sein Halfter über, klickte den Strick ein und führte ihn aus der Box mit Ziel zum Putzplatz. Dort band ich ihn an, musste aber noch sämtliches Zeug holen. Das war bei dem Schwarzen aber nie ein Problem. Geduldig wartet er dann meistens, schaut sich war ein wenig um, wird aber nicht nervös. Wie schon gedacht, als ich wieder zum Platz kam, vollbepackt wie ein Lastesel, war Walley am Dösen in entspannter Haltung. Das machte auch das Putzen für mich leichter und schon nach kurzer Zeit ließ er die Unterlippe so lustig hängen, wie er es fast immer tat. Er war nicht sonderlich dreckig und so ging die ganze Prozedur recht schnell von statten. Im Nu hatte ich dann auch aufgesattelt und aufgetrenst und mein restliches Zeug wieder verstaut.

Ich führte Walley zur Mitte des Hofes und stieg dort auf. Ich passierte das Hoftor und nahm einen kleinen Weg, der von dort aus in das Ausreitgelände ging. Mein Wallach war gut bei der Sache und schien sich zu freuen, mal raus zu dürfen. Zum Glück war es heute nicht ganz so kalt. Unser Weg führte weg vom Hof, entlang einer kleinen Allee mit vielen Bäumen, die nun kahl da standen und eigentlich auf den Schnee warteten. Das Pferd unter mir lief ganz locker, nicht zu eilig und aufmerksam. Ich freute mich, dass er sich so wohl fühlte und genoss nun auch die Umgebung. Ich h hatte mich im Vorhinein so verrückt gemacht, ob alles klappen würde. Nun waren die Sorgen vergangen und wir beide wohl glücklicher als jeh zuvor. Mit ganz netten Leuten um uns herum dem besten Hobby der Welt nachzugehen – was wollte man mehr.
Nachdem wir einige Zeit im Schritt gegangen waren und ich sah, dass der kleine Trampelpfad, auf dem wir mittlerweile unterwegs waren, frei war, beschloss ich, ein Stück zu traben. Walley fand die Idee scheinbar auch toll und sprang auf die Minihilfe sofort an. Er wollte sogar noch ein Stück schneller und verfiel in Galopp, doch ich konnte ihn schnell wieder abbremsen und so blieben wir ein Stück im ruhigen Trab, während ich später wieder in Schritt zurückparierte. Man musste es nicht gleich übertreiben, es sollte ja wirklich bloß was ruhiges zum ersten Weihnachtstag werden.
Der Weg machte nun einen großen Bogen und ich war mir sicher, dass wir wieder auf dem Weg Richtung Hof waren. Hinter einer Kurve sah ich nun etwas vor uns eine Familie mit 2 Kindern spazieren. Walley machte natürlich pferdetypische Geräusche, was die Spaziergänger vor uns wohl hörten und sich umdrehten. Entgegen sahen uns 4 große, strahlende Mädchenaugen und ich hörte nur ein entzücktes „Mami, Mami, schau mal dort. Ein Pferd!“ Ich musste grinsen, kannte ich dieses Gefühl als kleines Mädchen nur zu gut.
Die Familie wartete bis ich zu ihnen aufgeschlossen hatte und ich hielt auf deren Höhe an. „Hallo“, sagte die Frau freundlich zu mir, die Kinder etwas schüchtern in ihrer Nähe, „sagen Sie, wäre es möglich, dass meine beiden Töchter ihr Pferd streicheln dürfen? Sie sind total vernarrt in Pferde.“ Ich schaute von den beiden Mädels, die vielleicht um die 7 oder 8 Jahre alt waren, zu Walley, der bereits interessiert seinen Kopf etwas gesenkt hatte. Mein großer wurde bei Kindern echt ein anderes Pferd. Während er ja sonst etwas eitel und erfolgsverwöhnt war, wurde er bei den kleinen Wesen zu einem echten Schmusetiger. „Ja na klar, warum nicht.“ Die beiden Kinder lächelten noch mehr und gingen dann zu Walley, um ihn am Hals und Kopf zu streicheln, was er sichtlich genoss. „Wissen Sie, wir suchen schon lang nach einem Reitplatz für unsere zwei“, fing der Vater an, „Aber hier in der Nähe findet man so schlecht etwas.“ Da kam mir eine tolle Idee in den Kopf. „Sie können gern mit zum Reiterhof kommen. Der ist nur etwa 5 Minuten noch den Weg hier entlang. Ich weiß nicht genau, ob wir etwas für Kinder auf unserem Hof anbieten, ich bin dort selber noch recht neu, aber die Besitzerin kann sie da mit Sicherheit weitervermitteln.“ „Oh, das wäre sehr sehr toll“, stimmte nun auch die Mutter mit ein. Das würde Jana mit Sicherheit freuen.
Wir setzten nun also den Weg zu Eichenau fort und hielten auf dem Weg ein wenig Smalltalk. Neben mir führte ich Walley und überlies die beiden Mädels, als die Hofeinfahrt wieder in Sicht war, sogar mal kurz das Führen. Die waren vielleicht happy! Ich liebe das ja immer sehr, wenn ich irgendwie Leute in meiner Umgebung glücklich machen kann. „Gehen Sie einfach mal dort in das Haupthaus. Die erste Tür rechts ist das Büro. Da müsste die Hofbesitzerin sein.“ Ich hatte Jana unterwegs schon eine SMS geschrieben und wusste nun, dass sie auf die Leute warten würde. Na einigen Bedankungs- und Verabschiedungsfloskeln fand die Familie den Weg ins Büro und ich ging noch einmal zum Putzplatz.

Walley war während des ganzen Trubels sehr ruhig gewesen. Daher wurde er erst mal ausgiebig von mir gelobt. Ich nahm Sattel und Trense ab und putzte noch etwas über. Trotz dass mein Pferd nicht sehr geschwitzt hatte, warf ich eine Decke über seinen Rücken und führte ihn in seine Box. Mit Sicherheit würde er heute sowieso noch einmal auf die Weide dürfen. Ich ging noch einmal aus seiner Box, aber nur, um mit einer Karotte wiederzukommen, die er doch so sehr liebte. Genüsslich machte er sich über die mitgebrachte Leckerei her, während ich ihm noch ein paar Streicheleinheiten genehmigte. Ich hatte schon ein tolles Pferd! Ein Blick auf die Uhr ließ mich wissen, dass es während des ganzen Trubels schon Mittag geworden war. Ich verabschiedete mich nun endgültig für heute von Walley und ging dann zum Parkplatz, nicht um vorher nochmal Jana durch das Bürofenster zuzuwinken.

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