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3 - Zurück zu alter Form (Reitstunde)

in Past 22.03.2017 12:09
von biaggi • 26 Beiträge | 32 Punkte

ZURÜCK ZU ALTER FORM
(Reitstunde)


„Jetzt gleich? Na klar, doch das passt. Dann bis gleich!“ Ich legte mein Handy auf, sprang von der Couch hoch und rannte ins Schlafzimmer, um mich für den Stall fertig zu machen. Reithose an, passendes T-Shirt dazu und rein in die Stallschuhe. Am Telefon war eben Anna, ein Mitglied und Reitlehrerin auf Eichenau. Vor einigen Tagen hatte ich am schwarzen Brett einen kleinen Zettel angepinnt, dass ich gern Hilfe von eben einer Reitlehrerin bräuchte. Ich wollte mit Walley demnächst die ersten E-Turniere gehen und brauchte zur Sicherheit noch die Meinung einer anderen Person, ob dies denn überhaupt möglich ist. Nun hatte sich Anna also gemeldet und ich hatte in einer halben Stunde einen Termin mit ihr. Praktisch, dass der Hof nur 5 Minuten Autofahrt von unserer Wohnung entfernt lag. Im Kopf ging ich noch einmal durch, ob ich alles hatte. Stiefel waren im Auto, Reithelm war auch da und den Rest hatte ich schon an. Ich zog mir noch die warme Jacke, die ich mir neu gekauft hatte, an und schwang mich dann ins Auto, um nun endlich nach Eichenau zu fahren. Noch mehr Zeit durfte ich nicht verlieren.

Auf der Fahrt bekam ich die Krise. Freilich war der Weg für eine fünf minütige Autofahrt nicht lang, ich schätze vielleicht 2-3 km, aber um die Uhrzeit schienen wohl sehr viele Rentner oder was auch immer auf der Straße. „Den Führerschein auf dem Rummel geschossen“ – das trifft es damit wohl am besten. War ich sonst manchmal die Ruhe selber, so wurde ich im Straßenverkehr sehr schnell laut und wirklich schon hysterisch. Einige „Huper“ und „Rumbrüller“ später bog ich endlich auf den Parkplatz des Reitvereins ein. Ich stellte den Motor aus und blickte im gleichen Moment auf die Uhr. Nur noch 15 Minuten! Oh Gott! Das wurde eng. Ich hüpfte aus dem Auto, nahm schnell Helm und Stiefel aus dem Kofferraum und sprintete zum Haupthaus, nur um schnell die Bürotür aufzureisen, knapp „Hallo!“ hinein zu rufen und dann weiter in den Paddockstall zu hechten. Ob da nun jemand im Büro gesessen hat, hätte ich in diesem Moment nicht sagen können. Was soll‘s.

Im Stall angekommen musste ich ja nicht gerade weit gehen, um zu Walleys Box zu kommen, da sie ja schon die zweite nach dem Eingang ist. Die Box on Icosaedro war leer und ich begann innerlich schon zu fluchen, doch dann streckte mir mein Pferd seinen Kopf entgegen. Endlich ging etwas nach Plan! Ich streichelte zur Begrüßung über Walleys hübsche Nase, musste die Kuscheleinheit sonst aber auf später verschieben, um wirklich pünktlich zu sein. Schnell war der Wallach vor seiner Box angebunden, übergeputzt, gesattelt und getrenst. Ein hübsches, neues, hellgrünes Set aus Schabracke und Bandage zierte heute seinen Körper. Die Farbe passte echt gut zu ihm. Ein nochmaliger Blick auf die Uhr. Noch 3 Minuten! Schnell setzte ich mir die Kappe auf und stellte danach fest, dass ich ja noch auf die Reitstiefel wechseln musste. Verdammt. So flink wie möglich zog ich diese an, eckte mit meinem Reithelm noch 3 Mal am Holz der Box an und konnte dann endlich mich auf den Weg zur großen Reithalle machen. Mit flotten Schritten brauchte ich nicht viel Zeit, die ich immerhin ja auch nicht hatte, und war schnell mit meinem Anhängsel an dem großen Gebäude angekommen.

„Tür frei?“, fragte ich in den Raum. „Ist frei!“, kam als Antwort. Das war das Zeichen, dass ich nun die Halle betreten konnte. Ich ging also hinein und sah Anna an der Bande stehen. „S.. So… Sorry“, schnaufte ich etwas schwerfällig, „die konnten heute alle wieder nicht Auto fahren.“ Unbemerkt war ich doch durch die ganze Hetzerei außer Atem gekommen. „Hallo erst mal“, begrüßte ich die junge Frau und schaute dabei in ein grinsendes Gesicht. „Macht doch nichts. Bist ja fast pünktlich“, bemerkte sie. „Also, los geht’s, oder? Steig erst mal auf und wärm Wonder World ein wenig auf.“

Los ging es, die „Saisonvorbereitung“ sozusagen. Ich ging mit Walley im Schlepptau zum Mittelpunkt der Bahn und stieg dort ohne Probleme auf. Oben angekommen, nahm ich sofort die Zügel in die Hand, ließ sie natürlich aber lang und fing an, die erste Bahn im gemütlichen Schritt zu gehen. Ich fand, Walley war heute ganz gut bei der Sache, mal schauen wie sich die Tagesform weiter fortsetzte.
„Also unser heutiges Ziel ist, wie du schon gesagt hattest ‚Zurück zu alter Form‘. Du hast ja schon viel alleine mit ihm gearbeitet. Wir wollen heute nicht unbedingt ganze Parcoure reiten, sondern eher auf die Gymnastizierung mit kleinen Sprungreihen eingehen.“
Ich nickte, während ich mit Walley meine Schrittrunden zog. Recht schnell wollte er schon von sich aus etwas schneller werden und ich trabte an. Vor allem auch im Leichttrab ritt ich ihn nun durch die Bahn und versuchte, beide Hände gleichmäßig zu erwärmen. Dies klappte gut und der Warmblutwallach reagierte recht gut auf meine Hilfen. Später wiederholte ich dasselbe in der schnelleren Gangart, während Anna einige Cavalettis aufbaute. Hier merkte ich, dass Walley sehr schnell wurde, aber immer noch zu bremsen war. Als ich merkte, dass er gut locker war, hielt ich nochmal an und gurtete nach. Währenddessen beäugte das Pferd Anne interessiert, wie sie die Hindernisse aufbaute.
„Also, erst mal die Cavalettis ein paar Mal um ein wenig reinzukommen. Später kannst du gern auch mit das einzelne Kreuz mit dazu nehmen.“ Ich tat wie gehießen und ritt das erste Cavaletti an, was Walley natürlich ohne zu zögern übersprang und auch das zweiter überwand er ohne Hindernisse. Dies wiederholte ich noch 2 oder 3 Mal bis er mir mit einem ungeduldigen Schnauben zu verstehen gab, dass ihn das wohl langweilte. Ich ritt also auf das Kreuz zu und Walley machte einen riesen Satz darüber, sodass ich mich kaum halten konnte. Als ich mich wieder gefangen hatte, ritt ich dasselbe noch einmal an, er konnte sich ja mal verschätzen. Hier ging er stürmisch, eigentlich viel zu stürmisch auf das kleine Hindernis zu und katapultierte sich wieder mit einem enormen Sprung darüber. Klar, wir waren andere Höhen schon gewöhnt, aber er sollte ja auch lernen, sich ein wenig anzupassen. Auch ich machte wohl eher eine weniger gute Figur, sodass Anne noch einmal das Wort ergriff. „Mach mal kurz Pause.“ Ich ritt also mein Pferd im Schritt ganze Bahnen, während die Reitlehrerin die erste Sprungreihe aufbaute – eine Stange am Boden, danach ein Cavaletti und danach ein Kreuz.

„Also, ich hab‘s mir schon fast gedacht. Ich weiß ja, dass Wonder World anderes gewöhnt ist. Aber genau daran möchten wir ihn ja schonend ranführen. Das bringt nichts, wenn er hier so heftig an den Sprung rangeht. Deswegen die Reihe hier. Dazwischen sind kurze Distanzen und es regelt sich fast von alleine, dass er nicht in so einem übermäßig großen Bogen springen und sowieso ruhiger wird.“ Ja das stimmt, so was war ich von früher auch gewöhnt. Also ging ich es an. Ich versuchte, recht mittig auf die Hindernisse zuzureiten und dann ging alles wie fast von ganz alleine. Hops, Hops, Hops. Und schon waren wir sogar recht gut über die Folge gekommen. „Sehr gut, das sieht schon besser aus. Versuch, ihn noch etwas weiter runterzufahren. Wirklich ganz ruhig!“, hallte es von Anna durch die Halle. Ich tat wie gesagt und tatsächlich, jetzt klappte es wirklich ansehnlich. „Suuuper!“ Das Lob tat gut und auch Walley schnaubte. Anna stellte nun nach dem Kreuz noch einen Oxer hinzu. „Also weiter. Es ändert sich nichts. Bleib ruhig und bei der Sache.“ Ich holte im großen Bogen aus, merkte aber schon, dass irgendetwas nicht passte. Tatsächlich, der Schwarze unter mir holperte mehr durch die Reihe, als das er sprang. „Macht nichts, gleich nochmal“, meinte Anna aufmunternd zu mir. Also nochmal abwenden und nochmal von vorn. Ich konzentrierte mich nun wirklich sehr. Die ersten 2 kleinen Hindernisse klappten, dann wurde er etwas zu schnell. Ich bemerkte dies, gab eine halbe Parade und überwand dann den letzten Sprung, also den Oxer. Nun klappte es gut!
Auch Anna war zufrieden und jetzt ging es ans austesten. Wir variierten im Laufe der Stunde noch viele Male die Höhen der einzelnen Hindernisse. Das ein oder andere Mal musste ich Walley natürlich noch bremsen, aber im Großen und Ganzen war die Übung sehr zufriedenstellend. Dadurch, dass er mehr wollte, konnte ich mir auch sicher sein, ihn nicht zu überfordern. Wir waren also auf dem richtigen Weg.
„Alles klar, lassen wir es für heute?“ „Ich denke ja“, bejahte ich. Walley war doch schon etwas nass geschwitzt und auch ich war leicht außer Atem, wie vor der Stunde auch schon. Ich parierte in den Schritt durch und ließ meinen Wallach im Schritt trocknen. „Also Anna, was meinst du? Turniere ja oder nein?“ Mir war mulmig bei dieser Frage, weil ich so recht nicht wusste. „Ich würde spontan ja sagen. Viel schief gehen kann dabei ja nicht. Du musst immer aufpassen, dass du ihn an die Hindernisse ruhig ranführst, mittig abspringst und er nicht so heftig am Sprung wird. Dann passt das schon.“ Ja, genau das, was mir am Anfang der Stunde Probleme bereitet hatte, zum Schluss aber immer besser wurde. „Danke dir Anna. Ich versorg den Kleinen hier nur noch, dann helfe ich dir beim zusammenräumen.“ Mit diesen Worten stieg ich von Walley ab und lockerte den Sattelgurt. Dann führte ich ihn aus der Halle zügig zum Stall.

Dort angekommen band ich ihn noch einmal vor der Box an. Er wirkte zufrieden und glücklich, mit der Arbeit die er geleistet hatte. Konnte er auch. Ich nahm Sattel, Trense und Bandagen ab und verstaute diese im Spind. Dann putzte ich noch einmal über, kratzte die Hufe aus und führte ihn zum Solarium. Dies hatte er sich verdient. Währenddessen die Zeit am Solarium runterlief half ich Anna beim Abbauen der Reitstunde. Das war schnell gemacht und ich verabschiedete mich von der netten jungen Frau.
Wieder im Stall zurück brachte ich Walley in seine Box zurück. Nun bekam er auch die versprochenen Kuscheleinheiten von vor der Stunde. Immerhin hatte ich ja noch etwas Zeit, bevor ich mich wieder an das Abenteuer Straßenverkehr wagte.

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