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#13 | [Zoey] Now here I am

in Past 25.05.2017 11:16
von Darcy • 114 Beiträge | 160 Punkte

Mit langen gleichmäßigen Schritten lief Zoey durch den Wald etwas abseits von Rabnitz. Ein Blick auf ihre Uhr verriet ihr, das sie schon seit einer halben Stunde unterwegs war. Sie bog an der nächsten Abzweigung rechts ab und lief zurück in Richtung Auto. Seit knapp 3 Monaten lebte sie nun in Rabnitz. Endlich führte sie ihr eigenes Leben und stand auf eigenen Beinen. Na ja fast zumindest.
Zoey wurde in eine Welt hineingeboren, in der sie nie ganz Glücklich war. Den Kontostand ihrer Eltern wusste sie nicht, wollte sie ehrlich gesagt auch nicht, aber sobald man etwas haben wollte wurde es gekauft, egal was es kostet. Dazu hatten ihre Eltern einen guten Ruf als Anwälte und es war von Anfang an klar gewesen das auch Zoey Jura studieren würde. Wobei Zoey dies auch wollte und so hatte sie sich in den letzten Semestern an der Uni in Kronhausen durchgeboxt und ihr Staatsexamen gemacht.
Mittlerweile hatte sie ihr Studium aber abgeschlossen und war nun Anwältin für Strafrecht. Wenn es nach ihren Eltern gegangen wäre, wäre sie Zuhause in der Kanzlei mit eingestiegen, aber sie wollte auf eigenen Beinen stehen. Vorerst. Daher hatte sie in Rabnitz ein kleines Büro in einem Gebäudekomplex gemietet und ihre Kanzlei lief, die sogar sehr gut lief, was sicherlich wiederum an ihrem Namen und ihren Eltern lag.

Das Verhältnis zur ihren Eltern war schlecht, aber sie konnte damit leben. Ihre Eltern hatten gewisse Ansichten die auch Zoey zu erfüllen hatte und so wohnte sie derzeit noch in einem Überteuerten Apartment mitten in der City. Nur bei ihrem Pferd hatte sie sich durchsetzten können. Lovers Secret. Die Rappstute stammte aus der Zucht von Eva Kenzko und war ein Abiturgeschenkt ihrer Eltern gewesen. Während ihres Studiums hatte die Stute auch noch bei Eva Kenzko gestanden und war dort in Teilberitt gewesen. In den letzten zwei Monaten hatte die Stute auf der Weide gestanden und war nicht im Training gewesen. Seit knapp vier Wochen war sie nun wieder unter dem Sattel und seit gut einer Woche stand sie nun hier in Rabnitz, genauer gesagt stand Secret nun im Reitverein Moorwiesen.
Mittlerweile endete Zoeys Laufstrecke. Ruhig lief sie die letzten Meter aus und ging dann bis zum Auto weiter um wieder etwas ruhiger zu werden. Am Auto angekommen machte sie noch ein paar Dehnungsübungen bevor sie sich auf den weg machte zu ihrem Pferd. Da sie so wieso ein mal durch Rabnitz musste, hielt sie kurz Zuhause an und tauschte ihre Sportsachen gegen ihre Reithose.

Wie genau sie auf Moorwiesen gekommen war, wusste sie eigentlich gar nicht so genau. Doch nun war sie hier und fühlte sich nach knapp einer Woche schon wohl auf dem kleinen aber feinen Hof. Wie so oft flitzte auch am heutigen Nachmittag wieder Anja Moorwiesen über den Hof und auch Magrit Moorwiesen war wieder in Aktion. Auch wenn sie kaum Zeit hatte für ihr Pferd hatte, so genoss sie ihre Stunden auf Moorwiesen jedes mal aufs neues. Sie war noch nie Teil einer solchen Gemeinschaft gewesen. Reiten gelernt hatte sie in einem Privatstall und danach war sie mit Secret in einem Sportstall gewesen. So was wie Vereinsleben kannte sie gar nicht. Der größte Teil der Mitglieder hier arbeiteten nicht Beruflich mit Pferden und waren genau so wie sie selbst nur Amateurreiter.
Daher war es auch noch ruhig als Zoey über den Hof zur Weide ging um ihre Stute zu holen. Es war später Nachmittag und die meisten waren noch am Arbeiten oder machten grade Feierabend.

Am Weidetor der großen Weide angekommen pfiff Zoey ein mal kurz und der Kopf der schwarzen Stute flog in die Luft und sie gab ein tiefes brummeln von sich. Danach setzte sie sich langsam in Bewegung und kam zum Weidetor.
„Na große“ murmelte Zoey und hackte den Strick in ihrem schwarzen Halfter ein bevor sie der Stute die Stirn krauelte. Die Stute senkte den Kopf und schloss die Augen.
„Komm wir tun was für die Figur“ murmelte sie genau so leise wie vorher und schnalzte ein mal mit der Zunge. Die Stute folgte ihrer Besitzerin artig von der Weide über den Hof bis hin zum Paddockstall.
Dort angekommen band sie die Stute am Putzplatz an und machte sich auf den Weg zu ihrem Schrank. Sie kramte ihre schwarze Putztasche hervor und nahm auch gleich Gamaschen, Abschwitzdecke und Schabracke mit zum Putzplatz. Bei Gelegenheit sollte sie noch ein mal einen Abstecher in den Reitsportladen machen. Ihre Ausrüstung war mehr als Spärlich, aber bisher hatte es immer gereicht. Doch jetzt wo sie mehr im Sattel saß, stellte sie doch fest, das ihre Ausrüstung nicht ganz ausreichte. Na ja ihr Bankkonto würde sich freuen.
Rasch nahm sie die braune Weidedecke ab und fing an ihr Pferd schnell aber gründlich zu putzen. Zuerst mit dem Striegel danach mit der Kardätsche. Durch die dünne Decke war das bereist dicke Fell ihres Pferdes einigermaßen sauber und glatt. Nach dem Putzen warf sie ihrer Stute die Abschwitzdecke über und widmete sich den Beinen und den Kopf. Ganz zum Schluss bürstet sie noch ein mal durch Mähne und Schweif.
Relativ schnell waren auch Gamaschen und die Schabracke auf dem Pferd. Als nächstes holte sie den Sattel aus ihrem Schrank und legte ihn aufs Pferd. Beim Gurt anziehen legte die Stute die Ohren an und zog die Oberlippe hoch, so das man ihre Zähne sehen konnte.
„Na“ sagte Zoey scharf und zog dann vorsichtig den Gurt an. Die Ohren der Stute klappten wieder nach vorne und sie lies die Unterlippe hängen.
„Du bis eine kleine Zicke“ grinste Zoey und klopfte sie kurz am Hals bevor sie ein letztes Mal zu ihrem Schrank ging. Sie tauschte ihren braunen Bootsschuhe gegen die gleichfarbigen Reitstiefel und setzte ihre Kappe auf. Die Handschuhe stopfte sie in ihre Jackentasche und nahm die Trense von Secret mit.

Als sie wieder vor ihre Stute stand, lies diese ihre Ohren hängen und schloss ihre Augen halb. Ein lachen konnte Zoey sich nicht verkneifen. „Hör auf zu schmollen Secret. Du liefst so gut in den letzten Tagen, heute joggen wir nur locker“
Die Augen der Stute öffneten sich zwar, aber sie bleib trotzdem in ihre Schmollhaltung. Während sie Secret die Trense anlegte und den Stall verließ musste sie über ihre Stute nachdenken. Sie hatte nie viel Zeit gehabt sich um ihre Stute zu kümmern, aber die hatte ein ganz großes Los mit ihr gezogen. Eva hatte ihr immer vorgeschwärmt was für ein tollen Charakter die Stute doch hatte. Sie war aufmerksam, menschenbezogen und ehrlich. Dazu meist ruhig, ehrlich und ausgeglichen. Zoey selber hatte noch nie ein so ehrliches und vor allem braves Pferd unter dem Sattel gehabt. Allerdings musste man sich mit der Stute auch beschäftigen. Einfach nur im Kreis reiten war nicht gut bei ihr. Je weniger man sie arbeitet desto schneller wurde ihr langweilig und sie fing an sich aufs Gebiss zu legen.

Sie wartet kurz am Platz bis das Tor frei war und rief dann „Tür frei“. Auf dem Platz galoppierte grade ein groß rahmiger Palomino mit seiner Reiterin. Melissa oder doch Melanie? Neuhof war auf jedenfalls der Nachname, das wusste sie noch. Melanie Neuhof glaubte sie. Jedenfalls wendete die Frau ihren Wallach? auf den Zirkel ab und antwortet dann „ist frei“.
Auf der Mittellinie angekommen zog sie rasch ihre Steigbügel runter, zog den Gurt noch mal fest und schwang sich den den Sattel ihre schwarzen Stute. In den nächsten 10 Minuten schritt die Stute über den Platz. Danach nahm Zoey die Zügel auf und stellte eine Verbindung zum Pferdemaul her. In den darauf folgenden 10 Minuten ritt sie größere Wendungen und die ersten Seitengänge im Schritt. Immer nur ein paar Schritte Seitwärts, bevor sie die Stute wieder grade machte und in die andere Richtung weiter machte. Danach legte sie die Abschwitzdecke, spielte etwas mit ihren Händen und trabte an. Locker trabte die Stute los und nach ein paar Runden außen rum fing Zoey an viele Wendungen zu reiten. Mal etwas größer, mal etwas kleiner.
Wie erhofft dehnte die Stute sich bereits zufrieden ans Gebiss und trabte locker über den Platz. Zoey ließ die Zügel etwas länger und die Stute streckte sich schön nach unten. Kurz lobte sie die Stute und machte dann wieder einen Handwechsel.

Je länger sie Trabte um so mehr schwang der Rücken der Stute mit und Zoey gab die Galopphilfe. Sie galoppierte auf beiden Händen noch einige Runden vorwärts im leichten Sitz, bevor sie die Zügel ganz lang ließ und die Stute abtrabte. Danach parierte sie ihre Stute wieder durch zum Schritt und hüllte sie in ihre Abschwitzdecke.

10 Minuten später nahm Zoey die Trense von ihrer Stute ab und band diese wieder am Putzplatz an.
„Huch das ging aber schnell bei dir“ Melina stand wieder vor ihr und sah sie erstaunt an.
„Ja aber sie lief die letzten Tage so gut und so wollte ihr heute nur etwas locker bewegen“ grinste sie und löste den Sattelgurt von Secret.
Während die beiden Frauen noch etwas quatschten versorgte Zoey ihre Stute und brachte sie danach in die Box. Opa Jürgen war bereits am füttern und so lohnte sich nicht die Stute wieder auf die Weide zu bringen.

Während Melanie den Stall verließ räumt Zoey ihre Sachen wieder in den Schrank und kramte am Ende, bevor sie es wieder vergas, ihre Handy aus dem Schrank. 5 anrufe in Abwesenheit und eine neue Nachricht. Was jetzt wohl wieder passiert war? Als sie jedoch den Absender sah musste sie schmunzeln. Die Nachricht hatte genau ein Wort und ein paar Satzzeichen: Hilfe!!!!
Sie wählte den Nummer vom Absender und klemmte sich das Handy zwischen Ohr und Schulter als den Schrank schloss und den Stall verließ. Kaum war sie vor den Paddockstall getreten wurde ihr Anruf entgegen genommen.
„Warum gehst du nicht ans Telefon?“ wurde sie auch gleich begrüßt.
„Ach Vincent wenn du nicht mein bester Freund währst, hätte ich dich jetzt weggedrückt“ sagte sie kühl.
„Du bist schon wieder beim Pferd gewesen?“
„Also wie kann ich dir helfen? Ich gehe mal davon aus das du mich nicht anrufst um diese Uhrzeit, weil du Langeweile hast“
„Du kennst mich einfach zu gut“
„Ja ich weiß. Krieg ich noch ne Stunde, das ich nach Hause kann, duschen und mich umziehen?“
„Du bist noch immer beim Pferd oder?“
„Ja“
„Okay, bis in einer Stunde“ damit legte er auf.
Wenn sie Vincent nicht schon so lange kennen würde, wäre sie jetzt sauer gewesen, aber sie wusste nun mal wie er drauf war. Zoey hatte Vincent auf der Uni kennen gelernt und die beiden hatten sich von Anfang an gut verstanden. Nachdem es aber im Bett bei beiden nicht geklappt hatte waren sie Freunde geblieben. Während Zoey nach ihrem Jurastudium nach Rabnitz gegangen war hatte sich Vincent nach seinem BWL Studium wieder ins elterliche Unternehmen in Kronhausen gewagt.

Der Luxus ihres überteuerten Apartments war schlicht und einfach ein kleines Restaurants und eines Coffeeshops im Erdgeschoss. In letzterem machte sie kurz halt und bestellte sich einen Kaffee. Während sie auf diesen wartete schaute sie sich geistesabwesend um und blieb an einem jungen Mann hängen der ihr bekannt vor kam. Auch dieser erblickte sie, grinste sie kurz an und kam dann auf sie zu. „Hey“ begrüßt er sie.
„Hey, kennen wir uns?“ fragte sie vorsichtig und musterte ihn. Seine braunen kurzen Haare und seine markanten Gesichtszüge kamen ihr so bekannt vor. Dieser vor ihr schmunzelte nur.
„Du erkennst mich echt nicht oder?“
Zoey schüttelte den Kopf.
„Macht nichts, wir werden uns sicherlich öfters sehen hier in Rabnitz. Zoey Williams“
Damit nahm er seinen Kaffee und ging. Perplex sah sie dem Mann hinterher, nahm ihren Kaffee und machte sich auf den Weg in ihre Wohnung. Auf dem weg nach oben dachte sie über den Mann nach, trank ihren Kaffee und kam zu dem Entschluss, das sie sich nicht wusste wer er war.

Als sie pünktlich auf die Minuten Vincent via Skp anwählte war sie in Gedanken noch immer bei dem Mann doch als Vincent Gesicht vor ihr erschien, war sie wieder bei der Sache. Zoeys Studiumsschwerpunkt war Strafrecht gewesen. Trotzdem hatte sie auch den ein oder anderen Kurs belegt in anderen Schwerpunkten. Bei bedarf war sie also auch bei Firmenübernahmen oder Firmengründungen tätig. Na ja und wenn Vincent mal wieder Hilfe brauchte, so wie jetzt. Es würde ein langer Abend werden.
„Also wo brennt es?“ fragte sie.


zuletzt bearbeitet 25.05.2017 14:59 | nach oben springen


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