#1

#1 | [Erin] Here I am

in Past 25.05.2017 14:47
von Darcy • 114 Beiträge | 160 Punkte

Dezember 2015

Es war bereist dunkel, als ich mit dem Auto am Haupthaus vorbei fuhr und auf dem Parkplatz vor der kleinen Halle hielt. Der Winter nun auch hier angekommen. Eine dünne Schneeschicht lag auf dem Hof. Das Wetter ging gegen null Grad. Als ich vor ein paar Tagen schon mal hier war, war noch alles grün gewesen.
Nachdem ich ausgestiegen war, war ich mir sicher, der Winter war da. Kurz ließ ich meinen Blick über den Hof schweifen. In beiden Reithallen brannte kein Licht. Auch die Führanlage war dunkel. Da im Paddockstall noch Licht brannte, machte ich mich dorthin auf den weg.
Hier würde ich auch fündig. In dem Moment wo ich den Stall betrat, trat Jana aus der Box einer Schimmelstute.
„Hallo Jana“ begrüßte ich die Junge Frau.
„Hey Erin, ich hab mir schon sorgen gemacht“
„Ja tut mir leid, aber es hat doch länger gedauert, als geplant“
„Jetzt bist du ja hier, brauchst du Hilfe beim abladen“
„Nein Danke, der Dicke geht ohne Hilfe vom Hänger. Welche Box soll ich den nehmen?“
„Zeige ich dir“
Nachdem Jana mir die Box gezeigt hatte, in dem mein Pferd einziehen durfte, ging ich zurück zu meinem Auto und stieg in den Hänger. Dort wurde ich von einem tiefen Brummen begrüßt. Ich musste lächeln.
„Hallo mein großer“
Vorsichtig strich ich ihn über den Kopf und fing an ihn zu kraueln.

Mein Leben war noch nie einfach gewesen. Mit 14 starben meine Eltern bei einem Verkehrsunfall. Danach ging es für mich in mehrere Pflegefamilien. Dabei war ich abgestürzt. Drogen und Alkohol gehörten seit dem zur Routine, bis zu dem Moment wo ich Hank Bright begegnete. Er hatte mich bei sich aufgenommen und seit dem lebte ich mit seiner Frau und dessen Sohn zusammen. Wie genau er das Sorgerecht für mich bekommen hatte, habe ich nie erfahren, ich wollte es aber auch nicht wissen.
Mein Leben bei Hank hatte alles verändert. Ich kam wieder auf die grade Bahn, lernte reiten und machte mit 16 meinen Realschulabschluss. Danach stand für mich fest, ich wollte mein Hobby zum Beruf machen. Leider gab es hier in der nähe keine Ausbildungsbetrieb und so musste ich meine neue Heimat wieder verlassen. Knapp 80km Entfernt fand ich eine Lehrplatz und begann meine Ausbildung. Die drei Jahre waren mehr als Hart, aber ich konnte eine Erfolgreiche Ausbildung beenden und wurde am Ende sogar noch ausgezeichnet. Während der Ausbildung lernte ich viel. Lektionen bis zur Königsklasse standen täglich auf dem Programm und ich hatte auch das ein oder andere Grand Prix Pferd unter dem Sattel. Aber Turnier, Turnier durfte ich nie reiten, obwohl ich es gerne wollte.
Nach Beendigung meine Ausbildung durfte ich in dem Stall bleiben und meine Hoffnung auf Turniere stieg. Vor allem als auf einmal ein schöner Friesenwallach im Stall stand. Keiner wollte ihn reiten. Aussagen wie: Das ist kein Dressurpferd, der schafft es eh nicht in den Sport, flogen jeden Tag durch den Stall. Da keiner ihn reiten wollte, wurde er damals mir zugeteilt, mit der Anweisung ihn so schnell wie möglich zu verkaufen.
Vom ersten Moment an hatte mich das Pferd überzeugt. In den letzten Jahren hatte ich viele Pferde geritten und kennen gelernt, aber noch nie ein Pferd, welches so entspannt und brav war. Es dauerte keine zwei Wochen, da gehörte der Wallach mir.

Aber vom Turnierreiten träumte ich trotzdem nur. Nach dem Kauf tat man alles um zu verhindern, dass ich aufs Turnier kam mit dem Pferd. Die nächsten 1,5 Jahre waren ein täglicher Kampf mit mir selber, bis ich den Entschluss fasste und kündigte. Ich wollte wieder nach Hause.


Tibbe stupste mich an und holte mich damit wieder in die Wirklichkeit.
„Du willst jetzt endlich in deine Box, oder?“ fragte ich ihn lächelnd.

Wieder stupste der Wallach mich an und ich konnte mir das Grinsen nicht mehr verkneifen. Ich löste den anbinde Strick seines blauen Halfters und legte ihm die über den Hals. Danach kletterte ich aus dem Hänger und öffnete die Klappe. Zu guter letzt stellte ich mich an die Seite der Rampe und löste die Stange, die verhinderte das Tibbe runter könnte.

„Na komm großer“ forderte ich ihn auf und Tibbe setzte sich langsam in Bewegung. Vorsichtig trat er die Rampe runter und schaute sich neugierig um als er auf dem Hof stand. Ich lobte den Wallach und nahm den Strick von seinem Hals. Gemeinsam machten wir uns auf dem Weg zum Paddockstall.

Dort angekommen band ich ihn auf der Stallgasse an und nahm ihm rasch die Transportgamaschen ab. Danach tauschte ich die dunkelblaue Transportdecke gegen seine Regendecke. Solange er noch nicht geschoren war, brauchte er noch keine dicke Decke.

„Der ist aber chic“ erklang es hinter mir und ich drehe mich um.
„Danke Jane, er ist etwas groß für seine Rasse, aber er ist toll“
„Wenn er dann auch so toll läuft wie er aussieht, …“
„Ja er ist einfach toll“

Nachdem ich die Decke gewechselt hatte, brachte ich den Wallach in seine neue Box. Neugierig beschnupperte er alles und ging auch gleich raus aufs Paddock. Danach schaut er sich seinen neuen Boxennachbar an. Er schien sich mit Janas Wallach zu verstehen.
Es dauerte nicht lange bis ich mein ganzes Equipment in Tibbes Spind gebracht hatte. Viel besaß ich nicht, brauchte ich aber auch noch nie. Allerdings befürchtete ich, dass es in den nächsten Wochen mehr würden werde.

Ich kuschelte mich in meine Jacke, als ich den Stall verließ und bleib draußen im Schnee stehen. Der Hof lag im dunkeln. Nach ein paar Momenten konnte ich aber trotzdem Schemenhaft die Umrisse der Gebäude erkennen. Vor mir lag die kleine Reithalle und der Hengststall. Links von mir waren die Weiden und die Offenställe. Jetzt im dunkeln konnte man nicht viel erkennen, aber ich war bereits vor ein paar Tagen hier gewesen und hatte mir alles angesehen. Die Anlage war toll. Nicht zu groß aber trotzdem Platz für viele Pferde.

Für mich war schnell klar, als ich meinen Job gekündigt hatte, das ich mich Selbstständig machen wollte. Dressurpferde klassisch ausbilden, mit ruhe, Vernunft und Zeit. Drei Punkte die mir Persönlich sehr wichtig waren und beim meinem letzten Arbeitgeber leider viel zu kurz kahmen. Es war aber auch klar, dass ich wieder näher an mein Zuhause war. Mehr als Zufall war es sicherlich, als ich auf die Anzeige von Jana Mahlkamp stieß. In ihrem Reitverein Eichenau hatte sie noch einige Boxen frei und für mich war es die Möglichkeit, denn der Stall war nur wenige Minuten von dem Dorf entfernt in dem wieder Fuß gefasst hatte.
Bereits bei der ersten Begegnung fand ich Jana sehr sympathisch. Als ich dann auch noch ihr Okay bekam, mich in ihrem Stall selbstständig zu machen, war es fast zu schön um war zu sein.

Bevor ich mich auf den Weg, in die Wohnung von Hank und seiner Familie, machte, warf ich noch einen letzten Blick in Tibbes Box. Der Wallack knusperte an seiner Heulage und war gutzufrieden. Auch Janas Pferde Carthago und Donnerfee waren gut zufrieden. Ledig der 4 Jährige Rappschecke Dionysos beobachtete mich neugierig. Ich strich ihm vorsichtig über die Nase, stellte das Licht aus und verließ den Stall. Ab morgen begann mein neues Leben.


zuletzt bearbeitet 25.05.2017 15:00 | nach oben springen


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