#1

#2 | [Erin] Ähm ja

in Past 25.05.2017 14:48
von Darcy • 114 Beiträge | 160 Punkte

Dezember 2015

Gedankenverloren sah ich der braunen Oldenburger Stute hinterher. Sie ist eins von derzeit fünf Berittpferden die ich auf Eichenau stehen habe. Die Stute stellte mich vor unwahrscheinlichen Herausforderungen. Ich hatte noch nie ein so verrittenes Pferd unter dem Sattel gehabt. Dazu kam das die Stute einen relativ hohen Halsansatz hat und der Hals an sich auch relativ kurz war. Sie lief zwar am Zügel, kam dabei aber nicht über den Rücken.
So langsam kamen wir an einen Punkt wo sie anfing sich zu dehnen und über den Rücken zu kommen, aber es wird noch dauern bis sie ansatzweise wieder normal läuft.

Ich schloss das Weidetor hinter mir und ging einige Meter weiter zur nächsten Weide. Hier stand Tibbe zusammen mit einigen anderen Pferden. Darunter auch sein neuer bester Kumpel Carthago. Der Schimmelwallach von Jana verstand sich blenden mit Tibbe und die beiden waren nur am Spielen. Jetzt musste ich die beiden aber leider stören. Es war noch nicht spät, da ich aber heute Abend eine Einweihungsparty gab musste ich mich doch etwas spurten. Mit der Renovierung meiner Traumwohnung war Tibbe mal wieder etwas zu kurz kommen, aber ab morgen konnte der alte Modus wieder laufen.
Ich pfiff einmal und Tibbes Kopf folg in meine Richtung. „Komm dicker, wir wollen was tun“. Der Wallach brummelte einmal und setzte sich danach in Bewegung. Als er bei mir angekommen war hackte ich den Strick in sein blaues Weidehalfter ein und öffnete das Tor. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum Stall.

Im Stall angekommen band ich Tibbe an, nahm ihm seine Decke ab und holte das Putzzeug von ihm. Mit gleichmäßigen Bewegungen striegelte ich erst sein Fell und glättete es danach wieder mit der Kardätsche. Nach dem ich die Hufe kontrolliert hatte legte ich ihm die grauen Gamaschen an. Nun holte ich den Sattel und die Schabracke aus dem Spind. Schnell war er gesattelt und ich warf ihm die Abschwitzdecke über. Zu guter letzt setzte ich meine Kappe auf und nahm die Trense mit. Tibbe wartete bereits mit gespitzten Ohren auf der Stallgasse. Mit geübten Bewegungen legte ich ihm die Trense an und verschloss die Riemen.

Einige Minuten später führte ich Tibbe in die kleine Reithalle. Dort zog ich den Sattelgurt fest und schwang mich auf den Wallach. Die ersten 10 Minuten ließ ich den Hengst am langen Zügel durch die Halle laufen. Als diese vorbei waren legte ich die Abschwitzdecke auf die Bande und verkürzte die Zügel. Mit dem inneren Schenkel trieb ich Tibbe auf den Hufschlag und machte leichten Druck auf den Zügel. Tibbe senkte den Kopf und dehnte sich schön abwärts. Um ihn etwas locker zu bekommen stellte ich ihn immer wieder leicht nach außen und ritt im Schritt viele große gebogene Linien.
Als Tibbe anfing schön ans Gebiss zu treten trabte ich an. Wie auch im Schritt trabte ich nun erst mal einige Runden außen rum. Dabei stellte ich immer wieder leicht nach außen und fing danach an viele gebogenen Linien zu reiten. Wichtig war mir dabei, dass Tibbe immer schön gestellt war, denn wenn ein Pferd nicht richtig gestellt war, kann es sich später auch nicht biegen.
Bereits nach einigen runden fing Tibbe an über den Rücken zu schwingen und sich vorwärts/abwärts zu dehnen. Ein paar Runden später war er super Losgelassen. Irgendwie war ich da schon ganz schön stolz drauf. Für mich gehörte die Losgelassenheit zur Basis einer jeden Trainingseinheiten. Ich ritt noch einige Handwechsel bevor ich ihn das erste mal angaloppierte. Im leichten Sitzt galoppierte ich zwei Runden außen rum bevor ich durchparierte zum Trab, durch die ganze Bahn wechselte und erneut angaloppierte. Auch dieses Mal ging ich wieder ganze Bahn und galoppierte im leichten Sitzt. Nach zwei Runden parierte ich durch zum trabt und ließ ich noch ein paar mal im Trab die Tritte verlängern und parierte danach durch zum Schritt um ihm am langen Zügel verschnaufen zu lassen.

In den letzten Jahren hatte ich mir einiges angewöhnt. Grundsätzlich arbeitete ich immer nach dem gleichen Muster mit den Pferden. Auch wenn jedes Pferd anders war, ließ sich auf fast jedes Pferd die Basisarbeit übertragen. Für mich war wichtig, dass die Pferde locker und Losgelassen waren, bevor ich mit ihnen anfangen konnte zu arbeiten. Sonst brauchte ich gar nicht erst weiter arbeiten. Des weiteren bekam jedes Pferd nach der Lösungsarbeit eine kurze Verschnaufpause bevor ich anfing mit ihnen zu arbeiten. Genau so gehörte auch das verbale loben zu einer meiner Arbeitsmethoden. Das wurde zwar im Viereck nicht gerne gesehen, für mich aber unverzichtbar. Grade Zuhause im Training.

Nach einigen Runden Schritt nahm ich die Zügel wieder auf. Dieses mal wesentlich kürzer als vorher. Tibbe knickte im Genick ab und trat vermehrt unter den Schwerpunkt und nahm damit auch last auf die Hinterhand auf. Zufrieden Trabte ich an und saß aus. Da der dicke am Anfang immer dazu neigte etwas stumpf auf den Schenkel zu reagieren ritt ich auf den Zirkel, verkleinerte ihn etwas und ließ ihn immer leicht etwas Schulter vor gehen oder Travers. Zwischen den Lektionen schickte ich ihn immer wieder etwas vorwärts und schon bald war Tibbe wach. Trotzdem machte ich einen Handwechsel und wiederholte die Lektion auch noch mal auf der anderen Hand. Schulter vor, vorwärts reiten, wieder versammeln und Travers. Tibbe war mittlerweile wach und arbeitet konsequent mit.
In den nächsten Minuten arbeitete ich intensiv mit ihm an der Stellung und Biegung. Ich ritt viele Schlangenlinien und Volten. Immer wieder darauf beachtet, das Tibbe sich schön bog. Da mein Friese heute sehr gut mitgearbeitete galoppierte ich nun an. Als nächstes ritt ich immer wieder Tempiunterschiede. Vorwärts und wieder zurück.
Da einfach alles gut lief heute beendete ich damit das Training. Ich trabte noch einige Runden leicht und ließ die Zügel aus der Hand kauen.

Nach dem ich Tibbe trocken geritten hatte stieg ich ab und schob die Steigbügel hoch. Danach löste ich den Sattelgurt und wollte grade die Halle verlassen, als von außen die Hallentür aufgeschoben war. Jana stand mir gegenüber.
„Bist du fertig? Ich wollte gerne schnell die Halle schleppen“
Ich sah mich in der Halle um und sah sie entschuldigend an.
„Ich muss noch abäppeln, aber dann kannst du hier rein“
Jana sah sich in der Halle um und verzog das Gesicht. Ich wiederum bekam ein schlechtes Gewissen. Sechs Pferde hatte ich heute in der Halle geritten und nicht ein mal den Pferdemist eingesammelt.
„Geh den Trecker holen ich sammel sie schnell ein. Wird nicht wieder vorkommen“
„Alles gut“

So machte Jana sich auf den Weg und ich nahm mir die Schubkarre und sammelte den ganzen Mist ein. Tibbe stapfte artig hinter mir her und wartete bis ich fertig war. Da die Schubkarre mittlerweile voll war, leerte ich diese auch noch schnell aus bevor ich mit Tibbe wieder in den Stall ging. Grade als ich den Stall betrat fuhr Jana in die Halle.

Ein Blick auf die Uhr verriet mir das ich mich nun doch beeilen muss. Ich stellte Tibbe unters Solarium, nahm ihm Sattel und Trense ab und räumte danach auf. Im laufe des Tages war doch einiges liegen geblieben. Dies stopfte ich nun in meinen Schrank. Morgen war auch noch ein Tag. Schnell fegte ich noch die Stallgasse. Da es erst Nachmittag war konnte Tibbe noch etwas raus. Auf den Weg zur Weide begegnete ich Ellen. Sie war mit ihrem Hengst auf den weg zum Stall.
„Hey Ellen, kommst du heute Abend eigentlich auch?“
„Ja klar, das lass ich mir doch nicht nehmen“
Damit war das Gespräch allerdings auch schon wieder beendet, den wir beide hatten es eilig.

Knapp 4 Stunden später stand ich in meiner vollen Wohnung. In der Zwischenzeit hatte ich geduscht, aufgeräumt, etwas zum essen bereitgestellt und Getränke gekühlt. Meine 2,5 Zimmerwohnung platzt fast. Neben Hank und seiner Familie waren auch einige Eichenau Mädchen da. Jana, Ariadna, Bianca, Ellen, Hanna, Stefanie und unsere neue Einstallerin Isri hatten sich auf meinem Sofa gequetscht und unterhielten sich angeregt. Im Raum verteilt standen in kleine Grüppchen meine Nachbarn hier direkt aus dem Haus. Im Erdgeschoss wohnten zwei Familien. Eine Kinderlose und eine mit drei Kindern. Bei mir im Obergeschoss wohnte eine Frau mit ihrem Sohn und über uns im Dachgeschoss wohnte eine Rentnerin. Die zweite Wohnung direkt über mir war auch bewohnt, aber ich hatte den Bewohner noch nicht kennen gelernt. Immer wenn ich ihn einladen wollte, war er nicht da. Ich hatte der Dame gegenüber in der Wohnung zwar gebeten ihm bescheid zu sagen, aber er war nicht gekommen.

Das klingeln der Wohnungstür holte mich aus meinen Gedanken. Wer war das den jetzt? Gut gelaunt und schwungvoll öffnete ich die Tür. Vor mir stand ein Junger Mann, schätzungsweise etwas älter als ich und auch einen Kopf größer. Ich war mit meinen 1,67 aber auch nicht grade groß.
„Hallo“ begrüßte ich ihn etwas verunsichert.
„Guten Tag, mein Name ist Jason Ferguson“
Er holte einen Ausweis aus der Tasche und zeigte ihn mir. Etwas entsetzt sah ich den Mann. Polizei war das erste was mir auf diesen Ausweis ins Auge viel.
„Was kann ich für sie tun?“ fragte ich nun total verunsichert.
„Ich würde mich gerne beschweren, dass ich nicht persönlich zur Party eingeladen wurde“
„Was …?“
„Jason, hör auf mit dem Mist. Sie kann doch nichts dafür das du nie Zuhause bist“ die Rentnerin aus dem Dachgeschoss schnitt mir das Wort ab. Jetzt war ich erst recht verwirrt. Das schien sie auch zu merken.
„Liebes, das ist Jason. Er wohnt in der Wohnung über dir. Er ist eigentlich ganz lieb, im Moment nur etwas überarbeitet. Außerdem macht er gerne scherze. Nimm ihm das nicht übel“
„Kommen sie rein“ sagte ich immer noch etwas verwirrt.

Die beiden gingen gemeinsam ins Wohnzimmer. Die alte Dame sprach unentwegt auf ihn ein. Sie war richtig sauer auf ihn.
„Was war das denn?“ fragte Ariadna mich.
Ich sah sie an „Wenn ich das wüsste“ gab ich zu und fügte noch hinzu „aber schlecht sieht er nicht aus“
Lachend gingen wir wieder zu den anderen ins Wohnzimmer.


zuletzt bearbeitet 25.05.2017 15:00 | nach oben springen


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