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Raffi #02 - Warum Hengste?

in Leila 24.07.2018 10:18
von Leila • 101 Beiträge | 173 Punkte

Guten Morgen, Sonnenschein! Ich hoffe du hast gut geschlafen und machst dir einen entspannten Samstag! Ich bin schon vom Brötchen-Holen zurück und lasse es jetzt gemütlich angehen.
Raffi grinste ihr Handy an. Thomas hatte ja keine Ahnung, sie hatte ihm allerdings auch nicht viel darüber erzählt. Vor allem nicht, dass ihr Samstag schon vor ein paar Stunden begonnen hatte und ziemlich lang werden würde. Sie begann eine Antwort zu schreiben, nippte an ihrem Kaffee und grinste wieder vor sich hin.
"Oh da hat jemand Männergeschichten laufen!", stellte Karin neben ihr fest, also erzählte Raffi ihr von dem attraktiven Kollegen, den sie im lauschigen Schatten einer Buche geküsst hatte.
"Sie zu, dass du nicht mit zu vielen Männern jonglierst beim Tagesprogramm heute. Erst zwei überaus charismatische Kater zu Hause, dann einen attraktiven Kollegen und heute noch drei waschechte Dressur-Typen dazu", lachte Karin.
"Warum genau hast du noch einmal darauf bestanden, dass ich mir auch Hengste ansehe?", fragte Raffi verwirrt. Sie hatte sich von Beginn an nur für Stuten und Wallache ausgesprochen. Hengste waren immer kompliziert: Es gab nur wenige Ställe, an denen Hengsthaltung möglich war, man konnte sie auf Turnieren kaum alleine lassen, wenn man sie nicht in einem guten Stallzelt oder gar einer sicheren Gastbox wusste. Dann waren zwar sicher nicht alle aber eben doch sehr viele immer ein bisschen unberechenbar und - nunja - hengstig, das Wort kam schließlich nicht von irgendwo her. Ja, sie hatte selbst auch schon auf Hengsten gesessen und hatte sowohl Herren erlebt, die das Klischee erfüllten, als auch absolute Gegenteile. Im Beritt störte es sie nicht, auch mal herrische Herausforderungen zu haben, als ihr eigenes Pferd wollte sie es jedoch nicht.
"Für alle davon ist es möglich, einen Umweg über die Klinik zu machen und dann als Wallache bei dir anzukommen. Sollten sie hengstige Charaktereigenschaften haben, werden die wohl auch noch ein Weilchen bleiben, aber Langfolgen habe ich da in meiner gesamten Karriere bislang seltener erlebt. Solche Pferde werden selten so entspannt, wie sie es als reine Wallache gewesen wären, aber auch unter den spät Gelegten findet man wahre Schätze. Die Hengste heute sind mit 8 Jahren gut dafür geeignet, der 12jährige vielleicht auch, wenn er es charakterlich von sich aus entspannter angehen lässt. Er läuft schon Grand Prix und ist daher bestimmt einen Blick wert", erzählte Karin ihr.
Das klang in der Tat nicht schlecht und hin und wieder musste man nun auch mal über seinen Schatten springen.
"Das war Terbeck, oder?", fragte Raffi dann.
"Ja, genau. Die haben einen Reit- und Zuchtstall und verkaufen auch einen Teil ihrer Nachzuchten und einige andere Pferde. Die beiden 8jährigen stammen aus dem Hause, der 12jährige war als Zuchthengst im Einsatz, findet jetzt keinen reißenden Absatz. Bei ihm sprechen die Erfolge für sich", antwortete Karin.
"Na gut, wir werden ja sehen"
Sie fuhren noch eine Weile, ehe sie den Zielhof erreichten. Auch hier war wieder eine Atmosphäre von Professionalität das erste, was man realisierte. Das währte aber nur kurz, da unter lauten Gebell zwei eindrucksvolle Hunde auf sie zugeschossen kamen, Beide hatten diese spitzen Ohren, Raffi kannte sich nicht gut mit Hunderassen aus, wusste aber, dass diese hier gerne mal als Bösewichte in Kinderfilmen eingesetzt wurden.
"Rocko, aus!", kam es von einer Ecke und der Hund hielt augenblicklich in seinem Sprint inne.
"Entschuldigen Sie, aber er ist dazu ausgebildet, Fremde erst einmal fern zu halten bei den Kostbarkeiten am Hof", erklärte der Mann, der auf sie zu kam
"Markus Terbeck, ich leite die Anlage hier", stellte er sich vor.
"Das ist Raphaela Hoffman, ich bin Karin Meßkamp, wir haben telefoniert", stellte Karin sie beide vor.
Raffi war zwar nie schüchtern gewesen und eigentlich ging es auch um ihr Interesse an Pferden, die Connections hatte aber Karin und daher durfte sie das Gelaber machen.
"Ah ja, wegen Honor, Canasteo und Copernicus" Das Gesicht ihres Gegenübers hellte sich auf. "Ja, wir haben Sie schon erwartet, folgen Sie mir, meine Kollegin Tanja kümmert sich um alle Belange rund um den Verkaufsstall"

Sie gingen über den Hof, nun begleitet von zwei Hunden, von denen einer deutlich friedlicher aussah als das andere Exemplar. Markus Terbeck stellte ihnen Tanja Cooper vor, entschuldigte sich dann und verabschiedete sich. Tanja erzählte ihnen ein bisschen war von den drei Hengsten, die sie sich genau wer angeschaut hatten, dann betraten sie eine der Stallungen, in der in großzügigen Boxen elegante, große Tiere standen. Sie machten schließlich Halt vor einer Box, in der ein imposanter Schimmel entspannt an seinem Heu knabberte. Er schaute ihnen kurz zu und drehte dann den Kopf wieder zu seinem Heu.
"Das wäre Nummer Eins: Made of Honour. Platziert bis Grand Prix, aktuell 12jährig, Trakehner, ein Lancer-Sohn, kann auch schon Zuchterfolge nachweisen"
Sie hielten an einer weiteren Box, in der wieder ein Schimmel stand.
"Hier Nummer Zwei: Canastero, Hengst von unserem Chamberlain aus einer Freudentänzer-Mutter, Vesländer, 170cm Stock, platziert bis M** und auch im Springen bis A** trainiert"
Der Schimmel drücke den Kopf gegen das Gitter und schaute interessiert zu ihnen heraus. Sie gingen wieder weiter und kamen zu einer dritten Box. Der Fuchshengst darin hielt in dem, was er grade getan hatte inne und beäugte sie neugierig.
"Und Nummer Drei: Copernicus von Castiel, Mutter ist von Erlenprinz, auch ein Vesländer, 172cm Stock, platziert bis M und seit diesem Frühling nun ausschließlich im Training für den Verkauf. Es ist jetzt an Ihnen, mit welchem der Jungs Sie denn beginnen wollen."

Raffi ging unaufgefordert hin und her und schaute sich alle drei hengste noch einmal an. Als sie wieder vorne standen, bemerkte sie im Augenwinkel wieder Bewegungen aus der Box von Copernicus. Sie strengte sich an, zu erkennen, was er tat. Der Hengst stand in der Box und koppte.
"Hat Copernicus wegen dem Koppen schon mal Probleme gehabt?", fragte sie Tanja Cooper direkt. Die schaute etwas ertappt und beeilte sich zu sagen: "Bislang gab es bei ihm keinerlei Auffälligkeiten, es tritt auch nur auf, wenn er zu wenig Beschäftigung bekommt. Wir haben das Problem gut im Griff"
Da scheint der Besuch von fremden menschen ja nicht genug Beschäftigung zu sein, dachte Raffi bei sich und strich den Hengst von der Liste.
"Ich würde die anderen beiden gerne erst einmal unterm Sattel sehen, ehe ich mir überlege, welchen ich zuerst ausprobiere", entschied sie sich. Tanja Cooper schickte zwei Pferdepfleger los, die beiden Hengste auf die Aufgabe vorzubereiten und bot ihnen Kaffee an, den sie dankend annahmen und sich erst einmal in die Stube mit Blick in die Reithalle verzogen.
Sie waren kaum zwei Minuten dort, als schon zwei Pfleger mit den Hengsten die Halle betraten, offensichtlich waren sie schon im Vorfeld geputzt worden, damit für einen Proberitt nur noch gesattelt werden musste. Beim Wenden vor dem Tor beobachtete Raffi, wie Canastero auf Geheiß schwungvoll die Hinterhand drehte und dabei den Pfleger mit der Schulter anrempelte. Dieser schalt den Hengst kurz und zog das Tor zu, dann gesellte er sich wieder zu dem anderen, ging aber recht bald auf Abstand, als Made of Honor die Ohren flach anlegte und in Ruchtung des jüngeren hengstes giftete. Das schaute ja sehr harmonisch aus mit den Burschen.
Die Reiter saßen auf und ritten los, Canastero schien sich an Honor zu orientieren, der wiederum nicht aussah, als würde er es - wie hatte Karin es noch mal formuliert? - von sich aus entspannter angehen lassen. Das bestätigte sich auch gleich, als der ältere Hengst einen Satz zur Seite machte, den Hintern hoch warf und ein paar vom Reiter direkt unterdrückte Galoppsprünge hinlegte.
"Er ist am Anfang immer ein bisschen aufgeregt jetzt im Winter", entschuldigte Tanja Cooper das Verhalten des Hengstes. Raffi beobachtete, wie der Reiter den Zügel kurz annahm und den Hengst runterspielte, ablenkte, es aber nicht abschalten konnte, dass das Pferd offensichtlich ein wanderndes Pulverfass war.
Canastero hingegen schritt inzwischen einigermaßen entspannt am langen Zügel durch die Halle. Die Reiter hatten etwas Abstand zueinander genommen und arbeiteten beide auf ihre Weise. Canastero durfte mit Bögen anfangen, Honor trippelte weiter vor sich hin und kam nicht zur Ruhe. Raffi nahm sich vor, nur noch dem jüngeren Hengst Beachtung zu schenken, wo der ältere für sie so unentspannt schon rausgeflogen war. Wenn er in bekanntem Umfeld schon so agierte, wollte sie ihn nicht in Unbekanntem kennenlernen. Ihr Plan wurde schnell durchkreuzt. Sie hatte nicht gesehen, was es ausgelöst hatte, aber mit einem Mal stand Honor auf den Hinterbeinen, schaffte es doch wieder vorne runter zu gehen und spurtete dann buckelnd los. "Das muss am Kälteeinbruch liegen", hörte Raffi es von der Seite.
Sie schauten weitere 20 Minuten zu, wie Canastero langsam in Trab und Galopparbeit überging und von Honor dann doch irgendwann ordentliches Verhalten kam. Raffi erklärte schließlich, nur den jüngeren Hengst zu reiten und erhob sich ehe ihre Betreuung das Hinterfragen konnte. Bislang war sie sehr enttäuscht von den drei präsentierten Pferden. Von Honor hatten sie nichts über Verhaltensauffälligkeiten gehört und vom Koppen des dritten Hengstes war auch keine Rede gewesen.

Canastero aber schien weder verhaltensauffällig zu sein noch das Klischee des Hengstes voll zu erfüllen. Der Proberitt lief recht zufriedenstellend. Der Hengst beherrschte eine Reihe Lektionen und ließ einen Großteil davon abfragen. Er war sichtlich bemüht, auf alle Hilfen richtig zu reagieren, trotzdem hatten sie Verständigungsprobleme, die Raffi aber einfach auf die Tatsache schob, dass es für sie ein fremdes Pferd war und sie für den Hengst im Gegenzug auch ein Fremdreiter. Nachdem sie ihn knapp 30 Minuten geritten war und gearbeitet hatte, parierte sie schließlich zum Schritt und ließ sich den Hengst von einem Pferdepfleger abnehmen, der ihn trocken führte.
Sie unterhielten sich noch mit Tanja Cooper und versprachen, sich zu melden. Dann war der Besuch auch schon wieder vorbei und sie saßen im Auto.

"Das war nicht das Gelbe vom Ei", bemerkte Raffi, als sie aus der Hofeinfahrt fuhren.
"Nein, tatsächlich nicht", bestätigte Karin ihr.
"Talent hin oder her, ich möchte kein Pferd haben, mit dem ich ewig kämpfe, ehe wir anfangen zu arbeiten und einen Kopper möchte ich auch nicht", begründete sie ihre Wahl.
"Das kann ich verstehen", nickte Karin, "Lass mich raten, der Ritt auf dem dritten hengst war dann auch eher negativ gefärbt"
Raffi zuckte mit den Schultern. Tatsächlich wusste sie nichts weiter auszusetzen an Canastero, aber der Funke war nicht über geschlagen. Sie erklärte es Karin.
"Manchmal muss es eben Klick machen", nickte sie wieder.

Sie hielten zum Mittagessen an, dann brachte Karin Raffi nach Hause. Morgen waren noch Termine, dann musste sie sich überlegen, ob sie ein Pferd in der Woche noch einmal besuchen wollte für entspannten Plausch und näheres Kennenlernen.

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#2

RE: Raffi #02 - Warum Hengste?

in Leila 31.07.2018 20:59
von stogadis • 92 Beiträge | 128 Punkte

Schade, dass diesmal nichts gepasst hat. Trotzdem schön, nochmal von Raffi zu lesen. Vielleicht ist ja bei den nächsten Pferden was dabei?

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#3

RE: Raffi #02 - Warum Hengste?

in Leila 01.08.2018 12:45
von Leila • 101 Beiträge | 173 Punkte

Die Berichte sind von November, also im Grunde auch etwas für eine Past-Kategorie :D inzwischen hat Raffi Esme aus dem ersten Bericht gekauft und hat sie nach zwei Stallwechseln hier eingestellt. Demnächst kommt wohl auch Mal wieder was zu ihr :)

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